Die Corona-Krise trifft Wirtschaft und Arbeitsmarkt schon jetzt deutlich härter als die Finanzkrise von 2009. So sind heute wesentlich mehr Branchen betroffen als damals. Gleichwohl hält sich die Zahl der Entlassungen im Vergleich zur Kurzarbeitsnutzung bislang in Grenzen. Die Tatsache, dass alle Branchen bis dato sehr viel stärker auf Kurzarbeit als auf Entlassungen setzen, zeigt, dass die Betriebe bisher ganz überwiegend gewillt sind, ihr Personal zu halten.

Das Kurzarbeitergeld soll Betriebe dabei unterstützen, ihre Beschäftigten in wirtschaftlich schwachen Zeiten zu halten. Dabei leistet die Bundesagentur für Arbeit für die entfallene Arbeitszeit einen Lohnersatz – im Regelfall in Höhe des Arbeitslosengelds. Konjunkturelle Kurzarbeit kann bei einem vorübergehenden, erheblichen und unvermeidbaren Arbeitsausfall durch Betriebe beantragt werden, wenn die Beschäftigten oder deren Vertretung zugestimmt haben.

Als Paradebeispiel in Deutschland gilt die große Rezession im Jahr 2009, die durch die weltweite Finanzkrise ausgelöst wurde. Hier gab es in der Spitze über 1,4 Millionen Kurzarbeiter. Verschiedene Studien haben darauf hingewiesen, dass Kurzarbeit damals wesentlich dazu beigetragen hat, die Effekte der Krise auf die Zahl der Arbeitslosen abzumildern. Insgesamt waren die negativen Wirkungen auf den Arbeitsmarkt in Deutschland tatsächlich sehr viel moderater als in anderen Ländern.

Angesichts der positiven Erfahrungen hat die Europäische Union nun ein Programm aufgelegt (Support to mitigate Unemployment Risks in an Emergency), um Kurzarbeit in der Corona-Krise auch in anderen Mitgliedstaaten auszuweiten.

In der Finanzkrise 2009 konzentrierte sich die Kurzarbeit vor allem auf das Verarbeitende Gewerbe

Die Weltfinanzkrise betraf in Deutschland wegen der globalen Nachfrageausfälle vor allem die Exportindustrie. Dort konzentrierte sich daher auch die Kurzarbeit. Von der Corona-Krise sind neben der Industrie aber viele weitere Branchen betroffen, vor allem Dienstleistungen des öffentlichen Lebens. Hier gab es bisher kaum Erfahrungen mit Kurzarbeit. Inwieweit diese nunmehr auch in diesen Branchen genutzt wird, ist aber mitentscheidend dafür, wie stark die Beschäftigung hierzulande einknicken wird.

Deshalb wurde am IAB analysiert, welche Branchen seit Beginn der Corona-Krise für wie viele Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet haben und die Ergebnisse mit der Situation während der Finanzkrise 2009 verglichen. Dabei ging es um folgende Fragen (zu Daten und Methoden siehe Infokasten):

  • Wie stark wird Kurzarbeit heute im Vergleich zur Krise 2009 in Anspruch genommen?
  • Wie ist das zahlenmäßige Verhältnis von Kurzarbeit und Arbeitslosmeldungen in den beiden Krisen? Je höher dieses ausfällt, desto eher ist davon auszugehen, dass Betriebe erst einmal Kurzarbeit nutzen, um Entlassungen zu vermeiden.
  • Gibt es diesbezüglich Unterschiede zwischen verschiedenen Branchen?

Derzeit wird Kurzarbeit sehr viel häufiger angezeigt als in der Finanzkrise

Abbildung 1 zeigt für beide Rezessionen die Zahl der Beschäftigten, für die Kurzarbeit angezeigt und tatsächlich realisiert wurde, soweit die Daten vorliegen. Es wird deutlich, dass die Zahl der Anzeigen im März und April dieses Jahres sehr viel stärker in die Höhe geschossen ist als zu Beginn der Finanzkrise. Allein in diesen beiden Monaten wurde für rund 10,1 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Das ist mehr als das Dreifache dessen, was im gesamten Jahr 2009 angezeigt worden ist (3,3 Millionen Personen).

