Wie kaum ein anderes Ereignis hat die Zuwanderung von Geflüchteten im Jahr 2015 und danach die politische Debatte und das Meinungsbild in der Bevölkerung polarisiert. Vielfach geistern Aussagen durch die Diskussion, die durch Fakten nicht gedeckt sind. Eine wissenschaftliche Überprüfung von fünf prominenten Aussagen macht klar: Zentrale Argumente stehen auf tönernen Füßen.

Die öffentliche Debatte um die Integration von Geflüchteten ist kein Ort des sachlichen Austausches faktenbasierter Positionen. Emotional und mitunter auch angstbesetzt werden die Integrationsfortschritte, Motive und Lebensumstände von Geflüchteten diskutiert. Aus dieser Diskussion werden hier beispielhaft fünf Behauptungen herausgegriffen, die die Aufnahme und Integration von Geflüchteten problematisieren. Eine Möglichkeit, diese Behauptungen empirisch zu überprüfen, bieten die Ergebnisse des IAB-Projekts „Netzwerke der Integration“. Für diese Studie wurden ausführliche Gespräche mit syrischen Geflüchteten geführt (siehe Infokasten „Daten und Methoden“). Ihre Erzählungen, Einschätzungen und Erfahrungen machen deutlich, dass es sich bei den Behauptungen um populäre Irrtümer handelt, die wenig mit der Realität zu tun haben.

 „Geflüchtete wollen sich nicht integrieren!“

Immer wieder hört man die Befürchtung, dass Geflüchtete sich gar nicht integrieren wollen. Sie blieben lieber unter sich, sprächen vorwiegend ihre Muttersprachen und pflegten ihre Traditionen – obwohl es doch geboten sei, sich für die Sitten und Gepflogenheiten des Aufnahmelandes zu interessieren.

Aus den vielen mehrstündigen persönlichen Gesprächen im Rahmen der IAB-Studie „Netzwerke der Integration“ ergibt sich indes ein ganz anderer Eindruck. Die Integrationsorientierung der Geflüchteten ist durchweg hoch: Sie bringen Neugierde und Offenheit gegenüber dem Land mit, das sie in einer Notsituation aufgenommen hat, in der andere – geografisch und kulturell näherliegende – Länder ihnen das verweigerten. Auch aus Dankbarkeit und als Gegenleistung dafür betonen die Ankommenden, dass sie ‚gute Bürgerinnen und Bürger‘ werden, die Sprache lernen, einer Arbeit nachgehen und sich ansonsten den hiesigen Gepflogenheiten anpassen wollen.

Unzweifelhaft kommt die Erwartung, dass die Geflüchteten sich doch zügig integrieren mögen, bei den Geflüchteten sehr klar an. Der Satz „Die Deutschen wollen, dass wir uns integrieren“ fiel in den Gesprächen mehr als einmal. Kommuniziert wird dieser Integrationsimperativ in massenmedialen Diskussionen, Integrationskursen und nicht zuletzt über ehrenamtlich Helfende. Eine Ehrenamtliche hat es sich zum Beispiel regelrecht zur Aufgabe gemacht, einen Geflüchteten („ihren Schützling“) staatsbürgerlich zu erziehen – was in ihrem Denken auch die Vermittlung von Frauenrechten und die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften einschließt. Bei all dem Pochen auf Integration wird meist stillschweigend vorausgesetzt, dass die „Anderen“ sich einseitig an „hiesige“ Werte, Institutionen und Gepflogenheiten anzupassen haben.

In sozialer Hinsicht fällt die Integrationsorientierung besonders stark aus. Buchstäblich alle Befragten äußern den Wunsch, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen und sie in ihr Leben einzubinden. Gleichwohl bleiben enge private Kontakte zu Deutschen einer Minderheit vorbehalten, wie ein 2020 erschienener Beitrag von Stefan Bernhard im IAB-Forum zeigt. Dafür gibt es viele Gründe: Verständigungsschwierigkeiten, vordringliche familiäre oder psychische Probleme oder fehlende Gelegenheiten, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen.

Letzteres verweist darauf, dass die Lebenswelten von Einheimischen und Neuankommenden sich nur selten überschneiden. Das ergibt sich aus der von Vicki Täubig bereits im Jahr 2009 beschriebenen „organisierten Desintegration“ der Geflüchteten: Diese leben unter anderem in separaten Wohnheimen, nehmen an tagesfüllenden Sprachkursen teil und unterliegen anfangs Beschränkungen beim Arbeitsmarktzutritt. In den ersten Monaten und Jahren in Deutschland unterscheidet sich ihr Alltag damit grundlegend von dem der Alteingesessenen, was wenig Raum für gegenseitige Annäherungen bietet.

