Die Beschäftigung wird auch im Jahr 2020 voraussichtlich weiter wachsen, wenn auch mit einer deutlich geringeren Wachstumsrate als zuletzt. Wie in den Vorjahren ist das erwartete Beschäftigungswachstum in Berlin mit 1,9 Prozent am höchsten, während die Beschäftigungsentwicklung im Saarland, in Thüringen und Sachsen-Anhalt stagniert. Darüber hinaus wird mit einer nahezu unveränderten Zahl an Arbeitslosen gerechnet. Hier gibt es jedoch beträchtliche Unterschiede zwischen den Bundesländern: Während in Brandenburg die Zahl der Arbeitslosen laut Prognose noch um 2,0 Prozent zurückgeht, steigt sie in Baden-Württemberg mit 3,1 Prozent am stärksten. In fast allen Bundesländern ist der Prognose zufolge sowohl ein Anstieg als auch ein Rückgang der Beschäftigung möglich. Gleiches gilt für die Arbeitslosigkeit.

Alle Arbeitsmarktakteure sind bei Entscheidungen, die die künftige Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt betreffen, auf Prognosen angewiesen – trotz aller Unsicherheit, mit der diese behaftet sind. In Anlehnung an die Arbeitsmarktprognose des IAB für Deutschland  erstellt das Regionale Forschungsnetz (RFN) des IAB daher Prognosen für verschiedene regionale Ebenen. Im Folgenden werden die Prognosen zur Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und der Arbeitslosen auf Ebene der Bundesländer präsentiert (Prognosen auf Ebene der Arbeitsagenturbezirke sowie zur quantitativen Entwicklung der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im SGB II finden Sie auf der IAB-Website).

Das IAB geht in seiner aktuellen Herbstprognose für Deutschland davon aus, dass sich die deutsche Wirtschaft im Abschwung befindet. Für dieses Jahr wird ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,4 Prozent erwartet. Für 2020 rechnet das IAB mit einem Wachstum von 1,1 Prozent. Der Arbeitsmarkt wird sich voraussichtlich weniger positiv entwickeln als in den vergangenen Jahren: Die Wachstumsrate der Beschäftigung fällt niedriger aus und der Abbau der Arbeitslosigkeit kommt zum Erliegen.

Regionale Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

Auf Bundesebene setzt sich das Beschäftigungswachstum im Jahr 2020 voraussichtlich fort. Erwartet wird, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Vergleich zum Jahr 2019 um 251.000 steigt, was einer Wachstumsrate von 0,7 Prozent entspricht. Auch wenn dieser relative Zuwachs für Ost- und Westdeutschland nahezu gleichermaßen prognostiziert wird (Westdeutschland: 0,7 Prozent, Ostdeutschland: 0,8 Prozent), weichen die Werte für einzelne Bundesländer in beiden Landesteilen von diesem Mittelwert ab (siehe Abbildung 1).

Abb. 1: Prognosen über die Entwicklung der Bescheftigung von 2019 auf 2020

Wie in den Vorjahren kann Berlin mit einer prognostizierten Wachstumsrate von 1,9 Prozent den mit Abstand höchsten relativen Anstieg der Beschäftigung verzeichnen. Die Beschäftigungsentwicklung stagniert dagegen im Saarland (‑0,1 %) sowie in Thüringen (0,1 %) und Sachsen-Anhalt (0,2 %). In den übrigen Bundesländern liegt der prognostizierte Beschäftigungszuwachs mehr oder weniger nahe am bundesweiten Wert. Während in der Frühjahrsprognose für das Jahr 2019 sowohl die Ober- als auch die Untergrenze der Beschäftigungsentwicklung für fast alle Bundesländer im positiven Bereich lagen, ist für das Jahr 2020 den Prognoseintervallen zufolge für alle Bundesländer außer Berlin auch ein Beschäftigungsrückgang möglich.

