Wie wirkt sich die Digitalisierung in Berlin und Brandenburg aus? Wie ist es um die Bedeutung des Handwerks in Bayern bestellt? Wie entwickelt sich die Langzeitarbeitslosigkeit in Niedersachsen? Und wie viele Pflegekräfte werden bis 2035 in Thüringen benötigt? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt das Regionale Forschungsnetz des IAB in seiner Schriftenreihe IAB-Regional. Die Reihe bietet damit insbesondere Arbeitsmarktpraktikern auf lokaler und regionaler Ebene eine wertvolle Informationsbasis.

Es ist, zumindest in der deutschen Forschungslandschaft, einmalig: das Regionale Forschungsnetz des IAB – kurz RFN genannt. Mit seinen insgesamt zehn Stützpunkten in den Regionaldirektionen der Bundesagentur für Arbeit untersucht das RFN Strukturen und Entwicklungen regionaler Arbeitsmärkte sowie Fragen der regionalen Mobilität und analysiert die Wirkungen regionaler Arbeitsmarkt- und Strukturpolitik.

Seine Forschungsbefunde präsentiert das RFN unter anderem in der Reihe IAB-Regional. Die Beiträge, die in loser Folge erscheinen und zum kostenlosen Download zur Verfügung stehen, richten sich vorwiegend an Arbeitsmarktpraktiker auf lokaler und regionaler Ebene und decken eine große thematische Bandbreite ab. In den Jahren 2018 und 2019 ging es unter anderem um Themen wie Digitalisierung, Ausbildung, Langzeitarbeitslosigkeit, MINT-Berufe, Pflege und Handwerk – Themen also, die gleichermaßen aktuell wie praxisrelevant sind. Nachfolgend geben wir Ihnen einen kurzen Überblick.

Digitalisierung: Erhebliche Unterschiede beim regionalen Substituierbarkeitspotenzial

Absoluter Spitzenreiter im Themenranking des RFN waren in den vergangenen Jahren die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt, insbesondere die sogenannten Substituierbarkeitspotenziale. Dabei geht es um die Frage, inwieweit Computertechnologie menschliche Arbeitsabläufe ersetzen kann. Die regionalen Unterschiede sind hier durchaus beträchtlich. Beispiel: Fertigungsberufe – das Berufssegment mit dem höchsten Substituierbarkeitspotenzial. Während sich in Berlin gut 70 Prozent der Tätigkeiten in den Fertigungsberufen durch Computertechnologien potenziell ersetzen lassen, sind es in Brandenburg und Bayern etwa 82 Prozent.

Auf der Website des IAB finden Sie die folgenden aktuellen Beiträge aus der Reihe IAB-Regional zum Thema Digitalisierung:

In Berlin enden 34 Prozent aller Ausbildungsverträge vorzeitig, in Bayern 22 Prozent

Das Thema Ausbildung spielt in den Analysen des RFN ebenfalls eine wichtige Rolle, beispielsweise wenn es um die vorzeitige Auflösung von Ausbildungsverträgen geht. Auch hier sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern erheblich. Während bundesweit gut ein Viertel aller Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst wird, sind es in Berlin mehr als ein Drittel, in Bayern und Baden-Württemberg jedoch nur gut 22 Prozent.

Um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, empfehlen die Expertinnen und Experten des RFN, die Information und Beratung der Betroffenen zu verbessern und deren individuelle Vorbildung und Vorbereitung auf die Ausbildung zu stärken. Zur Lösung des Problems beitragen könnten ihrer Einschätzung nach auch eine gezielte finanzielle Unterstützung, begleitende (Lern-)Hilfen und eine Förderung der Mobilität.

Auf der Website des IAB finden Sie die folgenden aktuellen Beiträge aus der Reihe IAB-Regional zum Thema Ausbildung:

Hessen verzeichnet eine wachsende Zahl von Ausbildungsverträgen im MINT-Bereich

Die Entwicklung der MINT-Berufe, das Kürzel steht für „Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik“, spielt in den Analysen des RFN ebenfalls eine wichtige Rolle. Am Beispiel Hessens wird deutlich, dass die Bedeutung der MINT-Berufe zunimmt. Wie im Rest der Bundesrepublik nimmt auch in Hessen die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge insgesamt ab. Ganz anders im MINT-Bereich: Hier stieg die Zahl der Ausbildungsverträge von 2013 bis 2016 um fast zehn Prozentpunkte auf 40,2 Prozent.

