Die Corona-Krise war und ist eine Herausforderung für Betriebe und Beschäftigte. Eine im Juni 2021 durchgeführte Befragung in 2.000 Betrieben zeigt, welchen Belastungsfaktoren und betrieblichen Erschwernissen die Beschäftigten ausgesetzt waren, und wie die Betriebe damit umgegangen sind. Die Redaktion des IAB-Forums hat bei Laura Pohlan nachgefragt, die die Ergebnisse der Befragung bei der IAB-Veranstaltung „Wissenschaft trifft Praxis“ präsentierte.

Frau Pohlan, was waren die größten Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsalltag der Beschäftigten?

Dr. Laura Pohlan ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich „Arbeitsmarktprozesse und Institutionen“ und leitet zudem die Arbeitsgruppe „Folgen der Corona-Pandemie“.

Die Betriebe haben zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um zum einen die ökonomischen Folgen der Krise abzufedern, zum anderen aber auch die Beschäftigten im Arbeitsalltag vor einer Infektion zu schützen. Schon in der frühen Phase der Corona-Krise wurden  mehrere Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt. Zugleich haben die Betriebe zahlreiche Hygieneregelungen eingeführt. Die Beschäftigten sind etwa dazu angehalten worden, Mund-Nasen-Bedeckungen zu tragen oder auf die Einhaltung des Sicherheitsabstandes zu achten. Im Zuge der Pandemie kamen dann auch Test- und Impfangebote für die Beschäftigten dazu. Eine weitere große Herausforderung war für viele Beschäftigte die Umstellung auf einen neuen Arbeitsalltag im Homeoffice. Die Reduzierung der persönlichen Kontakte beeinträchtigte gewohnte Formen der betriebsinternen und betriebsexternen Kommunikation. Dies alles hat sich durchaus belastend auf die Beschäftigten ausgewirkt – das bestätigt die übergroße Mehrheit der Betriebe in unserer Befragung.

Am häufigsten sahen die Betriebe ihre Beschäftigten durch Erschwernisse bei der Arbeit mit Kunden oder anderen externen Kontaktpersonen belastet.

 Welche pandemiebedingten Belastungen für die Beschäftigten nannten die Betriebe dabei genau?

Am häufigsten sahen die Betriebe ihre Beschäftigten durch Erschwernisse bei der Arbeit mit Kunden oder anderen externen Kontaktpersonen belastet. Bei einigen Betrieben verschlechterte sich auch die betriebsinterne Kommunikation. Daneben waren natürlich Ängste der Beschäftigten vor einer Infektion bei der Arbeit ein pandemiebedingtes Problem, mit dem viele Betriebe umgehen mussten. Dies betraf besonders Personen mit Vorerkrankungen oder Beschäftigte mit häufigem Personenkontakt. Einige Betriebe berichteten von einer Überforderung ihrer Beschäftigten durch ein erhöhtes Arbeitsaufkommen, andere von einer Unterforderung durch ein stark reduziertes Arbeitsaufkommen. Unter den Betrieben, in denen Beschäftigte auch im Homeoffice arbeiten können, gab jeder fünfte Betrieb eine Belastung der Beschäftigten durch eine unzureichende Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit im Homeoffice an.

In welchen Branchen waren die Beschäftigten pandemiebedingt besonders belastetet?

Am härtesten hat es die Beschäftigten in Branchen mit einem hohen Anteil an personenbezogenen Dienstleistungen getroffen, wie im Gesundheits- und Sozialwesen und im Bereich Erziehung und Unterricht. Insbesondere die Angst vor einer Infektion bei der Arbeit und die Überforderung durch ein erhöhtes Arbeitsaufkommen haben dort den Arbeitsalltag der Beschäftigten erschwert.

Die Hälfte der Betriebe ermöglichte flexiblere Arbeitszeiten.

Welche Maßnahmen haben die Betriebe ergriffen, um die Belastungen ihrer Beschäftigten abzufedern?

Die mit Abstand häufigste Maßnahme, die Betriebe trafen, war, ihre Führungskräfte dazu anzuhalten, die pandemiebedingten Belastungen in ihren Teams zu berücksichtigen. Die Hälfte der Betriebe ermöglichte flexiblere Arbeitszeiten für ihre Beschäftigten. Sofern Betriebe über eine arbeitsmedizinische Betreuung verfügten, boten sie oftmals arbeitsmedizinische Beratung zu pandemiebedingten Ängsten und psychischer Belastung an. Einige der Betriebe, die ihren Beschäftigten Homeoffice ermöglichten, trafen Regelungen zur Begrenzung der Arbeitszeit und zur Erreichbarkeit im Homeoffice. Außerdem setzten manche Betriebe auch besondere Maßnahmen für Risikogruppen um, wie Freistellungsregeln für Beschäftigte mit Vorerkrankungen.

Insgesamt haben fast alle Betriebe, die eine coronabedingte Belastung der Beschäftigten bestätigten, nach eigenen Angaben auch Maßnahmen ergriffen. Besonders häufig geschah dies im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen, Erziehung und Unterricht sowie allgemein in mittleren und großen Betrieben.

Wird die Pandemie auch längerfristig den Stellenwert des Gesundheitsschutzes in den Betrieben beeinflussen?

In jedem Fall war die Pandemie ein Anlass, sich mit dem Thema „Arbeits- und Gesundheitsschutz“ intensiver zu befassen. Infektionskrankheiten werden auch in Zukunft eine Rolle spielen, und der veränderte Arbeitsalltag, wie das vermehrte Arbeiten im Homeoffice oder die virtuellen Formen der Kommunikation, bleibt ja zumindest teilweise bestehen. Den Belastungen bei der Arbeit sollte weiterhin durch eine angepasste Arbeitsorganisation Rechnung getragen werden. Hier sind auch in Zukunft vor allem die Führungskräfte gefragt. Es ist wichtiger denn je, dass sie über ausreichend Spielräume verfügen, um Aufgaben, Arbeitsbedingungen und Arbeitszeitarrangements bezogen auf die spezifischen Bedürfnisse und Belastungen der Beschäftigten optimieren zu können.

 

doi: 10.48720/IAB.FOO.20220520.01

 

Keitel, Christiane (2022): Wie gingen die Betriebe mit der Belastung der Beschäftigten durch die Pandemie um?, In: IAB-Forum 20. Mai 2022, https://www.iab-forum.de/wie-gingen-die-betriebe-mit-der-belastung-der-beschaeftigten-durch-die-pandemie-um/, Abrufdatum: 9. August 2022