Die monatliche Zahl der Personen in Kurzarbeit übersteigt in der Regel nach einer gewissen Zeit die monatliche Zahl der Anzeigen. Das ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass eine Anzeige nur einmal erfolgen muss, auch wenn eine Person später über mehrere Monate in Kurzarbeit ist.

Im Jahr 2009 waren aufgrund der relativ schnellen Erholung der Wirtschaft im Schnitt 40,3 Prozent der Kurzarbeiter weniger als drei Monate in Kurzarbeit, 68,3 Prozent weniger als sechs Monate. Aber selbst 2009 fiel die Zahl der Kurzarbeiter, die im Frühjahr bei rund 1,3 Millionen lag, trotz der raschen wirtschaftlichen Erholung erst gegen Jahresende wieder unter die Millionenschwelle. Wie viele Menschen in der Corona-Krise wie lange in Kurzarbeit sein werden, wird stark von der Dauer der Rezession abhängen.

Abbildung 1: Personen, für die konjunkturelle Kurzarbeit beantragt wurde, und Personen in Kurzarbeit im Verlauf der Rezessionen 2009 und 2020

Aufschlussreich ist auch ein branchenspezifischer Vergleich der beiden Rezessionen (siehe Abbildung 2). Auffällig ist, dass in der Corona-Krise bereits jetzt in jeder Branche für deutlich mehr Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet wurde als im ersten Halbjahr 2009.

Der maximale Wert wird im Gastgewerbe (Beherbergung und Gastronomie) erreicht, wo bereits für fast 93 Prozent aller Beschäftigten Kurzarbeitsanzeigen eingegangen sind. Diese Branche ist im besonderen Maße von den Schließungsmaßnahmen betroffen. Ähnliches gilt für die Branchen „Sonstige Dienstleister“, „Kunst“, „Unterhaltung und Erholung“ und „Private Haushalte“, wo insgesamt für knapp 43 Prozent aller Beschäftigten Kurzarbeit angemeldet wurde.

Das Verarbeitende Gewerbe und die Sonstigen wirtschaftlichen Dienstleister sind hingegen eher indirekt von den Corona-Eindämmungsmaßnahmen betroffen. Hier schlagen sich vor allem Zulieferschwierigkeiten und (weltweite) Nachfrageausfälle nieder. Diese Branchen reagieren traditionell schnell auf konjunkturelle Einbrüche, etwa indem sie die Zahl der Arbeitskräfte in der Zeitarbeit abbauen (diese sind Teil der Sonstigen wirtschaftlichen Dienstleister). Eine Ausnahme sind Reisebüros und Reiseveranstalter, die ebenfalls Teil der Sonstigen wirtschaftlichen Dienstleister sind, aber ebenso wie das Gastgewerbe direkt von den staatlich verordneten Schließungsmaßnahmen betroffen waren. Dies führt dazu, dass bereits für rund 40 Prozent der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe und 38 Prozent der Beschäftigten bei den Sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistern Kurzarbeitsanzeigen eingegangen sind.

Stark betroffen sind zudem die Branchen „Verkehr und Lagerei“ mit 32,2 Prozent, das Baugewerbe mit 30,1 Prozent, Immobilien und „freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen“ mit 30,0 Prozent sowie der Handel mit 28,7 Prozent. Diese Branchen enthalten zahlreiche Berufe, für die ein Arbeiten im Homeoffice kaum oder nur schwer möglich ist.

