Der Pflegebranche fehlen Fachkräfte. In der politischen Diskussion wird in diesem Zusammenhang immer wieder betont, dass gerade in der Altenpflege zu niedrige Löhne gezahlt würden. Seit dem Jahr 2012 sind die Entgelte im Pflegebereich im Großen und Ganzen entsprechend der allgemeinen Lohnentwicklung gestiegen. Dabei ist das Lohngefälle zwischen Kranken- und Altenpflege weitgehend konstant geblieben. Auch die regionalen Entgeltunterschiede sind nach wie vor erheblich.

In der politischen Debatte wird seit Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass die Löhne insbesondere in der Altenpflege zu niedrig seien, um einerseits eine gute Pflege sicherzustellen und andererseits Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Tatsächlich sind die Entgelte, genauer gesagt die monatlichen Median-Bruttoentgelte, in der Altenpflege in den letzten Jahren nicht viel schneller gestiegen als die Löhne insgesamt.

Die folgenden Analysen und Angaben beziehen sich auf Vollzeitbeschäftigte (siehe Infokasten „Daten und Methoden“). Während die Löhne aller Vollzeitbeschäftigten zwischen 2012 und 2016 um 8,6 Prozent zulegten, verzeichneten vollzeitbeschäftigte Helfer und Fachkräfte in der Altenpflege Zuwächse von 9,6 beziehungsweise 9,4 Prozent. Bei Fachkräften in der Krankenpflege belief sich das Plus auf 8,9 Prozent, bei Helfern in der Krankenpflege auf 7,1 Prozent. Damit hat sich das starke Lohngefälle zwischen Kranken- und Altenpflege nur unwesentlich verringert (siehe Abbildung 1).

Fachkräfte in der Altenpflege verdienen im Schnitt 16 Prozent weniger als die Beschäftigten insgesamt

Fachkräfte in der Krankenpflege verdienen mit durchschnittlich 3.239 Euro geringfügig mehr als die Beschäftigten insgesamt mit 3.133 Euro. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in der Krankenpflege häufig Zuschläge für spezielle Dienste wie Nachtschichten oder Arbeit auf der Intensivstation gezahlt werden.

Fachkräfte in der Altenpflege verdienen dagegen mit einem Durchschnittslohn von 2.621 Euro 16 Prozent weniger als die Beschäftigten insgesamt. Helfer in der Altenpflege schneiden im Vergleich am schlechtesten ab. Sie verdienen mit durchschnittlich 1.870 Euro gut 600 Euro weniger als Helfer in der Krankenpflege mit 2.478 Euro.

Entgelte in der Pflege sind im Osten deutlich niedriger als im Westen

Auch die regionalen Entgeltunterschiede sind nach wie vor erheblich. Dies gilt allerdings für das gesamte Lohngefüge. So verdienen Beschäftigte in Ostdeutschland im Schnitt 23 Prozent weniger als in Westdeutschland. Bei Fachkräften beträgt die Differenz fast ein Viertel (‑24,4 %), bei Helfern ein Fünftel (-20,2 %). Diese Ost-West-Kluft besteht ebenso in den Pflegeberufen, fällt allerdings prozentual meist etwas geringer aus (siehe Tabelle 1).

Das mittlere Bruttoentgelt der Fachkräfte in der Altenpflege liegt in Ostdeutschland mit 2.211 Euro knapp 20 Prozent unter demjenigen in Westdeutschland mit 2.737 Euro. Fachkräfte in der Krankenpflege erhalten dort im Mittel 11,6 Prozent weniger als im Westen. Auch bei den Helferberufen liegt der Westen vorn: Helfer, die in Ostdeutschland in der Altenpflege tätig sind, verdienen im Mittel 1.662 Euro. Das ist gut ein Sechstel (-15,1 %) weniger als im Westen, wo der Verdienst 1.957 Euro beträgt. Bei Helfern in der Krankenpflege sind es sogar 23 Prozent weniger: Hier liegt der mittlere Verdienst im Osten bei 1.999 Euro, im Westen dagegen bei 2.598 Euro.

