Seit geraumer Zeit verschärfen sich die Passungsprobleme auf dem deutschen Ausbildungsmarkt: Einer steigenden Zahl an unbesetzten Ausbildungsplätzen steht eine nach wie vor hohe Zahl an unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern um einen Ausbildungsplatz gegenüber. Dies trifft insbesondere Kleinstbetriebe. Sie können fast 40 Prozent der von ihnen angebotenen Ausbildungsstellen nicht besetzen.

Die Lage auf dem deutschen Ausbildungsmarkt ist derzeit gespalten: Einerseits steigt die Zahl an unbesetzten Ausbildungsplätzen, andererseits findet eine hohe Zahl an Bewerberinnen und Bewerbern keinen Ausbildungsplatz. Diese Situation stellt sich je nach Region und Betrieb sehr unterschiedlich dar. Aufschluss über die betriebliche Seite der Ausbildung geben die Daten des IAB-Betriebspanels.

Immer mehr Betriebe erfüllen die Voraussetzungen zur Ausbildung nicht

Um ausbilden zu können, müssen Betriebe bestimmte Voraussetzungen erfüllen. So muss die Ausbildungsstätte für die Berufsausbildung geeignet sein, die Zahl der Auszubildenden muss in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der beschäftigten Fachkräfte stehen und der Arbeitgeber oder Ausbilder persönlich und fachlich für die Ausbildung geeignet sein.

Im Jahr 2018 haben nach den Daten des IAB-Betriebspanels insgesamt 29 Prozent aller Betriebe in Deutschland ausgebildet, und damit 3 Prozentpunkte weniger als im Jahr 2008. 46 Prozent der Betriebe verfügten über keine Ausbildungsberechtigung, da sie die eben genannten  Voraussetzungen nicht erfüllten. Das bedeutet im Vergleich zu 2008 eine Zunahme um 5 Prozentpunkte. Die übrigen 25 Prozent waren zwar zur Ausbildung berechtigt, bildeten aber nicht aus. Ihr Anteil ist damit gegenüber 2008 um 2 Prozentpunkte gesunken (siehe Abbildung 1).
Abbildung 1: Ausbildungsberechtigung und Ausbildungsbeteiligung, 2008 bis 2018

Im Westen ist der Anteil der ausbildenden Betriebe deutlich höher als im Osten

Während im Jahr 2018 in Westdeutschland 31 Prozent der Betriebe ausbildeten, waren es in Ostdeutschland 23 Prozent. Allerdings waren im Osten deutlich mehr Betriebe nicht zur Ausbildung berechtigt als im Westen: Hatten im Jahr 2018 44 Prozent aller westdeutschen Betriebe keine Ausbildungsberechtigung, so traf dies im Osten auf 51 Prozent zu. Der Anteil der nicht zur Ausbildung berechtigten Betriebe hat dabei in beiden Landesteilen seit dem Jahr 2008 zugenommen, auch wenn am aktuellen Rand wieder ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist.

Die unterschiedliche Ausbildungsbeteiligung in West und Ost hat unter anderem mit Unterschieden in der Betriebsgrößenstruktur zu tun. So gibt es in Ostdeutschland mehr kleinere Betriebe, die weniger häufig über eine Ausbildungsberechtigung verfügen und dementsprechend seltener ausbilden. Im Jahr 2018 hatte mehr als die Hälfte der Kleinstbetriebe mit weniger als zehn Beschäftigten keine Ausbildungsberechtigung, und nicht einmal jeder fünfte von ihnen bildete aus. Von den Großbetrieben mit mehr als 250 Beschäftigten dagegen verfügten nur 7 Prozent über keine Ausbildungsberechtigung, und 86 Prozent bildeten aus.