Diese Beobachtungen zur branchenspezifischen Verteilung der Kurzarbeitsanzeigen decken sich im Übrigen mit einer aktuellen Umfrage des ifo-Instituts, in der Unternehmen gebeten wurden, ihre eigene Betroffenheit von der Corona-Krise einzuschätzen.

In der Rezession 2009, die vor allem die exportorientierte Industrie betraf, waren die Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe mit Abstand am häufigsten in Kurzarbeit. Aus dieser Branche gingen im ersten Halbjahr 2009 Kurzarbeitsanzeigen für 36,6 Prozent der Beschäftigten ein. Dieser Wert liegt aber immer noch unter dem Wert, der bereits im März und April dieses Jahres – also binnen zwei Monaten – für das Verarbeitende Gewerbe erreicht wurde. Im Verkehr und der Lagerei waren es 2009 10,7, bei den Sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistern 10,6 und im Baugewerbe 8,8 Prozent.

Insgesamt lässt sich also feststellen, dass in der Corona-Krise auch diejenigen Branchen, die von den Eindämmungsmaßnahmen direkt betroffen sind, Kurzarbeit intensiv nutzen, selbst wenn diese Branchen relativ wenig Erfahrung mit diesem Instrument haben.

Abbildung 2: Anteile der Beschäftigten, für die Kurzarbeitergeld beantragt wurde, an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der jeweiligen Branche

Mehr Entlassungen, weniger Neueinstellungen

Auch die Zahl der mit Arbeitslosigkeit in Verbindung stehenden Entlassungen und  Neueinstellungen zeigt, dass die Corona-Krise den Arbeitsmarkt bereits jetzt deutlich härter trifft als die Finanzkrise 2009 (siehe Abbildung 3). So haben sich allein im April dieses Jahres über 100.000 Personen mehr aus der Beschäftigung heraus arbeitslos gemeldet als im Vorjahresmonat. Damit fällt die Reaktion auf die Corona-Krise binnen nur eines Monats bereits deutlich stärker als die monatlichen Veränderungen im gesamten Jahresverlauf 2009. Es bleibt abzuwarten, wie lange sich diese Entwicklung fortsetzt.

Die Corona-Krise betrifft aber nicht nur Personen, die arbeitslos werden, sondern auch Menschen, die bereits arbeitslos sind und sich derzeit schwer tun, wieder eine Beschäftigung zu finden (Abgänge aus Arbeitslosigkeit in Beschäftigung). Im April dieses Jahres haben die Neueinstellungen aus Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresniveau deutlich abgenommen (-78.000). Auch dieser Rückgang fällt bereits um einiges stärker aus als dies in allen Monaten des Jahres 2009 der Fall war.

Abbildung 3: Abgänge aus der Arbeitslosigkeit in Beschäftigung und Zugänge in die Arbeitslosigkeit aus Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt im Verlauf der Rezessionen 2009 und 2020

Die Zugänge in Arbeitslosigkeit konzentrieren sich bislang sehr stark auf das Gastgewerbe

Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang zudem ein Blick auf die Zugänge in Arbeitslosigkeit nach Branchen (siehe Abbildung 4). Hier fällt aktuell vor allem die Entwicklung im Gastgewerbe ins Auge. Denn dort beläuft sich der Anteil der zusätzlichen Arbeitslosmeldungen in den Monaten März und April dieses Jahres auf über zwei Prozent der dort Beschäftigten. Dieser Anteil ist deutlich höher als in der ersten Jahreshälfte 2009 und weit höher als derzeit in jeder anderen Branche.

Selbst bei den Sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistern, zu denen auch die Zeitarbeit zählt, liegt der Anteil bislang noch deutlich unter einem Prozent. In dieser Branche waren in der Rezession 2009 mit Abstand die meisten Zugänge in Arbeitslosigkeit relativ zur Beschäftigung zu beobachten (über 7%). Insgesamt dürften die Entlassungen in der aktuellen Rezession noch deutlich steigen.

