Auch im dritten Quartal 2020 lag die Zahl der offenen Stellen deutlich unter dem Vorjahresniveau. Der Abwärtstrend der beiden vorherigen Quartale wurde jedoch gestoppt. Vor allem Betriebe mit 10 bis 49 Beschäftigten verzeichnen einen deutlichen Anstieg offener Stellen. Der erneute Teil-Lockdown im November könnte den Erholungsprozess allerdings gefährden.

Im dritten Quartal 2020 gab es bundesweit 934.000 offene Stellen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Gegenüber dem Vorjahresniveau sank die Zahl der offenen Stellen damit um 426.000. Das entspricht einem Rückgang von rund 31 Prozent. Gegenüber dem zweiten Quartal 2020 stieg jedoch die Zahl der offenen Stellen um 41.000 oder knapp 5 Prozent an. In Westdeutschland waren 730.000 offene Stellen im dritten Quartal 2020 zu besetzen, in Ostdeutschland 204.000.

Wie die Betriebe auf den erneuten Teil-Lockdown reagieren, ist angesichts zu vieler Unsicherheitsfaktoren kaum absehbar. Entscheidend wird sein, ob es bei einem Teil-Lockdown bleibt und ob sich dieser tatsächlich nur auf November beschränken wird.

Vor allem Betriebe mit 10 bis 49 Beschäftigten verzeichnen mehr offene Stellen

Im dritten Quartal konnte ein deutlicher Anstieg offener Stellen bei den Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten beobachtet werden. Hier stieg die Zahl im dritten Quartal 2020 auf 288.000 und liegt damit 15 Prozent über dem Wert vom zweiten Quartal. Größere Betriebe ab 50 Beschäftigten bieten aktuell 318.000 vakante Stellen und damit nur etwa 1 Prozent mehr als noch im Vorquartal. Auch bei den kleineren Betrieben mit weniger als 10 Beschäftigten ist das Niveau der offenen Stellen mit 329.000 weiterhin in der Nähe des Vorquartals. Im zweiten Quartal 2020 wurden hier rund 330.000 Stellen berichtet.

Immer noch sind 40 Prozent der Betriebe negativ von der Corona-Krise betroffen

Auf Basis der IAB-Stellenerhebung zeigt sich für das dritte Quartal 2020, dass 40 Prozent der Betriebe überwiegend negativ von der Corona-Krise betroffen sind. 12 Prozent sind sowohl negativ als auch positiv betroffen. Der Anteil der Betriebe, die aktuell nicht von der Krise direkt betroffen sind, lag im dritten Quartal bei rund 46 Prozent. Nur 2 Prozent der Betriebe in Deutschland gaben an, überwiegend positiv betroffen zu sein. Inwieweit sich diese im Vergleich zum Vorquartal positive Entwicklung bei den Betrieben jedoch in eine weiter steigende Personalnachfrage übersetzt, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Im zweiten Quartal waren noch 56 Prozent der Betriebe negativ, 12 Prozent positiv und negativ, 2 Prozent überwiegend positiv und 29 Prozent nach eigenen Angaben nicht von der Corona-Krise betroffen.

Die von der Krise negativ betroffenen Betriebe wurden im dritten Quartal befragt, ab wann Sie für ihren Betrieb eine weitgehende Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität erwarten. Knapp 36 Prozent der zu diesem Zeitpunkt befragten Betriebe erwarteten die Normalisierung ihrer wirtschaftlichen Aktivität bis zum Endes des Jahres (siehe  Abbildung). Zu beachten ist hierbei, dass die Betriebe zwischen Juli und September und somit überwiegend nicht in einer Phase stark steigender Infektionszahlen befragt wurden. Die Mehrheit der Betriebe erwartet eine Normalisierung erst im Laufe des Jahres 2021.

IAB-Forum vom 03.11.2020; Alexander Kubis: IAB-Stellenerhebung 3/2020: Zahl der offenen Stellen steigt im dritten Quartal um knapp fünf Prozent. Die Abbildung zeigt, in welchem Quartal sich nach Ansicht der befragten Betriebe die wirtschaftliche Aktivität nach dem coronabedingten Einbruch wieder normalisieren wird. Dargestellt werden nur die Erwartungen derjenigen Betriebe, die angegeben haben von Corona ausschließlich negativ sowie in gleichem Maße negativ wie positiv betroffen zu sein. Es zeigt sich, dass mit rund 36 Prozent die meisten Betriebe eine Normalisierung bis Ende 2020 erwarten. 26 Prozent erwarten dies bis zum ersten Quartal 2021 und jeweils 14 Prozent bis zum zweiten, beziehungsweise dem dritten Quartal. Nur sehr wenige Betriebe glauben, dass eine Normalisierung erst danach stattfindet. Die Zahlen wurden allerdings vor Bekanntgabe des Teil-Lockdowns im November 2020 erhoben. Quelle: IAB-Stellenerhebung 3/2020, vorläufige Hochrechnung, © IAB.

Angesichts dieser Erwartungen sind viele Betriebe nach wie vor zurückhaltend bei der Personalsuche. Die Unsicherheit über die Zukunft belastet auch das Einstellungsverhalten der Betriebe. Ein weiterer Abwärtstrend am Stellenmarkt wurde im dritten Quartal 2020 jedoch vorerst verhindert.

Die IAB-Stellenerhebung

Das IAB untersucht mit der IAB-Stellenerhebung viermal jährlich das gesamte Stellenangebot, also auch jene Stellen, die den Arbeitsagenturen nicht gemeldet werden. Im dritten Quartal 2020 wurden Antworten von rund 8.500 Arbeitgebern aller Wirtschaftsbereiche ausgewertet. Aktuelle Zahlen zur (langfristigen) Entwicklung der offenen Stellen sowie weiterer Kenngrößen auf Basis der IAB-Stellenerhebung finden Sie auf der IAB-Homepage. Hier finden Sie auch regelmäßig aktualisierte Erkenntnisse auf Basis der aktuellen Sonderfragen zu Corona im Rahmen der IAB-Stellenerhebung.

Kubis, Alexander (2020): IAB-Stellenerhebung 3/2020: Zahl der offenen Stellen steigt im dritten Quartal um knapp fünf Prozent, In: IAB-Forum 3. November 2020, https://www.iab-forum.de/iab-stellenerhebung-3-2020-zahl-der-offenen-stellen-steigt-im-dritten-quartal-um-knapp-fuenf-prozent/, Abrufdatum: 28. November 2020