Das Beschäftigungswachstum wird sich voraussichtlich auch im Jahr 2019 fortsetzen. Der erwartete Zuwachs an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten reicht von 0,9 Prozent in Sachsen-Anhalt bis zu 3,0 Prozent in Berlin. Darüber hinaus wird ein weiterer Abbau der Arbeitslosigkeit prognostiziert. Auch hier gibt es beträchtliche Unterschiede zwischen den Bundesländern: Während im Saarland die Zahl der Arbeitslosen laut Prognose um 8,1 Prozent sinken wird, sind es in Berlin 3,5 Prozent. Der Rückgang lässt sich mehrheitlich auf den Bereich der sozialen Grundsicherung zurückführen.

Alle Arbeitsmarktakteure sind bei Entscheidungen, die die künftige Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt betreffen, auf Prognosen angewiesen – trotz aller Unsicherheit, mit der diese behaftet sind. In Anlehnung an die Arbeitsmarktprognose des IAB für Gesamtdeutschland erstellt das Regionale Forschungsnetz (RFN) des IAB daher Prognosen für verschiedene regionale Ebenen. Im Folgenden werden die Prognosen zur Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und der Arbeitslosen auf Ebene der Bundesländer präsentiert (Prognosen auf Ebene der Arbeitsagenturbezirke sowie zur quantitativen Entwicklung der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im SGB II finden Sie auf der IAB-Website).

Das IAB geht in seiner aktuellen Herbstprognose für Gesamtdeutschland davon aus, dass sich der konjunkturelle Aufschwung 2019 geringfügig abschwächen wird. Für dieses Jahr wird eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 1,8 Prozent und für 2019 von 1,7 Prozent erwartet. Der Arbeitsmarkt wird sich voraussichtlich weiterhin gut, aber mit vermindertem Tempo entwickeln.

Regionale Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

Für 2019 rechnet das IAB auf Bundesebene mit einem weiterhin hohen Beschäftigungswachstum. Erwartet wird, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Vergleich zum Jahr 2018 um 582.000 steigt, was einer Wachstumsrate von 1,8 Prozent entspricht. Auch wenn dieser Zuwachs für Ost- und Westdeutschland gleichermaßen prognostiziert wird, weichen die Werte für einzelne Bundesländer in beiden Landesteilen von diesem Mittelwert ab (siehe Abbildung 1).

Wie in den Vorjahren kann Berlin mit einer Wachstumsrate von 3,0 Prozent voraussichtlich den mit Abstand höchsten proportionalen Anstieg der Beschäftigung verzeichnen. Am schwächsten fällt die Beschäftigungsentwicklung voraussichtlich in Sachsen-Anhalt mit 0,9, im Saarland mit 1,0, in Bremen und Thüringen mit jeweils 1,2  (in diesen Bundesländern wäre den Prognoseintervallen zufolge auch ein leichter Rückgang der Beschäftigung möglich) sowie in Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 1,3 Prozent aus. In den übrigen Bundesländern liegt der prognostizierte Beschäftigungszuwachs mehr oder weniger nahe am bundesweiten Wert.

Regionale Entwicklung der Arbeitslosigkeit

Der Abbau der Arbeitslosigkeit wird sich nach Einschätzung des IAB bundesweit auch im Jahr 2019 fortsetzen. Im Jahresdurchschnitt wird ein Rückgang um 122.000 Personen erwartet (5,2 % weniger als 2018). Dieser Rückgang fällt in Ostdeutschland mit 5,8 Prozent relativ stärker aus als in Westdeutschland mit 5,0 Prozent. Noch größer sind die Unterschiede auf Ebene der Bundesländer (siehe Abbildung 2).