„Die (muslimischen) Geflüchteten teilen unsere Werte nicht!“

Bei muslimischen Geflüchteten rücken schnell kulturelle Unterschiede in den Mittelpunkt der Wahrnehmung. Man fragt, inwiefern „der Islam“ zu Deutschland gehöre oder inwiefern (muslimische) Geflüchtete „unsere“ Werte teilen. Diese Gegenüberstellung von innen und außen beziehungsweise von Einheimischen und Anderen wirkt gleich in doppelter Hinsicht verzerrend. Mit Blick auf die hiesige Bevölkerung impliziert sie, dass freiheitlich-demokratische Werte fest verankert sind. Einige empirische Studien, wie die von Oliver Decker und Elmar Brähler aus dem Jahr 2020, melden diesbezüglich allerdings Zweifel an. Demnach weist beispielsweise jeder vierte Mann und jede zehnte Frau in Deutschland ein geschlossenes anti-feministisches Weltbild auf, während ein Drittel der Aussage zustimmt, gewählte Politiker seien Marionetten „dahinterstehender Mächte“.

Diese und andere Befunde belegen, dass sich auch die Werteorientierungen der etablierten Bevölkerung keineswegs auf einen Nenner bringen lassen – wie es vor allem diejenigen gerne nahelegen, die sich mit Vorliebe einer „Wir-gegen-die-Anderen-Rhetorik“ bedienen.

Und wie sieht es mit der Wertorientierung von Geflüchteten aus? Weichen sie tatsächlich von denen der in Deutschland Lebenden ab? Aktuelle Befunde von Herbert Brücker und anderen aus dem IAB-Forschungsbericht 11/2020 weisen eine hohe Zustimmung von Geflüchteten zu liberalen, freiheitlich-demokratischen Werten aus.

Die Auswertungen der mehrstündigen Gespräche der eingangs erwähnten IAB-Studie „Netzwerke der Integration“ stützen diesen Eindruck. Da werden flammende Appelle für die Demokratie gehalten, Freiheitsrechte gefeiert, soziale Grundrechte gewürdigt und der Glauben an freie Religionsausübung bekannt. Deutschland erscheint dabei immer wieder als leuchtender Kontrast zur düsteren Lage im Herkunftsland.

Ein Befragter, selbst Aktivist des arabischen Frühlings, erzählt begeistert von seiner ersten Demonstrationsteilnahme in Deutschland, wo die Polizei die Demonstrierenden nicht verfolgt, sondern begleitet und beschützt habe. Angesichts solcher Aussagen drängt sich der Eindruck auf, dass man sich des Potenzials der Geflüchteten für das politische Gemeinwesen noch nicht genug bewusst ist.

Selbstverständlich verändert sich eine Gesellschaft auch durch Zuwanderung. Stärker noch aber verändern sich die Ankommenden: Es finden kritische Auseinandersetzungen mit tradierten Werten statt, neue Handlungsmöglichkeiten werden wahrgenommen und neue Lebenswege eingeschlagen. Erkennbar wird dies etwa an Frauen, die die Möglichkeit einer Ehescheidung wahrnehmen, oder Männern, die die eigenen geschlechtsspezifischen Rollenverständnisse hinterfragen. Diese Entwicklungen sind auch insofern naheliegend, als nicht wenige der hier Ankommenden ihre alte Heimat verlassen haben, um in Freiheit, Gleichheit und in Sicherheit zu leben.

„Die wollen doch gar kein Deutsch lernen!“

Meldungen von Geflüchteten, die an Sprachtests scheitern, könnten Zweifel an deren Motivation nähren: Wollen die Geflüchteten etwa gar kein Deutsch lernen? Meinen „die“ etwa, man braucht die Sprache nicht? Keineswegs: Deutschlernen steht bei den Neuankommenden ganz oben auf der Agenda. Ein Befragter formuliert das so: „Ich muss Deutsch [sprechen]. Egal, ob ich es kann. Ich muss Deutsch [sprechen]. Notfalls mit Händen und Füßen.“

Diese Äußerung dokumentiert exemplarisch die hohe Integrationsorientierung der Geflüchteten. Es mangelt ihnen auch nicht an der Einsicht, dass man ohne Sprachzertifikate beruflich nicht weit kommt. Tatsächlich zerplatzen berufliche Träume bei den Befragten immer wieder, weil das erforderliche Sprachniveau für eine Ausbildung, ein Studium oder eine Berufsanerkennung nicht erreicht wurde.