Kleinstbetriebe und Betriebe in Ostdeutschland bilden wieder häufiger aus

Betrachtet man nur die ausbildungsberechtigten Betriebe, so lag deren Ausbildungsbeteiligung im Jahr 2018 bei 53 Prozent. Nachdem der Anteil ausbildender Betriebe an den ausbildungsberechtigten Betrieben zwischen 2008 und 2015 bundesweit um 3 Prozentpunkte zurückgegangen war, ist er zuletzt wieder leicht angestiegen (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Ausbildungsbeteiligung der ausbildungsberechtigten Betriebe, 2008 bis 2018

Der Rückgang der Ausbildungsbeteiligung zwischen 2008 und 2015 und der Wiederanstieg nach 2015 ist vorwiegend der Entwicklung in Ostdeutschland und der Entwicklung bei den Kleinbetrieben geschuldet. So ist der Anteil ausbildender Betriebe an den ausbildungsberechtigten Betrieben in Ostdeutschland zwischen 2008 und 2015 um 8 Prozentpunkte gesunken, seither jedoch wieder um etwa 5 Prozentpunkte gestiegen. In Westdeutschland blieb dieser Anteil in diesem Zeitraum mehr oder weniger konstant.

Darüber hinaus hat sich der Rückgang der Ausbildungsbeteiligung vor allem der Kleinstbetriebe seit dem Jahr 2015 wieder umgekehrt. Die sinkende Ausbildungsbeteiligung der ausbildungsberechtigten Betriebe im kleinstbetrieblichen Segment sowie in Ostdeutschland scheint somit zunächst einmal gestoppt zu sein (siehe Abbildung 2).

Die überwiegende Mehrheit der Betriebe bildet zumindest phasenweise aus

Insbesondere kleinere Betriebe bilden oftmals nicht laufend aus, weil sie nicht immer Bedarf an Nachwuchskräften haben. Es bietet sich daher an, die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe nicht nur in einem Jahr, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg zu betrachten. Zu diesem Zweck wurde untersucht, ob die ausbildungsberechtigten Betriebe im Zeitraum von 2012 bis 2018

  • regelmäßig, das heißt, in jedem Jahr
  • unregelmäßig, das heißt, nur in einzelnen Jahren
  • oder gar nicht, das heißt, in keinem Jahr

ausgebildet haben. Dabei zeigt sich: Knapp die Hälfte (46 %) aller ausbildungsberechtigten Betriebe hat im Beobachtungszeitraum kontinuierlich ausgebildet. Gut ein Drittel (36 %) hat sich zumindest in einzelnen Jahren an der Ausbildung beteiligt, und weniger als jeder fünfte Betrieb (18 %) hat im Untersuchungszeitraum gar nicht ausgebildet (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Ausbildungsbeteiligung der ausbildungsberechtigten Betriebe nach Betriebsgröße im Längsschnitt, 2008 bis 2018

Wenig überraschend sind es vorwiegend die großen Betriebe, die kontinuierlich ausbilden. Aber immerhin auch mehr als jeder vierte Kleinstbetrieb hat innerhalb des Untersuchungszeitraums in jedem Jahr ausgebildet. Zudem haben viele Kleinstbetriebe, nämlich 44 Prozent, zumindest mit Unterbrechungen ausgebildet.

Der Großteil der ausbildungsberechtigten Betriebe, auch der Kleinstbetriebe, ist folglich nicht ausbildungsabstinent, sondern beteiligt sich in gewissen Zeitabständen an der beruflichen Ausbildung.

Ein knappes Viertel aller Ausbildungsplätze kann nicht besetzt werden

Wenn sich manche Betriebe nicht an der Ausbildung beteiligen, kann dies auch daran liegen, dass sie die von ihnen angebotenen Ausbildungsplätze nicht besetzen können. Der für die letzten Jahre zu beobachtende Rückgang der betrieblichen Ausbildungsbeteiligung wird häufig genau darauf zurückgeführt, insbesondere bei den kleineren Betrieben.

