Das Beschäftigungswachstum setzt sich auch im Jahr 2018 fort. Die erwarteten Wachstumsraten variieren zwischen 3,0 Prozent in Berlin und 0,9 Prozent im Saarland. Darüber hinaus wird ein weiterer Abbau der Arbeitslosigkeit prognostiziert, der von 5,0 Prozent in Brandenburg bis 0,5 Prozent in Nordrhein-Westfalen reicht. Dieser lässt sich in Westdeutschland mehrheitlich auf den Bereich der Arbeitslosenversicherung zurückführen, während in Ostdeutschland ein stärkerer Rückgang im Bereich der sozialen Grundsicherung erwartet wird. In Bezug auf Beschäftigung und Arbeitslosigkeit werden günstige Entwicklungen in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen und Niedersachsen erwartet, unterdurchschnittliche jedoch in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Im Vergleich mit der Prognose für das Jahr 2017 (Stand: Frühjahr 2017) fallen das Beschäftigungswachstum sowie der Abbau der Arbeitslosigkeit im Jahr 2018 voraussichtlich etwas schwächer aus.

Alle Arbeitsmarktakteure sind im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen von Arbeitsmarkt und Wirtschaft bei ihren Entscheidungen auf Prognosen angewiesen – trotz aller Unsicherheit, mit der diese behaftet sind. In Anlehnung an den IAB-Kurzbericht 21/2017, der Arbeitsmarktprognosen für Gesamtdeutschland enthält, prognostiziert das Regionale Forschungsnetz (RFN) des IAB die Zahl der Arbeitslosen und der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten für West- und Ostdeutschland sowie für die einzelnen Bundesländer und Agenturbezirke der Bundesagentur für Arbeit. Seit Herbst 2015 werden zudem Prognosen der Arbeitslosenzahl nach Rechtskreisen sowie der Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten auf Bundeslandebene erstellt.

Im Folgenden werden die Prognosen des RFN für die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und der Arbeitslosen sowohl für Ost- und Westdeutschland als auch für die Bundesländer dargestellt (detaillierte Prognosen der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten sowie Prognosen auf Ebene der Arbeitsagenturbezirke finden sich in Rossen et al. (2017a) , methodische Hinweise zur Erstellung der Prognose finden sich im Infokasten „Methoden“.)

Regionale Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

Für das Jahr 2018 wird auf Bundesebene mit einem weiterhin hohen Beschäftigungswachstum gerechnet. Im Vergleich zum Jahr 2017 wird erwartet, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 607.000 steigt, was einer Wachstumsrate von 1,9 Prozent entspricht. Während diese Rate auch für die Entwicklung der Beschäftigung in Ost- und Westdeutschland prognostiziert wird, finden sich größere Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern (siehe Abbildung 1).

Wie in den Vorjahren kann Berlin mit einer Wachstumsrate von 3,0 Prozent den höchsten proportionalen Anstieg der Beschäftigung verzeichnen. Ein überdurchschnittlich hohes Wachstum findet sich zudem in Brandenburg (2,2%), Hamburg, Schleswig-Holstein und Bayern (jeweils 2,1%) sowie in Hessen (2,0%). Am schwächsten fällt die Beschäftigungsentwicklung voraussichtlich im Saarland (0,9%) sowie in Sachsen-Anhalt (1,2%) und Thüringen (1,4%) aus (in diesen Bundesländern sind die Prognoseintervalle auch mit einem leichten Rückgang der Beschäftigung kompatibel). Insgesamt stellt sich die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in den westdeutschen Bundesländern ausgeglichener dar als in Ostdeutschland, wo die Höhe der Wachstumsrate maßgeblich auf Berlin und Brandenburg zurückzuführen ist.

Im Vergleich zu den regionalen Arbeitsmarktprognosen vom Frühjahr 2017 (Rossen et al. 2017b) fällt der erwartete Beschäftigungsaufbau insgesamt im Jahr 2018 grundsätzlich niedriger aus, bei den regionalen Unterschieden finden sich jedoch vergleichbare Muster. Wie in Kurzbericht 6/2017 ausgeführt, dürfte eine Erklärung für die Abschwächung des Beschäftigungsaufbaus sein, dass das Potenzial, aus dem sich ein weiterer Zuwachs gewinnen ließe, perspektivisch ausgeschöpft ist.