Abbildung 4: Anteile der kummulierten Zugänge in Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr, an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der jeweiligen Branche

Alle Branchen setzen bislang stärker auf Kurzarbeit als auf Entlassungen

Bislang wurde der Anteil der Personen in einer Branche, für die aktuell Kurzarbeit angezeigt wurde, und der Anteil der Personen in einer Branche, die bereits entlassen und arbeitslos wurden, getrennt voneinander betrachtet. Um die weitere Arbeitsmarktentwicklung für jede Branche abschätzen zu können, ist es jedoch von Interesse, beide Größen zueinander in Beziehung zu setzen. Denn daraus lässt sich ableiten, wie stark eine Branche (zumindest bis dato) auf Kurzarbeit setzt, um Entlassungen zu vermeiden.

Dieser Zusammenhang ist aus Abbildung 5 ersichtlich. Sie zeigt für beide Rezessionen das Verhältnis der Personen, für die Kurzarbeit angezeigt wurde, relativ zu den Zugängen in Arbeitslosigkeit in der jeweiligen Branche (in Vorjahresveränderungen).

Zeigt der Balken einer Branche einen Wert größer eins, so übersteigt die Zahl der Personen, für die Kurzarbeit angezeigt wurde, die Zahl der im gleichen Zeitraum arbeitslos gewordenen Personen (genauer gesagt: der Änderungen gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum). Je länger der Balken, desto stärker setzt eine Branche auf Kurzarbeit statt auf Entlassungen. Ein Wert von 10 beispielsweise würde bedeuten, dass die Zahl der Personen für die Kurzarbeit angezeigt wurde, die Zahl der arbeitslos gewordenen Personen um das Zehnfache übersteigt.

Schon in der Finanzkrise 2009 (dargestellt mit türkisfarbigen Balken) zeigte sich, dass die Mehrzahl der Branchen in Deutschland wesentlich stärker auf Kurzarbeit als auf Entlassungen setzte. Demgegenüber überstieg die Zahl der Kurzarbeitsanzeigen im Verarbeitenden Gewerbe die der Arbeitslosmeldungen schon damals um den Faktor 17 – der mit Abstand höchste Wert aller Branchen.

In der aktuellen Corona-Rezession (dargestellt mit blauen Balken für die Monate März und April 2020) liegt dieser Faktor für das Verarbeitende Gewerbe sogar bei 296. Dort gab es also bislang kaum Arbeitslosmeldungen im Verhältnis zu den Kurzarbeitsanzeigen. Dies dürfte auch der Tatsache geschuldet sein, dass die Corona-Krise noch relativ jung ist und am Anfang einer Rezession typischerweise relativ wenig entlassen wird. Allerdings zeigt sich, dass das Verarbeitende Gewerbe in der aktuellen Krise erneut stärker auf Kurzarbeit relativ zu Entlassungen setzt als alle anderen Branchen. Dennoch setzen die anderen Branchen bislang ebenfalls sehr viel stärker auf Kurzarbeit als auf Entlassungen als in der Finanzkrise.

In Abbildung 5 sind die Achsen bewusst so gewählt, dass die Balken für beide Krisen im Verarbeitenden Gewerbe exakt gleich hoch sind – trotz des starken Niveauunterschieds. Damit lässt sich für jede Branche ablesen, ob das aktuelle Verhältnis von Kurzarbeitsanzeigen und Arbeitslosmeldungen im Vergleich zur Finanzkrise schneller oder langsamer gewachsen ist als im Verarbeitenden Gewerbe. Ersteres ist dann der Fall, wenn der blaue Balken höher ist als der türkise. Letzteres trifft zu, wenn der blaue Balken niedriger ist als der türkise.

