Eine der Innovationen „von unten“, die im Rahmen des Modellprojekts „Mach es einfach“ der Bundesagentur für Arbeit erprobt wurden, ist das Jobcafé. Dieses Format soll gleichberechtigte Kommunikation und unkomplizierten Austausch von Informationen erleichtern – und damit die Jobvermittlung verbessern.

Am Anfang stand die Idee, Vermittlungsgespräche wohnortnah anzubieten, um den Arbeitsuchenden im doppelten Wortsinn entgegenzukommen. Da dies nicht durchgängig in kommunalen Räumen zu realisieren war, entschloss sich eine Vermittlungsfachkraft, sich mit Arbeitsuchenden in einem öffentlichen Café zu treffen – regelrecht ein Paradebeispiel für eine Innovation „von unten“. Die Idee fand bald Nachahmer, denn wenig später luden auch andere Vermittler ins „Jobcafé“ ein.

Mit dem Jobcafé tritt dem Beratungsgespräch in den Agenturräumen ein neues Vermittlungsformat zur Seite. Die dort diskutierte Themenpalette ist breit: So informieren Vermittler zur Arbeitsmarktsituation, externe Experten zu Bewerbungsstrategien und richtiger Körpersprache und Arbeitgeber geben Auskunft über ihre offenen Stellen.

Darüber hinaus stellen Vermittler bei den Treffen aktuelle Stellenangebote vor und klären im Vorfeld, ob sich die Arbeitsuchenden darauf bewerben wollen. Erst dann senden sie den Interessierten einen Vermittlungsvorschlag zum Stellenangebot zu, auf das sich Arbeitsuchende üblicherweise bewerben müssen, wenn sie drohende Leistungskürzungen vermeiden wollen.

Auch die Arbeitsuchenden untereinander tauschen sich im Jobcafé aus – über Themen wie öffentlicher Nahverkehr, Kinderbetreuung und Netzwerke ebenso wie über Erfahrungen mit lokalen Arbeitgebern. Dadurch  erhalten die Vermittler ein umfassenderes Bild der lokalen Bedingungen der Arbeitsuche.

Begegnung auf Augenhöhe

Manche Vermittler sehen erweiterte Möglichkeiten für eine wertschätzende und gleichberechtigte Kommunikation als den entscheidenden Vorteil des Jobcafés. Dies führen sie unter anderem auf die im Vergleich zu Büroräumen weniger formale Gesprächssituation zurück. Mit der neuen Gesprächsform wurde auch der Kritik aus der Forschung Rechnung getragen, der zufolge das herkömmliche Gesprächsformat durch eine hierarchische Kommunikation mit hohen Redeanteilen und dominierender Themensetzung seitens der Fachkräfte geprägt ist. Dieser Gedanke kommt auch in folgendem Zitat zum Ausdruck: „Ich möchte, dass die mir auf Augenhöhe begegnen, also dass wir irgendwie gleichwertige Gesprächspartner sind nach Möglichkeit.“

Während der Ortswechsel nach Einschätzung einiger Arbeitsvermittler ein offenes Gespräch fördert, sehen andere die Rahmenbedingungen für Offenheit auch im Büro gegeben – ohne den Organisationsaufwand, den die Durchführung eines Jobcafés mit sich bringt.

Die Befunde der Begleitforschung durch das IAB zeigen, dass das Jobcafé genutzt wird, um einen umfassenderen Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt der Arbeitsuchenden zu erhalten. Dieses in „unbürokratischem Ambiente“ erworbene Wissen soll den Fachkräften helfen, die Vermittlung wirksamer zu gestalten. Zugleich zielt der Austausch im Café darauf, relevante Akteure miteinander in Kontakt zu bringen und die Netzwerkbildung zu fördern.

Literatur

Freier, Carolin; Kupka, Peter; Senghaas, Monika; Wuppinger, Johanna (2017): Innovation und lokale Gestaltungsspielräume in der Arbeitsvermittlung * Begleitforschung zum Modellprojekt „Mach es einfach“. IAB-Forschungsbericht Nr. 4

 

 

Freier, Carolin (2018): Jobvermittlung im Café: Ein Schritt zum gleichberechtigten Gespräch, In: IAB-Forum 9. April 2018, https://www.iab-forum.de/jobvermittlung-im-cafe-ein-schritt-zum-gleichberechtigten-gespraech/, Abrufdatum: 18. Juli 2018