Regionale Entwicklung der Arbeitslosigkeit

Bundesweit setzt sich der Abbau der Arbeitslosigkeit auch im Jahr 2018 fort. Im Jahresdurchschnitt wird ein Rückgang von 60.000 Personen erwartet, was einer Veränderungsrate von -2,4 Prozent entspricht. Diese Entwicklung fällt im neuen Bundesgebiet relativ stärker aus (-3,4%) als in Westdeutschland (-2,0%). Größere Unterschiede finden sich zudem auf der Ebene der Bundesländer (siehe Abbildung 2).

In Ostdeutschland können Brandenburg (-5,0%), Sachsen-Anhalt (-4,2%) und Sachsen (-3,6%) besonders hohe Rückgänge verzeichnen, während der Abbau im alten Bundesgebiet in Niedersachsen (-3,9%), Baden-Württemberg (-3,8%), Hessen (-3,4%) und Bayern (-2,5%) besonders hoch ausfällt. Die im Vergleich zu Ostdeutschland relativ niedrige westdeutsche Veränderungsrate lässt sich unter anderem auch darauf zurückführen, dass in Nordrhein-Westfalen, dem Land mit der höchsten Zahl an Arbeitslosen, ein nur sehr geringer Rückgang der Arbeitslosigkeit erwartet wird. Wie im Fall der Beschäftigung setzt sich die bereits für das Jahr 2017 prognostizierte Abnahme der Arbeitslosigkeit in etwas abgeschwächter Form fort.

Ein Blick auf die beiden Rechtskreise zeigt, dass der prognostizierte Abbau der Arbeitslosigkeit mehrheitlich auf den Bereich des SGB III (Arbeitslosenversicherung) zurückzuführen ist, wo bundesweit ein Rückgang um 36.000 Personen erwartet wird, was einem prozentualen Rückgang von 4,2 Prozent entspricht. Die entsprechende Rate fällt dabei in Westdeutschland (-4,5%) etwas höher aus als im Osten des Landes (-3,2%). Größere Unterschiede zeigen sich auf der Ebene der Bundesländer (siehe Abbildung 3). Dort verzeichnen Niedersachsen (-7,9%), Hessen (-7,6%) und Thüringen (-6,2%) die stärksten Rückgänge. Im Gegensatz dazu wird für Berlin eine Stagnation der Zahl der Arbeitslosen im SGB III prognostiziert.

Grafik "Prognose über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Rechtskreis SGB III von 2017 auf 2018"

Im Bereich des SGB II (Grundsicherung) wird hingegen auf Bundesebene ein geringerer Rückgang um 24.000 Personen bzw. 1,4 Prozent erwartet. Mit 3,5 Prozent ist der Rückgang in Ostdeutschland höher als in Westdeutschland mit 0,6 Prozent. Ein Vergleich der Rechtskreise zeigt, dass der Rückgang der Arbeitslosigkeit in Westdeutschland – wie im gesamten Bundesgebiet – zwar mehrheitlich auf Veränderungen im SGB III zurückgeführt werden kann, in Ostdeutschland aber ein größerer Abbau im SGB II erwartet wird. Größere Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern finden sich im Bereich des SGB II (siehe Abbildung 4). In Brandenburg (-4,6%), Baden-Württemberg (-4,0%) sowie in großen Teilen Ostdeutschlands fallen die Rückgänge höher aus, während in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland jeweils ein Anstieg der SGB-II-Arbeitslosigkeit um 0,8 Prozent prognostiziert wird.

Grafik "Prognose über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Rechtskreis SGB II von 2017 auf 2018"

Bei der Prognose der Arbeitslosigkeit – allgemein sowie nach Rechtskreisen – ist jedoch zu beachten, dass die Intervalle so groß sind, dass sowohl auf Bundesebene als auch für die einzelnen Bundesländer sowohl ein Anstieg als auch ein Rückgang der Arbeitslosigkeit möglich ist.

Fazit

Die Arbeitsmarktprognosen fallen auch für das Jahr 2018 positiv aus: Neben einem weiteren Zuwachs im Bereich der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung wird auch ein sich fortsetzender Abbau der Arbeitslosigkeit erwartet. Auf regionaler Ebene zeigen sich kaum Unterschiede in der Entwicklung der Beschäftigung zwischen dem alten und dem neuen Bundesgebiet, während der Rückgang der Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland, relativ betrachtet, stärker ausfällt. Auf Bundesebene sowie in Westdeutschland kann der prognostizierte Abbau der Arbeitslosigkeit mehrheitlich dem Bereich des SGB III zugeschrieben werden, während in Ostdeutschland ein stärkerer Rückgang im SGB II erwartet wird.