In vielen Branchen sind die Balken ähnlich hoch, das Verhältnis von Kurzarbeitsanzeigen zu Arbeitslosmeldungen hat sich also ähnlich verändert wie im Verarbeitenden Gewerbe. In fünf Branchen sind allerdings deutliche Unterschiede festzustellen: in der Land- und Forstwirtschaft, im Gastgewerbe, bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern, bei den Sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistern sowie bei den Sonstigen Dienstleistern, Kunst, Erholung, Unterhaltung und Privaten Haushalten.

In der Land- und Forstwirtschaft, bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern und den Sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistern liegt dies daran, dass es im Vergleich zu 2009 bisher relativ wenig zusätzliche Arbeitslosmeldungen gab (siehe auch Abbildung 4). Im Gastgewerbe und in den Bereichen „Sonstige Dienstleister“, „Kunst“, „Erholung“, „Unterhaltung“ und „Private Haushalte“ gab es dagegen außerordentlich viele Kurzarbeitsanzeigen. In diesen Branchen ist Kurzarbeit somit eine Alternative zur Beendigung von Arbeitsverhältnissen, die von den Betrieben bisher häufig genutzt wird.

Im Baugewerbe hingegen sind die Kurzarbeitsanzeigen im Verhältnis zu den Arbeitslosmeldungen bisher weniger gestiegen als im Verarbeitenden Gewerbe.

Abbildung 5: Verhältnis von Personen, für die Kurzarbeitergeld beantragt wurde, zu Zugängen in Arbeitslosigkeit aus Beschäftigung

Fazit

Kurzarbeit wird in der Corona-Krise bislang massiv genutzt. Noch nie haben so viele Betriebe wie derzeit Bedarf für Kurzarbeit bei der Bundesagentur für Arbeit angezeigt. Und bereits jetzt ist für deutlich mehr Beschäftigte Kurzarbeit beantragt worden als während der Finanzkrise.

Diejenigen Branchen, die von den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie stark getroffen sind, nutzen Kurzarbeit sehr intensiv, obwohl sie damit bislang relativ wenig Erfahrung gemacht haben. Im Jahr 2009 zahlte die Bundesagentur für Arbeit fast fünf Milliarden Euro an Kurzarbeitergeld aus. Dieser Wert dürfte im laufenden Jahr um ein Vielfaches höher liegen.

Um diese Gelder effektiv zu nutzen, empfehlen zwei aktuelle Studien von Almut Balleer und Koautoren sowie von Enzo Weber und Koautoren klare Regeln zur Implementierung von Kurzarbeit. Diese Regeln sollten so ausgestaltet sein, dass Betriebe Transparenz haben und Kurzarbeit nur dann nutzen, wenn sie die betroffenen Beschäftigten sonst entlassen hätten.

Auch die zusätzlichen Arbeitslosmeldungen aus Beschäftigung liegen im April dieses Jahres bereits deutlich über denen aus 2009. Unterm Strich jedoch setzen bisher alle Branchen ganz überwiegend auf Kurzarbeit statt auf Entlassungen. Selbst im Verarbeitenden Gewerbe haben sich die Gewichte in der aktuellen Krise noch weiter in Richtung Kurzarbeit verschoben. Noch stärker hat Kurzarbeit in den Branchen zugelegt, die unmittelbar von den Kontaktbeschränkungen betroffen sind, etwa dem Gastgewerbe.

Die Zahl der Entlassungen ist hierzulande auch im Vergleich zu Ländern wie den USA oder dem Vereinigten Königreich bislang nur moderat gestiegen. Es ist aber wahrscheinlich, dass die Entlassungen im weiteren Verlauf der Rezession zu Lasten der Kurzarbeit zunehmen werden, je länger diese andauert.

Der Rückgang der Neueinstellungen aus Arbeitslosigkeit lag im April dieses Jahres ebenfalls bereits über dem aus 2009. Dadurch könnte die Arbeitslosigkeit ebenfalls erheblich steigen. Eine direkte vorübergehende Subvention für Neueinstellungen, analog zu Kurzarbeit für bestehende Jobs, könnte den Arbeitsmarkt daher zusätzlich stützen (lesen Sie hierzu auch einen aktuellen Gastbeitrag von Enzo Weber in der Online-Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“).