Auf der Website des IAB finden Sie die folgenden aktuellen Beiträge aus der Reihe IAB-Regional zu MINT-Berufen:

Monatlich nehmen 2,1 Prozent der Langzeitarbeitslosen wieder eine Beschäftigung auf

Auch dem Thema Langzeitarbeitslosigkeit widmet sich das RFN intensiv, denn Langzeitarbeitslose tun sich schwer, wieder eine Beschäftigung zu finden. Laut IAB-Baden-Württemberg schaffen dies monatlich im Schnitt 2,1 Prozent der Langzeitarbeitslosen – sowohl bundesweit, als auch in Baden-Württemberg selbst.

Auf der Website des IAB finden Sie die folgenden aktuellen Beiträge aus der Reihe IAB-Regional zum Thema Langzeitarbeitslosigkeit:

Die Zahl der Pflegebedürftigen nimmt in Ostdeutschland besonders schnell zu

Zu den weiteren Themen, die in IAB-Regional häufig behandelt werden, zählt der Pflegearbeitsmarkt. Die Menschen in Deutschland werden immer älter, so dass auch die Zahl der pflegebedürftigen Menschen im hohen Alter zunimmt. Zugleich sinkt die Zahl der Jüngeren – was die Frage aufwirft, wie Pflegebedürftige in Zukunft versorgt werden sollen.

Dieses Problem trifft Ostdeutschland besonders stark. Beispiel Sachsen: Dort lag das Durchschnittsalter Ende 2015 bei 46,6 Jahren – gut zwei Jahre höher als der bundesdeutsche Mittelwert. Und die Zahl der Pflegebedürftigen in ambulanten und stationären Einrichtungen wird sich dort nach Prognosen des RFN bis 2030 im Vergleich zu 2015 um etwa ein Drittel erhöhen.

Auf der Website des IAB finden Sie die folgenden aktuellen Beiträge aus der Reihe IAB-Regional zum Pflegearbeitsmarkt:

Die Bedeutung des Handwerks ist in den Stadtstaaten geringer

Ein weiteres Themenfeld, dem sich das RFN in jüngster Zeit verstärkt angenommen hat, ist die regionale Bedeutung des Handwerks. Dessen Anteil an der Gesamtbeschäftigung variiert stark von Region zu Region. In Brandenburg lag er 2016 bei 13,6 Prozent, in Berlin nur bei 10,3 Prozent.

Allgemein gilt: Die Bedeutung des Handwerks in Stadtstaaten wie Berlin ist geringer, da dort überproportional viele Beschäftigte in Verwaltungen, Bildungseinrichtungen und insbesondere im Handel arbeiten. Die Zahl der Auszubildenden im Handwerk ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. So lag etwa der Rückgang in Bayern allein im Jahr 2016 bei 14,5 Prozent.

Auf der Website des IAB finden Sie die folgenden aktuellen Beiträge aus der Reihe IAB-Regional zur Bedeutung des Handwerks für den regionalen Arbeitsmarkt:

Regionalanalysen in der Reihe IAB-Stellungnahmen

Auch in der Reihe IAB-Stellungnahmen finden Sie immer wieder Analysen des RFN zu regionalpolitisch bedeutenden Fragen. In den Jahren 2018 und 2019 waren dies die folgenden Beiträge, die Sie ebenfalls auf der IAB-Website abrufen können:

Über Neuerscheinungen können Sie sich auf der Website des IAB bei den Reihen IAB-Regional und IAB-Stellungnahme informieren.

Schludi, Martin (2019): Die Reihe IAB-Regional bietet eine reichhaltige Fundgrube an aktuellen Analysen zu regionalen Arbeitsmarktaspekten, In: IAB-Forum 5. Dezember 2019, https://www.iab-forum.de/die-reihe-iab-regional-bietet-eine-reichhaltige-fundgrube-an-aktuellen-analysen-zu-regionalen-arbeitsmarktaspekten/, Abrufdatum: 4. Juli 2020