Im Osten verzeichnen Sachsen-Anhalt (-7,2 %), Thüringen (-6,9 %) und Brandenburg (-6,6 %) einen besonders hohen Rückgang der Arbeitslosigkeit, im Westen ist dies im Saarland (‑8,1 %), in Hessen (-7,5 %) und Niedersachsen (-6,4 %) der Fall. Dass die Zahl der Arbeitslosen in Westdeutschland insgesamt langsamer sinkt als in Ostdeutschland, ist auch darauf zurückzuführen, dass für Nordrhein-Westfalen, dem Land mit der höchsten Zahl an Arbeitslosen, der geringste Rückgang der Arbeitslosigkeit unter den westdeutschen Bundesländern erwartet wird (-3,9 %).

Ein Blick auf die beiden Rechtskreise zeigt, dass der prognostizierte Abbau der Arbeitslosigkeit (in absoluten Zahlen) mehrheitlich auf den Bereich des Zweiten Buchs Sozialgesetzbuch (SGB II) zurückzuführen ist: Dort wird bundesweit ein Rückgang um 78.000 Personen erwartet, das sind 5,0 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Abbau fällt dabei im Westen mit 5,2 Prozent etwas höher aus als im Osten des Landes mit 4,6 Prozent.

Größere Unterschiede zeigen sich auf der Ebene der Bundesländer (siehe Abbildung 3): Am stärksten wird die Zahl der Arbeitslosen im SGB II im Saarland (-8,4 %), in Hessen (-7,6 %), in Niedersachsen und in Hamburg (jeweils -6,5 %) zurückgehen. In Berlin beträgt der Rückgang dagegen voraussichtlich nur 2,3 Prozent.

Im Bereich des Dritten Buchs Sozialgesetzbuch (SGB III) wird hingegen auf Bundesebene ein geringerer Rückgang um 44.000 Personen oder 5,5 Prozent erwartet. Mit 8,7 Prozent fällt der Abbau der Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland stärker aus als in Westdeutschland mit 4,7 Prozent.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern sind im Bereich des SGB III größer als im SGB II (siehe Abbildung 4). In Thüringen (-11,4 %), Sachsen-Anhalt (-9,7 %) und Brandenburg (-9,6 %) dürften die Zahlen weitaus stärker sinken als etwa in Hamburg, wo die Arbeitslosigkeit im SGB III laut Prognose kaum zurückgeht (-0,9 %).

Bei der Prognose der Arbeitslosigkeit ist zudem zu beachten, dass die Schätzintervalle so groß sind, dass für das gesamte Bundesgebiet sowie die einzelnen Länder sowohl ein Anstieg als auch ein Rückgang der Arbeitslosigkeit möglich ist.

Fazit

Die Arbeitsmarktprognosen fallen auch für das Jahr 2019 positiv aus: Neben einem weiteren Zuwachs im Bereich der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung wird ein anhaltender Abbau der Arbeitslosigkeit erwartet. Der Beschäftigungszuwachs wird im alten und neuen Bundesgebiet voraussichtlich gleich stark ausfallen, während der Rückgang der Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland weiterhin etwas stärker sein dürfte als in Westdeutschland.

Innerhalb der beiden Landesteile finden sich in beiden Dimensionen deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Laut Prognose gibt es kein Bundesland, in dem ein überdurchschnittliches Beschäftigungswachstum mit einem überdurchschnittlichen Abbau der Arbeitslosigkeit einhergeht. Zugleich schneiden mit Bremen und Nordrhein-Westfalen nur zwei Länder in beiden Dimensionen schlechter ab als der Bundesdurchschnitt.

Trotz der insgesamt guten Aussichten bestehen einige Unsicherheiten, etwa mit Blick auf die Zollpolitik der USA oder den anstehenden Brexit. Zudem zeigen sich trotz der robusten Entwicklung in den letzten Jahren zunehmend strukturelle Probleme auf dem Arbeitsmarkt. So passen Arbeitslose mit ihrer Qualifikation oft nicht zu den Bedarfen der Betriebe. Während sich in manchen Arbeitsmarktsegmenten und Regionen zunehmende Fachkraftengpässe abzeichnen, übersteigt in anderen Bereichen das Arbeitsangebot die Zahl der offenen Stellen nach wie vor bei weitem. Angesichts des demografischen Wandels wird das weitere Wachstum der Beschäftigung künftig immer stärker durch die zunehmende Knappheit an Arbeitskräften begrenzt, auch wenn  Zuwanderung und steigende Erwerbsneigung von Frauen und Älteren den negativen Einfluss des demografischen Wandels derzeit noch überlagern.