Daten und Methoden

Die Arbeitslosmeldungen werden bis zum 14.4.2020 berücksichtigt. Betriebe, die Kurzarbeit in Anspruch nehmen möchten, müssen dies vorab bei einer Agentur für Arbeit anzeigen. Diese Anzeigen werden in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit erfasst, sobald diese elektronisch vorliegen. Es ist auf der einen Seite davon auszugehen, dass die aktuell verfügbaren Daten aufgrund der Masse an Anträgen noch untererfasst sind und die tatsächliche Zahl der Anzeigen höher liegt. Es ist auf der anderen Seite bei den Anzeigen aber offen, wann die Kurzarbeit beginnt und ob diese tatsächlich – und für wie viele Personen im Betrieb – stattfinden wird. So ist in der Finanzkrise nur etwa jeder dritte anzeigende Betrieb danach tatsächlich in Kurzarbeit gegangen. Ebenso liegen noch Doppelungen in den Daten vor. Finale Daten zur realisierten Kurzarbeit werden erst mit mehreren Monaten Verzögerung vorliegen (Statistik der Bundesagentur für Arbeit, 2020). Es werden die Daten zu Kurzarbeitsanzeigen und Arbeitslosmeldungen im März und April 2020 sowie im Jahr 2009 nach Branchen verglichen.

Literatur

Adams-Prassl, Abi; Boneva, Teodora; Golin, Marta; Rauh, Christopher (2020): Inequality in the Impact of the Coronavirus Shock: Evidence from Real Time Surveys. IZA Discussion Paper No. 13183.

Balleer, Almut; Gehrke, Britta; Hochmuth, Brigitte; Merkl, Christian (2020): Guidelines for cost-effective use of SURE: Rule-based short-time work with workers’ consent and aligned replacement rates. In: VoxEU vom 01.05.2020.

Balleer, Almut; Gehrke, Britta; Lechthaler, Wolfgang; Merkl, Christian (2016): Does Short-Time Work Save Jobs? A Business Cycle Analysis. In: European Economic Review, Vol. 84, S. 99–122.

Gehrke, Britta; Hochmuth, Brigitte (2019): Counteracting unemployment in crises: Non-linear effects of short-time work policy. In: Scandinavian Journal of Economics vom 23.08.2019.

Merkl, Christian; Weber, Enzo (2020): Rescuing the labour market in times of COVID-19: Don’t forget new hires!. In: VoxEU vom 07.04.2020.

Sauer, Stefan; Wohlrabe, Klaus (2020): Konjunkturumfragen im Fokus: Deutsche Wirtschaft in Corona-Schockstarre. In: ifo Schnelldienst, Jg. 73, Nr. 4, S. 44-47.

Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2020): Kurzinfo Statistik zur Kurzarbeit, 30. März 2020.

Weber, Enzo (2019): Kurzarbeit neu denken. In: Die Welt vom 04.10.2019.

Weber, Enzo (2015): The labour market in Germany: reforms, recession and robustness. In: De Economist, No. 163, S. 461-472.

Weber, Enzo; Bauer, Anja; Fuchs, Johann; Hummel, Markus; Hutter, Christian; Wanger, Susanne; Zika, Gerd (2020): Der Arbeitsmarkt in der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte. In: IAB-Forum, 24.04.2020.

Gehrke, Britta; Weber, Enzo (2020): Kurzarbeit, Entlassungen, Neueinstellungen: Wie sich die Corona-Krise von der Finanzkrise 2009 unterscheidet, In: IAB-Forum 28. Mai 2020, https://www.iab-forum.de/kurzarbeit-entlassungen-neueinstellungen-wie-sich-die-corona-krise-von-der-finanzkrise-2009-unterscheidet/, Abrufdatum: 24. September 2020