Das Bruttoinlandsprodukt, das im ersten Halbjahr 2020 infolge der Corona-Pandemie stark geschrumpft war, erholte sich im Sommer deutlich. Im Schlussquartal dürfte die Wirtschaftsentwicklung angesichts der zweiten Infektionswelle erneut nachgegeben haben, bis zuletzt gingen die Infektionszahlen nicht zurück. Jede Woche Lockdown dürfte 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal gekostet haben. Einen Einbruch wie im Frühjahr gibt es aber nicht, vor allem die Industrie scheint derzeit durch die Corona-Krise weniger belastet. Der Arbeitsmarkt dürfte insgesamt relativ robust bleiben, dennoch beeinträchtigt die weltweite zweite Corona-Welle die Erholung.

Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft als Ganzes ist ebenfalls von der zweiten Welle der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Eindämmungsmaßnahmen betroffen. Global wird die aktuelle Geschäftslage momentan weiterhin negativ bewertet. Allerdings verbessern sich infolge des Beginns der Impfungen die Konjunkturerwartungen. In China scheint eine zweite Welle bisher auszubleiben. Dies mildert die Effekte auf die Gesamtwirtschaft ab, da die Lieferketten nicht erneut zum Erliegen kommen. Die noch immer belasteten Konjunkturaussichten im Vereinigten Königreich könnten sich angesichts der jüngsten Einigung auf ein Handelsabkommen mit der Europäischen Union (EU) aufhellen.

Außenhandel

Der deutsche Außenhandel ist noch immer geschwächt. Im Oktober lag der Export um 6,8 Prozent, der Import um 5,2 Prozent niedriger als im letzten Vorkrisenmonat Februar. Zuletzt fielen die Anstiege der beiden Größen moderat aus. Während der Handel mit China wieder annähernd das Vorjahresniveau erreichte, bleibt der Handel mit den USA, dem Vereinigten Königreich und der EU noch immer stark beeinträchtigt. Kurzfristig werden auch die angelaufenen weltweiten Impfungen an dieser Situation nichts ändern, sodass für das Winterhalbjahr mit einem Dämpfer beim Außenhandel zu rechnen ist. Dieser wird aber geringer ausfallen als in der ersten Welle, da die Lieferketten diesmal stabiler zu sein scheinen. Die Exporterwartungen der Industrie hellten sich im Dezember etwas auf und liegen nun wieder im positiven Bereich.

Investitionen

Die Investitionen werden ebenso wieder nachgeben. Zwar legten die Umsätze und der Auftragseingang der Investitionsgüterproduzenten im Oktober kräftig zu, die im November und Dezember beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus werden diese Entwicklung aber unterbrechen. Daher schätzen die Investitionsgüterproduzenten ihre aktuelle Lage wieder etwas pessimistischer ein. Die Erwartungen an die Konjunktur hellen sich dennoch auf. Im Bauhauptgewerbe zeichnet sich seit Längerem eine gewisse Abkühlung ab. Folglich werden auch die Bauinvestitionen, die nun zusätzlich durch die Eindämmungsmaßnahmen belastet werden, abnehmen.

Konsum

Der Konsum wird weiter durch das Infektionsgeschehen bestimmt. Während die Tourismusbranche, die Gastronomie sowie die Veranstaltungsbranche und andere kultur- und freizeitbezogene Dienstleistungsbranchen schon länger massiv beeinträchtig sind, trifft die Verschärfung des Lockdowns seit Mitte Dezember auch den stationären Einzelhandel sowie das Friseur- und Kosmetikgewerbe. Ersterer wird infolge des zum Teil verpassten Weihnachtsgeschäfts deutliche Einbußen verzeichnen. Darüber hinaus bleibt das Konsumklima gedämpft und gibt aktuell noch einmal nach. Die Sparneigung steigt. Trotz der umfangreichen Stützungspakete durch die Bundesregierung bleibt das Risiko zusätzlicher Insolvenzen im Jahr 2021 hoch – auch wenn eine dramatische Insolvenzwelle eher unwahrscheinlich ist.

Arbeitsmarkt

Die Auswirkungen des verschärften Lockdowns auf die Zahl der Arbeitslosen werden sich erst 2021 zeigen. Die Arbeitslosigkeit ist im Dezember erneut gesunken, beinhaltet aber noch keine Reaktion auf die Verschärfung des Lockdowns, da der hier zugrunde gelegte Stichtag bereits in der ersten Dezemberhälfte lag. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm im Oktober noch kräftig zu, die Erwerbstätigkeit stieg im November allerdings nicht mehr. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer stieg im Dezember leicht und signalisierte mit 101,0 Punkten, dass der Arbeitsmarkt trotz Lockdown insgesamt relativ robust bleiben dürfte. Dazu tragen nicht nur die Stützungsmaßnahmen für die Betriebe und deren mittlerweile vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise bei, sondern auch die angelaufenen Impfungen. Dennoch belastet die weltweite zweite Corona-Welle die Erholung. Auch die Transformationsprozesse in der Wirtschaft stellen große Herausforderungen dar. Beschäftigung und Arbeitslosigkeit sind nach wie vor weit entfernt vom Vorkrisenniveau. Die Zahl der Kurzarbeiter steigt wieder deutlich, wenn auch weniger drastisch als im Frühjahr.

Bauer, Anja; Weber, Enzo (2021): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Dezember 2020, In: IAB-Forum 5. Januar 2021, https://www.iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-dezember-2020/, Abrufdatum: 25. Januar 2021