Trotz der hohen Motivation und der intensiven Bemühungen, Deutsch zu lernen, schreitet der Spracherwerb der Geflüchteten relativ langsam voran: Im bereits erwähnten IAB-Forschungsbericht wird der Anteil derer, die gut oder sehr gut Deutsch sprechen, auf knapp 50 Prozent beziffert. Diese Studienergebnisse werfen die grundsätzliche Frage auf, wie Schwierigkeiten im Sprachlernprozess entstehen.

Antworten auf diese Frage finden sich in der Lebenssituation der Geflüchteten, in den fehlenden Rückzugsmöglichkeiten durch beengtes Wohnen, in Verpflichtungen gegenüber Familienmitgliedern, in einem Mangel an passenden Sprachkursen und in langen Wartezeiten auf Anschlusskurse. Belastende beziehungsweise traumatisierende Erfahrungen und geringe Schulbildung können das Sprachlernen zusätzlich behindern. Insgesamt ist das Sprachlernen also ein anforderungsreicher Prozess, der durch eine Vielzahl von Faktoren geformt wird.

Wirken mehrere hemmende Faktoren zusammen, kann der Spracherwerb frühzeitig und dauerhaft abgebrochen werden. Einer der Befragten ist 40 Jahre alt, Familienvater und verfügt über keine formale Bildung. Er fremdelte von Beginn an mit dem Sprachschulbetrieb. Einen Kurs für Analphabetinnen und Analphabeten hat er nie besucht, und die Chance zum ruhigen Lernen bietet seine kleine Wohnung in einem Flüchtlingswohnheim, die er mit zahlreichen weiteren Familienangehörigen teilt, nicht. Obwohl er sehr motiviert ist, spricht oder versteht er auch nach fünf Jahren in Deutschland die deutsche Sprache nicht.

Umgekehrt können begünstigende Faktoren des Sprachlernens in positiver Weise zusammenspielen. Das wird im Fall des Befragten deutlich, dessen Sprachlernmotto oben zitiert wurde („Ich muss Deutsch [sprechen]…“). Dabei handelt es sich um einen jungen Mann, der mit Abitur und Arbeitserfahrung nach Deutschland kam. Ihn zeichnet aus, dass er auch angesichts größerer Hindernisse nicht verzagt und zielorientiert den institutionalisierten Spracherwerb bis zum C1-Zertifikat verfolgt, weil er es für die Zulassung zum Studium benötigt. Die Gegenüberstellung der Lernerfahrungen der beiden Befragten zeigt, wie individuell die Bedingungskonstellationen von Sprachlernprozessen ausfallen.

„Denen wird alles hinterhergeworfen!“

Eine weitere gängige Behauptung ist, dass den Geflüchteten „alles“ hinterhergeworfen werde: Geld, Wohnung, Krankenversicherung, lebenspraktische Unterstützung – und all das ganz ohne Arbeit oder eine andere Gegenleistung. Schon ein Blick auf die institutionellen Rahmenbedingungen des Asylsystems entlarvt diese Behauptung allerdings als maßlose Übertreibung.

Die kostenlose Wohnung bedeutet in der Regel zunächst eine Unterbringung in spartanischen Gemeinschaftsunterkünften. Das Taschengeld, das Geflüchtete nach ihrer Ankunft bekommen, ist mit weniger als fünf Euro pro Tag (Kinder erhalten circa drei Euro) keineswegs großzügig bemessen. Die Leistungen der gesundheitlichen Versorgung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sind in den ersten 15 Monaten des Aufenthalts in Deutschland zunächst eingeschränkter als die für gesetzlich Krankenversicherte und decken im Prinzip nur die Behandlung akuter Erkrankungen und Schmerzzustände ab.

Die Vorstellung, dass Geflüchtete nach ihrer Ankunft in Deutschland gleichsam ein „Rundum-sorglos-Paket“ erhalten oder gar besondere Privilegien genießen, entbehrt also jeder Grundlage. Erst wenn über einen Asylantrag positiv entschieden wurde, gehen die Betroffenen in den Zuständigkeitsbereich der sozialen Grundsicherung über. Und dort behandelt man sie wie andere Leistungsberechtigte auch, nach dem Grundsatz des Förderns und Forderns.