Die Entgelte im Pflegesektor unterscheiden sich auch zwischen einzelnen Bundesländern erheblich. Bei den Fachkräften in der Altenpflege reicht die Spannweite zwischen 1.985 Euro in Sachsen-Anhalt und 2.937 Euro in Baden-Württemberg, bei den Fachkräften in der Krankenpflege zwischen 2.798 Euro in Mecklenburg-Vorpommern und 3.476 Euro im Saarland. Allerdings bestehen auch innerhalb Westdeutschlands und innerhalb Ostdeutschlands signifikante Unterschiede (siehe Abbildung 2).

Bei den Helfern in der Krankenpflege sind die Verdienstunterschiede zwischen den Bundesländern ebenfalls beträchtlich (siehe Abbildung 3). Schlusslicht ist hier Mecklenburg-Vorpommern mit 1.800 Euro, Spitzenreiter Rheinland-Pfalz mit 2.794 Euro. Die Entlohnung der Helfer in der Altenpflege reicht von 1.586 Euro in Sachsen-Anhalt bis zu 2.175 Euro in Nordrhein-Westfalen.

Bei der Beurteilung der regionalen Lohnspreizung müssen allerdings auch die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten berücksichtigt werden, was die Differenzen der Reallöhne etwas mindern dürfte.

Entgeltabstand zwischen Kranken- und Altenpflege variiert von Bundesland zu Bundesland erheblich

Betrachtet man den Entgeltabstand zwischen Kranken- und Altenpflege, so fällt auch dieser je nach Bundesland höchst unterschiedlich aus. In Sachsen-Anhalt verdienen Fachkräfte in der Altenpflege gut 30 Prozent weniger als Krankenpflegefachkräfte. In Bayern und Baden-Württemberg beträgt diese Diskrepanz im Schnitt nur gut 13 Prozent (siehe Abbildung 2).

Bei den Helferberufen sind die regionalen Entgeltdifferenzen zwischen Alten- und Krankenpflege ebenfalls unterschiedlich groß. So sind in Rheinland-Pfalz die Verdienste der Helfer in der Altenpflege um 32,4 Prozent niedriger als in der Krankenpflege. Dagegen beträgt die Differenz in Mecklenburg-Vorpommern weniger als zehn Prozent (siehe Abbildung 3).

Wichtig für die Beurteilung der Entlohnung von Pflegekräften ist zudem, wie sich diese in das allgemeine Lohnniveau von Fachkräften und Helfern im jeweiligen Bundesland einfügt. Fachkräfte in der Krankenpflege werden in allen Bundesländern besser entlohnt als der jeweilige Durchschnitt aller Fachkräfte – in den neuen Bundesländern (außer Berlin), wo das Entgeltniveau aller Fachkräfte vergleichsweise niedrig ist, um fast 30 Prozent. In den alten Bundesländern verdienen Fachkräfte in der Krankenpflege im Schnitt hingegen nur knapp zehn Prozent mehr als alle Fachkräfte. Die Spanne reicht hier von 6,1 Prozent in Hamburg bis zu 17,8 Prozent in Schleswig-Holstein.

Fachkräfte in der Altenpflege beziehen im Bundesdurchschnitt ein um gut neun Prozent niedrigeres Bruttogehalt als der Durchschnitt aller Fachkräfte. In den Bundesländern Niedersachsen, Bremen und Hessen fällt dieser Unterschied mit rund 15 Prozent überdurchschnittlich hoch aus. In den ostdeutschen Bundesländern sind es im Mittel nur gut drei Prozent. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern liegt das Entgeltniveau von Altenpflegefachkräften sogar etwas über dem aller Fachkräfte. In Sachsen-Anhalt hingegen verdienen Altenpflegefachkräfte 11,6 Prozent weniger als der dortige Durchschnitt aller Fachkräfte.