Regionale Entwicklung der Arbeitslosigkeit

Der Abbau der Arbeitslosigkeit wird sich nach Einschätzung des IAB bundesweit im Jahr 2020 nicht mehr fortsetzen. Im Jahresdurchschnitt wird vielmehr mit einer Stagnation der Arbeitslosenzahlen gerechnet. Zwischen Ost- und Westdeutschland gibt es dabei kaum Unterschiede (Westdeutschland: 0,2 %; Ostdeutschland: ‑0,2 %). Auf Ebene der Bundesländer ist die Spannbreite etwas größer (siehe Abbildung 2).

Abb. 2: Prognosen über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit von 2019 auf 2020

In den neuen Bundesländern verzeichnen Brandenburg (‑2,0 %) und Mecklenburg-Vorpommern (‑1,5 %) wohl noch leichte Rückgänge, während für Sachsen-Anhalt (1,1 %) und Thüringen (1,2 %) leichte Anstiege der Arbeitslosigkeit wahrscheinlich sind. In den alten Bundesländern steigt die Arbeitslosigkeit voraussichtlich in Baden-Württemberg (3,1 %), Bayern (2,1 %) und dem Saarland (1,5 %) an.

Ein Blick auf die beiden Rechtskreise zeigt, dass die Arbeitslosigkeit sowohl im SGB II als auch im SGB III nahezu stagniert. Während die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland auch hier eher gering sind, zeigen sich differenzierte Entwicklungen im Bundesländervergleich (siehe Abbildung 3).

Abb. 3: Prognosen über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Rechtskreis SGB II von 2019 auf 2020

Am stärksten dürfte die Zahl der Arbeitslosen im SGB II in Brandenburg (‑2,3 %), Mecklenburg-Vorpommern (‑1,8 %) und Berlin (‑1,7 %) zurückgehen. Anstiege werden für Bayern (4,0 %) und Baden-Württemberg (2,7 %) erwartet.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern sind im Bereich des SGB III, relativ betrachtet, ähnlich groß wie im SGB II (siehe Abbildung 4). Während zum Beispiel für Hessen und Niedersachsen Rückgänge prognostiziert werden, steigt die SGB-III-Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg (3,6 %), Berlin (2,7 %) und Sachsen (2,6 %) am stärksten an.

Abb. 3: Prognosen über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Rechtskreis SGB III von 2019 auf 2020

Bei der Prognose der Arbeitslosigkeit ist unabhängig der Rechtkreisbetrachtung zudem zu beachten, dass die Schätzintervalle so groß sind, dass für das gesamte Bundesgebiet sowie die einzelnen Länder sowohl ein Anstieg als auch ein Rückgang der Arbeitslosigkeit möglich ist.

Fazit

Insgesamt wird die stark positive Arbeitsmarktentwicklung der vergangenen Jahre jetzt durch eine nachlassende Konjunktur geschwächt. Das prognostizierte Beschäftigungswachstum ist zwar weiterhin positiv, liegt aber auf deutlich niedrigerem Niveau als in den Vorjahren. Nach Jahren stetig hoher Rückgänge wird für 2020 eine stagnierende Zahl der Arbeitslosen erwartet. Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland, wie sie in den vergangenen Jahren meist zu beobachten waren, fallen eher gering aus.

Innerhalb der beiden Landesteile finden sich in beiden Dimensionen jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Günstige Entwicklungen – ein Beschäftigungswachstum über sowie eine Veränderungsrate der Arbeitslosigkeit unter der Rate des entsprechenden Landesteils – werden in Hamburg, Niedersachsen, Hessen und Berlin erwartet, ungünstige Entwicklungen dagegen in Bremen, Baden-Württemberg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Methodische Hinweise