In den Gesprächen mit den Geflüchteten trifft man mitnichten auf das Gefühl, dass es ihnen zu leichtgemacht wird. Ohne Frage: Man weiß Geldzahlungen, kostenlose Krankenversorgung und Unterbringung zu schätzen. Gerade die Personen, die länger in Transitländern gelebt haben und unter menschenunwürdigen Lebensumständen zu leiden hatten, haben erfahren, wie hart es Geflüchtete vielerorts haben. Dennoch fällt das Leben in Deutschland nicht immer leicht: Die Heimat scheint verloren, der gewachsene Freundes- und Bekanntenkreis außer Reichweite, die Familie verstreut, das neue Land fremd, unverständlich und manchmal abweisend oder gar feindselig.

Mögen die Sozialleistungen für Geflüchtete hierzulande besser ausgestaltet sein als anderswo: Angesichts der existenziellen Herausforderungen, denen sich Menschen mit Fluchterfahrung gegenübersehen, sind sie kaum mehr als eine unverzichtbare Starthilfe.

„Die wollen doch nur auf der faulen Haut liegen!“

Ein weiteres Vorurteil unterstellt den Geflüchteten mangelnde Arbeitsbereitschaft. Wer dies behauptet, beruft sich unter anderem darauf, dass Geflüchtete später in den Arbeitsmarkt einmünden als andere Migrantengruppen wie Heirats-, Bildungs- oder Erwerbsmigranten.

Dieser Vergleich verkennt allerdings grundlegende Besonderheiten der unfreiwilligen Fluchtmigration: Anders als etwa arbeitsuchende EU-Binnenmigranten haben Geflüchtete sehr viel weniger Spielraum, wenn es darum geht, in das Land ihrer Wahl zu ziehen (zum Beispiel dorthin, wo sie in ihrem erlernten Beruf die besten Verdienstchancen haben) und sich vorab arbeitsmarktrelevantes Wissen oder notwendige Sprachkenntnisse anzueignen.

Viele Geflüchtete verfügen zudem nicht über Bildungszertifikate oder vergleichbare Dokumente, mit denen sie ihre beruflichen Fähigkeiten hierzulande nachweisen könnten. Dies kann daran liegen, dass solche Dokumente in ihren Herkunftsländern nicht üblich sind, dass sie im Krieg oder auf der Flucht verloren gegangen sind oder nach überstürztem Aufbruch nicht nachträglich beschafft werden können. So hat sich einer der Befragten nach langem Zögern dagegen entschieden, eine Kopie seines Abschlusszeugnisses in Syrien anzufordern, weil er Repressalien des Assad-Regimes gegen seine Familie in Syrien fürchtet.

Bei all dem darf man nicht vergessen, dass eine Flucht mit fürchterlichen Erlebnissen verbunden sein kann: Die Befragten berichten von Krieg, Leid, Folter und Verfolgung. Eine Normalisierung ihres Lebens im Ankunftsland – oder gar ein Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt – dauert insbesondere bei den Personen länger, die erlittene Traumata verarbeiten müssen.

In dieser Situation legt der Asylprozess den Geflüchteten noch weitere Steine in den Weg. Wie eine Studie von Herbert Brücker und anderen aus dem vergangenen Jahr zeigt (siehe IAB-Kurzbericht 3/2020), mindert die Wohnsitzauflage die Erwerbsaussichten der Geflüchteten. Während laufender Asylverfahren wird die Unsicherheit über die Aufenthaltsperspektive zu einem Einstellungshindernis für die Arbeitgeber. Wer investiert schon gerne in eine Arbeitskraft, die vielleicht schon bald auf einer Ausreiseliste steht? Und auch die befragten Geflüchteten konnten ihre mittel- und langfristige Lebensplanung in Deutschland erst angehen, nachdem ihnen zumindest subsidiärer Schutz zugesprochen wurde.

Allen Widrigkeiten zum Trotz schmieden die Geflüchteten Pläne für ihre berufliche Zukunft, sobald sie eine realistische Bleibeperspektive haben – selbst wenn dies nur ein Anliegen unter vielen ist. Nach einer im IAB-Forschungsbericht 13/2020 publizierten Analyse befinden sich die Geflüchteten nach einem erfolgreichen abgeschlossenen Asylverfahren an einem entscheidenden Punkt im Integrationsprozess: Endlich steht ihnen der Weg zu einer vollen gesellschaftlichen Teilhabe offen.

