Im vierten Quartal 2021 gab es bundesweit 1,69 Millionen offene Stellen. Dies ist bei der seit 1989 durchgeführten Betriebsbefragung der höchste je gemessene Wert. Gegenüber dem dritten Quartal 2021 stieg die Zahl der offenen Stellen um 303.000 oder rund 22 Prozent, im Vergleich zum vierten Quartal 2020 um 507.000 oder 43 Prozent. Das geht aus der IAB-Stellenerhebung hervor, einer regelmäßigen Betriebsbefragung des IAB.

Die Personalnachfrage ist im vierten Quartal 2021 deutlich gestiegen. Dies lässt sich an der sogenannten Vakanzrate ablesen. Sie beschreibt das Verhältnis von sofort zu besetzenden offenen Stellen zur gesamten betrieblichen Personalnachfrage. Hierbei entspricht die gesamte betriebliche Personalnachfrage der Summe der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung und der sofort zu besetzenden offenen Stellen. Die Vakanzrate lag im Bundesdurchschnitt zuletzt bei 4,0 Prozent. Auf 100 von den Betrieben nachgefragten Beschäftigten kamen also 4 offene Stellen. Im dritten Quartal 2021 waren es noch 3,2 offene Stellen, im vierten Quartal 2020 2,8. Mit 4,3 Prozent sofort zu besetzenden offenen Stellen war die Personalnachfrage im Osten höher als in Westdeutschland mit 3,9 Prozent. Insgesamt gab es im vierten Quartal 2021 in Westdeutschland 1,34 Millionen offene Stellen, in Ostdeutschland 348.000.

215.000 der 1,69 Millionen offenen Stellen waren im vierten Quartal 2021 bei Großbetrieben mit mindestens 250 Beschäftigten zu besetzen. Mittlere Betriebe mit 50 bis 249 Beschäftigten hatten rund 425.000 offene Stellen. Die Mehrheit der offenen Stellen (671.000) gab es bei kleineren Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten. Auf Kleinstbetriebe mit weniger als 10 Beschäftigten entfielen im vierten Quartal 2021 379.000 offene Stellen. Gegenüber dem Vorjahresquartal gab es in kleineren und mittleren Betrieben fast 50 Prozent mehr offene Stellen, bei Großbetrieben waren es sogar über 70 Prozent mehr. Bei Kleinstbetrieben war der Anstieg der offenen Stellen gegenüber dem Vorjahresquartal mit plus 19 Prozent am geringsten.

95 Prozent aller Betriebe mit mindestens einer sozialversicherungspflichtig beschäftigten Person in Deutschland sind Kleinst- und Kleinbetriebe. Sie beschäftigen rund 39 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Zugleich entfielen auf diese Betriebe 62 Prozent der 1,69 Millionen offen Stellen.

Alle im Rahmen der IAB-Stellenerhebung kontaktierten Betriebe wurden im vierten Quartal zu ihren sozialversicherungspflichtigen Neueinstellungsfällen vertieft befragt. Dabei zeigt sich, dass der einzelne Kleinbetrieb im Wettbewerb um passende Bewerberinnen und Bewerber gegenüber größeren Betrieben zumeist stark im Hintertreffen ist. So konnte ein Großbetrieb im Jahr 2021 pro Einstellung eines sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Schnitt aus rund 39 Bewerbungen auswählen. Bei Kleinst- und Kleinbetrieben mit bis zu 49 Beschäftigten lag diese Zahl mit durchschnittlich 5 bis 6 Bewerbungen rund 7 Mal geringer (siehe Abbildung).

Die Abbildung zeigt die Zahl der eingegangenen und aus betrieblicher Sicht geeigneten Bewerbungen in Abhängigkeit der Betriebsgröße für das vierte Quartal 2021. Mit steigender Betriebsgröße erhöhen sich die Chancen, mehr Bewerbungen sowie mehr geeignete Bewerbungen für eine ausgeschriebene Stelle zu erhalten. Je kleiner ein Betrieb ist, desto kleiner ist auch die Zahl der aus betrieblicher Sicht potenziell passenden Bewerberinnen und Bewerber. Während ein Kleinstbetrieb mit weniger als 10 Mitarbeitern nur aus 5 Bewerbungen beziehungsweise 2 geeigneten Bewerbungen je offener Stelle auswählen kann, sind es bei Großbetrieben ab 250 Beschäftigten 39 beziehungsweise 9. Quelle: IAB-Stellenerhebung, vorläufige Hochrechnung. © IAB

Über alle Betriebe hinweg geben die befragten Personalverantwortlichen zudem an, dass von den durchschnittlich 18 Bewerbungen nur 5 Bewerbungen oder 26 Prozent als geeignet für die ausgeschriebene Stelle angesehen werden. Je kleiner der Betrieb, desto kleiner ist zugleich die Zahl der aus betrieblicher Sicht potenziell geeigneten Bewerberinnen und Bewerber – und desto geringer sind die Auswahlchancen von kleinen Betrieben beim Kampf um die besten Köpfe.

Die IAB-Stellenerhebung

Das IAB untersucht mit der IAB-Stellenerhebung viermal jährlich das gesamte Stellenangebot, also auch jene Stellen, die den Arbeitsagenturen nicht gemeldet werden. Im vierten Quartal 2021 wurden Antworten von rund 12.800 Arbeitgebern aller Wirtschaftsbereiche ausgewertet aller Wirtschaftsbereiche ausgewertet. Aktuelle Zahlen zur (langfristigen) Entwicklung der offenen Stellen sowie weiterer Kenngrößen auf Basis der IAB-Stellenerhebung finden Sie auf der IAB-Homepage.

 

doi: 10.48720/IAB.FOO.20220224.01

 

 

Kubis, Alexander (2022): IAB-Stellenerhebung 4/2021: Offene Stellen mit 1,69 Millionen auf einem Allzeithoch, In: IAB-Forum 24. Februar 2022, https://www.iab-forum.de/iab-stellenerhebung-4-2021-offene-stellen-mit-169-millionen-auf-einem-allzeithoch/, Abrufdatum: 9. August 2022