Der Anteil unbesetzter Ausbildungsplätze an allen angebotenen Ausbildungsplätzen lag im Jahr 2018 bei 24 Prozent, knapp jede vierte Ausbildungsstelle konnte also nicht besetzt werden. Dieser Anteil hat sich damit gegenüber dem Jahr 2008 verdoppelt (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Anteil unbesetzter Ausbildungsplätze in Ost- und Westdeutschland, 2008 bis 2018

Ostdeutsche Betriebe haben – gemessen am Anteil unbesetzter Ausbildungsplätze – sehr viel größere Probleme bei der Besetzung von Lehrstellen als westdeutsche Betriebe, auch wenn der Anteil unbesetzter Ausbildungsplätze in Ostdeutschland 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozentpunkte gesunken ist.

Ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr ist auch für die Kleinstbetriebe mit weniger als zehn Beschäftigten festzustellen. Dennoch bleiben hier weiterhin fast vier von zehn angebotenen Ausbildungsplätzen unbesetzt – deutlich mehr als in den Großbetrieben mit mehr als 250 Beschäftigten. Sie konnten im Jahr 2018 nur 10 Prozent ihrer angebotenen Ausbildungsplätze nicht besetzen. Allerdings ist dort der Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen im Vergleich zum Vorjahr um immerhin 3 Prozentpunkte gestiegen.

Fazit

Die Lage am deutschen Ausbildungsmarkt hat sich zwar teilweise etwas entspannt, gleichwohl gibt es in einzelnen Regionen und Betrieben nach wie vor Probleme. So ist zum einen der Anteil der ausbildungsberechtigten Betriebe in den letzten Jahren gesunken. Zum anderen haben insbesondere Kleinstbetriebe und Betriebe in Ostdeutschland am aktuellen Rand weniger von ihrer Ausbildungsberechtigung Gebrauch gemacht als noch vor zehn Jahren, auch wenn die Ausbildungsbeteiligung in den betreffenden Bereichen wieder gestiegen ist. Ein weiterhin gravierendes Problem stellt die nach wie vor hohe, tendenziell steigende Zahl an unbesetzten Ausbildungsplätzen dar.

Laut Berufsbildungsbericht gab es im Jahr 2018 knapp 25.000 unversorgte Ausbildungsplatzbewerber und fast 58.000 unbesetzte Ausbildungsplätze. Einer Vermittlung stehen dabei oftmals vergleichsweise hohe Anforderungen der Wirtschaft an die Qualifikation von Ausbildungsbewerbern entgegen. Viele Betriebe setzen für bestimmte Ausbildungsberufe einen höheren Schulabschluss voraus, was die Einstellungschancen von Jugendlichen mit niedrigerem Schulabschluss mindert.

Angesichts des demografischen Wandels werden die Betriebe jedoch nicht umhinkommen, sich künftig auch die Potenziale bildungsschwächerer Jugendlicher besser zu erschließen. Die Bundesagentur für Arbeit und andere Träger bieten hierzu verschiedene Instrumente an, beispielsweise berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen. Als Hindernis erweisen sich allerdings häufig auch fehlende Verkehrsanbindungen zu Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen, insbesondere im ländlichen Raum. Ein Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und betrieblicher Fahrdienste könnte hier zumindest in manchen Fällen Abhilfe schaffen. Generell dürften sich die hier beschriebenen Probleme nur dann lösen lassen, wenn alle beteiligten Akteure wie Schulen, Betriebe, Bundesagentur für Arbeit und Kommunen enger als bisher zusammenarbeiten.

Weitere Informationen

Ein ausführlicher Datensatz zum betrieblichen Ausbildungsverhalten steht Ihnen auf der IAB-Website unter den Aktuellen Daten und Indikatoren zum kostenlosen Download zur Verfügung.

 

Dummert, Sandra; Leber, Ute (2019): Betriebliche Ausbildung – die Herausforderungen bleiben, In: IAB-Forum 9. Oktober 2019, https://www.iab-forum.de/betriebliche-ausbildung-die-herausforderungen-bleiben/, Abrufdatum: 9. Dezember 2019