Allerdings sehen sich die Neuangekommenen nun auch gleichzeitig Weichenstellungen in verschiedenen, miteinander verbundenen Lebensbereichen gegenüber: Neben Fragen der beruflichen Orientierung und Jobsuche geht es dabei um die Neuordnung des familiären Zusammenlebens, die Wohnungssuche, die Verbesserung des psychischen Wohlbefindens, den Aufbau von neuen Sozialkontakten oder das Sprachlernen. Angesichts dieser Umstände erscheint es wenig überraschend, dass die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten schleppender verläuft als bei anderen Migrantengruppen.

Fazit

In emotional aufgeladenen Debatten geraten nüchterne Fakten und Zahlen mitunter aus dem Blick. In diesem Beitrag wurden fünf verbreitete Behauptungen zur Integration von Geflüchteten aufgegriffen und anhand der IAB-Studie „Netzwerke der Integration“ auf ihren Faktengehalt hin überprüft. Die persönlichen Gespräche mit den Geflüchteten lassen keinen Zweifel daran, wie irreführend die angesprochenen Aussagen sind und wie sehr sie das Bild derer verzerren, die aus Not gekommen sind und in Dankbarkeit bleiben. Unter dem nüchternen Blick der Wissenschaft geht es den Befürchtungen wie dem Scheinriesen bei Jim Knopf: Je näher man ihnen kommt, desto kleiner werden sie.

Daten und Methoden

Dieser Beitrag beruht auf Analysen der qualitativen IAB-Studie „Netzwerke der Integration“. In 42 narrativen Interviews wurden überwiegend syrische Geflüchtete gebeten, von ihrem Leben in Deutschland zu erzählen. Bei der Auswahl der Befragten wurde auf Varianz nach wichtigen soziodemografischen Merkmalen wie Alter, Geschlecht und formalem Bildungsgrad geachtet. Darüber hinaus kamen weitere Samplingkriterien zum Einsatz, die sich im Verlaufe der Untersuchung als wichtig erwiesen, beispielsweise das Niveau der Deutschkenntnisse oder die psychische Belastung aufgrund von traumatischen Erfahrungen.

Die Erhebungsmethode des narrativen Interviews setzt auf offene Fragen, die die Befragten zu ausführlichen persönlichen Erzählungen anregen sollen. Solche Erzählungen (biografische Narrative) bieten neben thematischen Analysen auch die Möglichkeit, tieferliegende Sinnstrukturen wie Selbstbilder oder die Verarbeitung von Sprachlernerfahrungen zu rekonstruieren. Eine ausführliche Darstellung des Forschungsdesigns findet sich im IAB-Forschungsbericht 13/2020.

Literatur

Bernhard, Stefan (2020): Netzwerke von Geflüchteten: Brücken schlagen kann schwer sein. In: IAB-Forum vom 13.08.2020.

Bernhard, Stefan; Röhrer, Stefan (2020): Arbeitsmarkthandeln und Unterstützungsnetzwerke syrischer Geflüchteter in Deutschland, IAB-Forschungsbericht Nr. 13.

Brücker, Herbert; Fendel, Tanja; Guichard, Lucas; Gundacker, Lidwina; Jaschke, Philipp; Keita, Sekou; Kosyakova, Yuliya; Vallizadeh, Ehsan (2020): Fünf Jahre „Wir schaffen das“ – Eine Bilanz aus der Perspektive des Arbeitsmarktes, IAB-Forschungsbericht Nr. 11.

Brücker, Herbert; Hauptmann, Andreas; Jaschke, Philipp (2020): Beschränkungen der Wohnortwahl für anerkannte Geflüchtete: Wohnsitzauflagen reduzieren die Chancen auf Arbeitsmarktintegration, IAB-Kurzbericht Nr. 3.

Bernhard, Stefan; Röhrer, Stefan ; Bella, Natalie (2021): Fünf populäre Irrtümer zur Integration von Geflüchteten, In: IAB-Forum 11. März 2021, https://www.iab-forum.de/fuenf-populaere-irrtuemer-zur-integration-von-gefluechteten/, Abrufdatum: 21. Oktober 2021