Auch innerhalb der beiden Landesteile finden sich deutliche Unterschiede zwischen den Arbeitsmarktprognosen der einzelnen Bundesländer. Günstige Entwicklungen – ein mindestens durchschnittliches Beschäftigungswachstum, gepaart mit einem mindestens durchschnittlichen Rückgang in der Höhe der Arbeitslosigkeit – werden in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen und Brandenburg erwartet. Demgegenüber wird für Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Mecklenburg-Vorpommern ein unterdurchschnittliches Beschäftigungswachstum prognostiziert. Dasselbe gilt für den Abbau der Arbeitslosigkeit .

Methoden:

Für die regionale Arbeitsmarktprognose finden verschiedene ökonometrische Modelle Anwendung, die sowohl vergangene Werte als auch Komponenten wie das Niveau, den Trend, die Saison und den Konjunkturzyklus berücksichtigen. Bei relativ kleinen regionalen Einheiten ist zudem davon auszugehen, dass die Entwicklung in räumlich nahen Regionen auch stark von den Entwicklungen in anderen Regionen beeinflusst wird. Solche räumlichen Abhängigkeiten werden in weiteren Modellen berücksichtigt.

Um die Vor- und Nachteile dieser Vielzahl an Modellen auszugleichen, wird für die Prognose anschließend ein Durchschnitt über die verschiedenen Modelle gebildet. Bei diesem sogenannten Pooling fließen aber für jede Gebietseinheit nur solche Modelle in die endgültige Prognose ein, deren Entwicklung eine möglichst geringe Abweichung von der Prognose für Gesamtdeutschland aufweisen. Gleichzeitig gehen die Werte der nationalen Prognosen – in denen wiederum nationale und internationale Einflüsse berücksichtigt werden – als weitere Erklärungsgröße in das Gesamtmodell für jede regionale Einheit ein. Darüber hinaus werden die prognostizierten Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen mit den Einschätzungen aus den zehn regionalen Einheiten des IAB abgeglichen, wodurch auch das Vor-Ort-Wissen regionaler Experten Beachtung findet.

Prognosen sind per Definition mit Unsicherheit behaftet. Aus diesem Grund werden sowohl Unter- als auch Obergrenzen der Prognosen berechnet. Diese sind so ermittelt, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von circa 66 Prozent der später tatsächlich realisierte Wert innerhalb dieser Grenzen liegt. Für eine ausführliche Erklärung der Methodik siehe Bach et al. (2009).

Literatur

Bach, Hans-Uwe; Feil, Michael; Fuchs, Johann; Gartner, Hermann; Klinger, Sabine; Otto, Anne; Rhein, Thomas; Rothe, Thomas; Schanne, Norbert; Schnur, Peter; Spitznagel, Eugen: Sproß, Cornelia; Wapler, Rüdiger; Weyh, Antje; Zika, Gerd (2009): Der deutsche Arbeitsmarkt – Entwicklungen und Perspektiven. In: Möller, Joachim; Walwei, Ulrich (Hrsg.), Handbuch Arbeitsmarkt 2009. IAB-Bibliothek 314. Bielefeld: Bertelsmann, S. 64-78.

Fuchs, Johann; Hummel, Markus; Hutter, Christian; Gehrke, Britta; Wanger, Susanne; Weber, Enzo, Weigand, Roland; Zika, Gerd (2017): Arbeitsvolumen so hoch wie nie. IAB-Kurzbericht 21/2017.

Fuchs, Johann; Söhnlein, Doris; Weber, Brigitte (2017): Projektion des Erwerbspersonenpotenzials bis 2060: Arbeitskräfteangebot sinkt auch bei hoher Zuwanderung. IAB-Kurzbericht 6/2017.

Rossen, Anja; Roth, Duncan; Wapler, Rüdiger; Weyh, Antje (2017a): Regionale Arbeitsmarktprognosen 2/2017. Aktuelle Daten und Indikatoren.

Rossen, Anja; Roth, Duncan; Wapler, Rüdiger; Weyh, Antje (2017b): Regionale Arbeitsmarktprognosen (Frühjahr 2017). In: IAB-Forum.