Für die regionale Arbeitsmarktprognose finden verschiedene ökonometrische Modelle Anwendung, die sowohl vergangene Werte als auch Komponenten wie das Niveau, den Trend, die Saison und den Konjunkturzyklus berücksichtigen. Bei relativ kleinen regionalen Einheiten ist zudem davon auszugehen, dass die Entwicklung in räumlich nahen Regionen auch stark von den Entwicklungen in den Nachbarregionen beeinflusst wird. Solche räumlichen Abhängigkeiten werden in weiteren Modellen berücksichtigt. Gegenüber den bisherigen Prognosen ist die Gruppe der Modelle um ein Verfahren erweitert worden, das die Bestandszahlen anhand der Zu- und Abgänge in Form eines sogenannten Stock-Flow Modells berechnet.

Um die Vor- und Nachteile dieser Vielzahl an Modellen auszugleichen, wird für die Prognose anschließend ein Durchschnitt über die verschiedenen Modelle gebildet. Bei diesem sogenannten Pooling fließen für jede Gebietseinheit nur solche Modelle in die endgültige Prognose ein, deren Entwicklung eine möglichst geringe Abweichung von der Prognose für Gesamtdeutschland aufweist. Gleichzeitig gehen die Werte der nationalen Prognosen – in denen wiederum nationale und internationale Einflüsse berücksichtigt werden – als weitere Erklärungsgröße in das Gesamtmodell für jede regionale Einheit ein. Darüber hinaus werden die prognostizierten Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen mit den Einschätzungen aus den zehn regionalen Einheiten des IAB abgeglichen, wodurch auch das Vor-Ort-Wissen regionaler Expertinnen und Experten Beachtung findet.

Prognosen sind per Definition mit Unsicherheit behaftet. Aus diesem Grund werden sowohl Unter- als auch Obergrenzen der Prognosen berechnet. Diese sind so ermittelt, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von circa 66 Prozent der später tatsächlich realisierte Wert innerhalb dieser Grenzen liegt. Für eine ausführliche Erklärung der Methodik siehe den Beitrag von Hans-Uwe Bach et al. im „Handbuch Arbeitsmarkt 2009“.

Literatur

Bach, Hans-Uwe; Feil, Michael; Fuchs, Johann; Gartner, Hermann; Klinger, Sabine; Otto, Anne; Rhein, Thomas; Rothe, Thomas; Schanne, Norbert; Schnur, Peter; Spitznagel, Eugen; Sproß, Cornelia; Wapler, Rüdiger; Weyh, Antje; Zika, Gerd (2009): Der deutsche Arbeitsmarkt – Entwicklungen und Perspektiven. In: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg (Hrsg.), Handbuch Arbeitsmarkt 2009. IAB-Bibliothek 314. Bielefeld: Bertelsmann, S. 64-78.

Bauer, Anja; Fuchs, Johann; Hummel, Markus; Hutter, Christian; Klinger, Sabine; Wanger, Susanne; Weber, Enzo; Zika, Gerd (2019): IAB-Prognose für 2019/2020: Konjunktureller Gegenwind für den Arbeitsmarkt. IAB-Kurzbericht Nr. 18.

Rossen, Anja; Roth, Duncan; Wapler, Rüdiger; Weißler, Marco; Weyh, Antje (2019): Regionale Arbeitsmarktprognosen (Stand: Frühjahr 2019). In: IAB-Forum vom 29.03.2019.

Rossen, Anja; Roth, Duncan; Wapler, Rüdiger; Weißler, Marco; Weyh, Antje (2019): Regionale Arbeitsmarktprognosen 2/2019. Aktuelle Daten und Indikatoren.

 

Rossen, Anja; Roth, Duncan; Wapler, Rüdiger; Weißler, Marco; Weyh, Antje (2019): Regionale Arbeitsmarktprognosen (Stand: Herbst 2019), In: IAB-Forum 26. September 2019, https://www.iab-forum.de/regionale-arbeitsmarktprognosen-stand-herbst-2019/, Abrufdatum: 24. Oktober 2019