Wer Karriere machen will, hat häufig einen Partner oder eine Partnerin mit ähnlichen Ambitionen. Da fällt die gemeinsame Lebensplanung vielfach schwer. Hilfe versprechen sogenannte Dual Career Services. Was sich dahinter verbirgt, erläutert Yvonne Eder vom Dual Career Netzwerk Nordbayern im Interview für das IAB-Forum.

Können Sie die Aufgaben des Dual Career Netzwerks Nordbayern beschreiben?

Yvonne Eder: Auf Initiative der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg haben sich Ende 2011 Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaft und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen im Raum Nordbayern, darunter auch das IAB, zum Dual Career Netzwerk Nordbayern (DCNN) zusammengeschlossen. Ziel ist es, die von den Mitgliedseinrichtungen rekrutierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie deren Lebenspartner oder -partnerinnen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und bei der Suche nach einer adäquaten Beschäftigung im Raum Nordbayern zu unterstützen und so beiden Partnern die Fortsetzung ihrer beruflichen Karriere zu erleichtern. Die Anschubfinanzierung wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert, mittlerweile wird das DCNN von den 15 Mitgliedseinrichtungen getragen.

Mit welchen Angeboten unterstützen Sie die Suche nach einer geeigneten Stelle?

Das Angebot richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen der betreuten Partnerin oder des Partners. Dies kann zunächst eine berufliche Standortbestimmung, die Unterstützung bei der Entwicklung einer Bewerbungsstrategie, die Optimierung der Bewerbungsunterlagen oder auch die Suche nach passenden Weiterbildungsmöglichkeiten sein. Das DCNN bietet Orientierung über den regionalen Arbeitsmarkt und fungiert als Türöffner, indem Kontakte zu Personalverantwortlichen oder Personen, die im gesuchten Bereich tätig sind, hergestellt werden.

Wo stoßen Sie mit Ihren Unterstützungsleistungen an Grenzen?

Der Service ist eine Unterstützungsleistung. Eine Garantie für eine erfolgreiche Stellensuche kann es natürlich nicht geben. Ob es tatsächlich gelingt, eine passende Stelle zu finden, hängt, wie immer, ganz entscheidend von der Passgenauigkeit des Stellenprofils ab – und nicht zuletzt von der Motivation der Bewerberinnen und Bewerber. Insbesondere Bewerberinnen und Bewerber aus dem Ausland oder mit Familienpflichten haben es erfahrungsgemäß schwerer am Arbeitsmarkt, beispielsweise wegen unzureichender Sprachkenntnisse, fehlender Anerkennung ausländischer Abschlüsse oder weil sich der gewünschte Umfang der Arbeitszeit nicht ohne weiteres mit den Anforderungen potenzieller Arbeitgeber deckt. Auftrag des Dual Career Service ist es daher, der jeweiligen Person eine sehr passgenaue, zielgerichtete Unterstützung in ihrer individuellen Situation zukommen zu lassen. Es geht darum, sie beim Aufbau ihres persönlichen Netzwerks zu unterstützen, sie in jedem Bewerbungsschritt mit den passenden Ressourcen zu versorgen und ihr als Sparringpartner zur Seite zu stehen.

In wie viel Prozent der Fälle konnten Sie den betroffenen Paaren tatsächlich dabei helfen, geeignete Stellen in der Region zu finden?

Den Erfolg der Dual-Career-Unterstützung allein daran festzumachen, wie viele der betreuten Personen letztlich eine Stelle gefunden haben, wäre, wie bei anderen Beratungsangeboten auch, zu kurz gegriffen. Diesen Erfolg kann sich ein Dual Career Service auch gar nicht zuschreiben. Er ist in erster Linie das Resultat der Motivation und der Arbeitsmarktpassung der betreuten Person. Sie muss sich mit ihrem Profil und ihrer Persönlichkeit auf dem Arbeitsmarkt durchsetzen.

„Die Rückmeldungen bestätigen eine hohe Wirksamkeit unserer Dienstleistungen.“

Messen lassen muss sich der Service am Wissenszuwachs, der Ressourcenstärkung und der Zufriedenheit der betreuten Person mit der Beratung. Diesen Erfolg messen wir im DCNN insbesondere durch Kundenbefragungen. Die Rückmeldungen bestätigen eine hohe Wirksamkeit im Sinne unserer Zielsetzungen.

Für welche Berufsgruppen ist Doppelkarriereplanung überhaupt relevant?

Die Forschung zeigt, dass sich partnerschaftliche Lebensgemeinschaften im Wandel befinden – weg vom Bildungsgefälle zwischen Mann und Frau, hin zu einem ähnlichen Bildungsniveau. Mit steigendem Bildungsniveau – besonders bei Frauen – steigt der Anteil an Paaren, bei denen beide in ihre Karriere investiert haben und einer anspruchsvollen Berufstätigkeit nachgehen. Diese Paare stimmen sich immer öfter gleichberechtigt über ihre weiteren Karriereschritte ab. Wenn der mitziehende Partner seine eigene Karriere erfolgreich fortsetzen kann, dann kann dies den Ausschlag für die Annahme des Jobangebots und für den Umzug geben. Dieses Phänomen lässt sich jedoch nicht auf bestimmte Berufsgruppen eingrenzen. In Zeiten des sich abzeichnenden Fachkräftemangels lässt dies den Rückschluss zu, dass diejenigen Arbeitgeber im Vorteil sind, die bei ihrer Rekrutierung beide Karrieren in den Blick nehmen und Unterstützung anbieten.

Warum spielt das Phänomen gerade in der Wissenschaft eine so wichtige Rolle?

In der Wissenschaft ist Mobilität eine notwendige Voraussetzung für die Karriereentwicklung. In der Qualifikationsphase werden in der Regel befristete Verträge vergeben. Auch bei fortgeschrittener Karriere sind Ortswechsel erforderlich und Auslandsaufenthalte werden für den nächsten Karriereschritt vorausgesetzt. Dabei leben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehr häufig in Doppelkarriere-Partnerschaften. Angestoßen durch eine im Jahr 2002 erschienene Studie des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft über internationale Karrieren hat das Thema „Dual Career Unterstützung“ zunehmend an Bedeutung gewonnen.

„Mittlerweile sind an über 50 Wissenschaftseinrichtungen Dual Career Services eingerichtet.“

Auf diese Weise verschaffen sich Universitäten Vorteile im Wettbewerb um hochkarätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Auch die Familienförderung spielt eine Rolle, indem dem Paar ermöglicht werden soll, als Familie an einem Ort leben und arbeiten zu können. Mittlerweile wurden an über 50 Universitäten und sonstigen Wissenschaftseinrichtungen Dual Career Services eingerichtet.

Literatur

Stifterverband für die deutsche Wissenschaft (2002): Brain Drain-Brain Gain. Eine Untersuchung über internationale Berufskarrieren.

 

 

Schludi, Martin (2019): Karriere im Doppelpack: Dual Career Services bieten passgenaue Unterstützung, In: IAB-Forum 1. Februar 2019, https://www.iab-forum.de/karriere-im-doppelpack-dual-career-services-bieten-passgenaue-unterstuetzung/, Abrufdatum: 16. Februar 2019