Helfer in der Altenpflege verdienen im Schnitt gut zwölf Prozent weniger als in anderen Branchen

Helfer in der Krankenpflege werden in der Regel besser entlohnt als die im jeweiligen Bundesland beschäftigten Helfer insgesamt. Der Entgeltvorsprung reicht von knapp 3 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 28 Prozent in Hamburg. Helfer in der Altenpflege schneiden beim Verdienstvergleich am schlechtesten ab. Ihr durchschnittliches Monatsentgelt beträgt 1.870 Euro und liegt damit rund ein Achtel unter dem mittleren Verdienstniveau aller beschäftigten Helfer. Zwischen den einzelnen Bundesländern bestehen hier ebenfalls große Unterschiede: Sie bewegen sich zwischen 1,7 Prozent in Hamburg und 17,6 Prozent in Niedersachsen.

Fazit

Die Löhne der Pflegekräfte stellen für die Pflegeeinrichtungen einen wesentlichen Kostenfaktor dar. Sie sind aufgrund der ausgehandelten Pflegesätze außerdem weniger flexibel als in anderen Wirtschaftsbereichen. Zugleich ist der Lohn als Instrument zur Motivation und längerfristigen Mitarbeiterbindung von erheblicher Bedeutung, wie IAB-Forscher Dieter Bogai in einer 2017 erschienenen Studie betont.

Um den wachsenden Fachkräftebedarf decken und gute Pflege sicherstellen zu können, muss sich eine Tätigkeit als Pflegekraft auch finanziell lohnen – sowohl mit Blick auf alternative Beschäftigungsmöglichkeiten als auch hinsichtlich der Lebenshaltungskosten in der jeweiligen Region. Gerade im Bereich der Altenpflege zeigen die Analysen, dass hier nach wie vor Verbesserungspotenzial besteht.

Daten und Methoden

Die Entlohnung der Pflegekräfte wird in dieser Untersuchung durch die Bruttoarbeitsentgelte ermittelt, die im Meldeverfahren zur Sozialversicherung erhoben werden. Diese Angaben entsprechen den tatsächlichen Zahlungen der Arbeitgeber (inklusive Sonderzahlungen, Zuschlägen etc.). Zudem werden Nominallöhne betrachtet, das heißt die Kaufkraft des Entgelts wird nicht angezeigt. Dazu müssten Reallöhne betrachtet werden, also die mit dem Preisniveau deflationierten Nominallöhne. Da für die Teilzeitbeschäftigten keine Angaben zur vereinbarten Stundenzahl vorliegen, können sich die Analysen nur auf die Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende) beschränken.

Insgesamt konnten die Entgelt-Daten von über 415.000 Fachkräften und mehr als 111.000 Helfern in den Pflegeberufen mit Vollzeit-Beschäftigungsverhältnissen ausgewertet werden. Zu berücksichtigen ist, dass wegen des hohen Teilzeitanteils nur 38 Prozent der in den ausgewählten Pflegeberufen beschäftigten Fachkräfte und Helfer in die Analysen einfließen. Die vielen Teilzeitbeschäftigten in der Pflege erreichen also gegenüber den hier ausgewiesenen Vollzeitlöhnen entsprechend niedrigere Lohnpositionen.

Die Einordnung der Helfer und Fachkräfte in den Pflegeberufen (Kranken- und Altenpflege) erfolgt nach der Klassifikation der Berufe (KldB 2010). Danach können Berufe nach ihrem Anforderungsniveau unterschieden werden. Helfer führen einfache, wenig komplexe (Routine-)Tätigkeiten aus, für die kein formaler beruflicher Bildungsabschluss oder eine einjährige (geregelte) Berufsausbildung erforderlich ist. Fachkräfte verfügen über fundierte Fachkenntnisse und überwiegend über den Abschluss einer dreijährigen (geregelten) Ausbildung.

Literatur

Bogai, Dieter (2017): Der Arbeitsmarkt für Pflegekräfte im Wohlfahrtsstaat. De Gruyter Oldenbourg, Berlin/Boston.

Bogai, Dieter; Carstensen, Jeanette; Seibert, Holger; Wiethölter, Doris; Hell, Stefan; Ludewig, Oliver (2015): Viel Varianz: Was man in den Pflegeberufen in Deutschland verdient. Berlin.

Fuchs, Michaela; Rauscher, Cerstin; Weyh, Antje (2014): Lohnhöhe und Lohnwachstum: Die regionalen Unterschiede in Deutschland sind groß. IAB-Kurzbericht Nr. 17.