Methodische Hinweise

Für die regionale Arbeitsmarktprognose finden verschiedene ökonometrische Modelle Anwendung, die sowohl vergangene Werte, als auch Komponenten wie das Niveau, den Trend, die Saison und den Konjunkturzyklus berücksichtigen. Bei relativ kleinen regionalen Einheiten ist zudem davon auszugehen, dass die Entwicklung in räumlich nahen Regionen auch stark von den Entwicklungen in den Nachbarregionen beeinflusst wird. Solche räumlichen Abhängigkeiten werden in weiteren Modellen berücksichtigt. Gegenüber den bisherigen Prognosen ist die Gruppe der Modelle um ein Verfahren erweitert worden, das die Bestandszahlen anhand der Zu- und Abgänge in Form eines sogenannten Stock-Flow-Modells berechnet.

Um die Vor- und Nachteile dieser Vielzahl an Modellen auszugleichen, wird für die Prognose anschließend ein Durchschnitt über die verschiedenen Modelle gebildet. Bei diesem sogenannten Pooling fließen für jede Gebietseinheit nur solche Modelle in die endgültige Prognose ein, deren Entwicklung eine möglichst geringe Abweichung von der Prognose für Gesamtdeutschland aufweist. Gleichzeitig gehen die Werte der nationalen Prognosen – in denen wiederum nationale und internationale Einflüsse berücksichtigt werden – als weitere Erklärungsgröße in das Gesamtmodell für jede regionale Einheit ein. Darüber hinaus werden die prognostizierten Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen mit den Einschätzungen aus den zehn regionalen Einheiten des IAB abgeglichen, wodurch auch das Vor-Ort-Wissen regionaler Expertinnen und Experten Beachtung findet.

Prognosen sind per Definition mit Unsicherheit behaftet. Aus diesem Grund werden sowohl Unter- als auch Obergrenzen der Prognosen berechnet. Diese sind so ermittelt, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von circa 66 Prozent der später tatsächlich realisierte Wert innerhalb dieser Grenzen liegt. Für eine ausführliche Erklärung der Methodik siehe den Beitrag von Hans-Uwe Bach et al. im „Handbuch Arbeitsmarkt 2009“.

Literatur

Bach, Hans-Uwe; Feil, Michael; Fuchs, Johann; Gartner, Hermann; Klinger, Sabine; Otto, Anne; Rhein, Thomas; Rothe, Thomas; Schanne, Norbert; Schnur, Peter; Spitznagel, Eugen; Sproß, Cornelia; Wapler, Rüdiger; Weyh, Antje; Zika, Gerd (2009): Der deutsche Arbeitsmarkt – Entwicklungen und Perspektiven. In: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg (Hrsg.), Handbuch Arbeitsmarkt 2009. IAB-Bibliothek 314. Bielefeld: Bertelsmann, S. 64-78.

Fuchs, Johann; Gehrke, Britta; Hummel, Markus; Hutter, Christian; Wanger, Sabine; Weber, Enzo; Zika, Gerd (2018): IAB-Prognose für 2018/2019: Aufschwung bleibt, verliert aber an Tempo. IAB-Kurzbericht Nr.  21.

Rossen, Anja; Roth, Duncan; Wapler, Rüdiger; Weyh, Antje (2018): Regionale Arbeitsmarktprognosen 2/2018. Aktuelle Daten und Indikatoren.

Rossen, Anja; Roth, Duncan; Wapler, Rüdiger; Weyh, Antje (2018): Regionale Arbeitsmarktprognosen (Stand: Herbst 2018), In: IAB-Forum 27. September 2018, https://www.iab-forum.de/regionale-arbeitsmarktprognosen-2018-2/, Abrufdatum: 20. Oktober 2018