Die Corona-Krise trifft keineswegs alle Regionen gleich stark. Das zeigt eine aktuelle Betriebsbefragung des IAB. So war der Anteil der Betriebe, die negativ von der Corona-Krise betroffen waren, im Oktober 2020 in Baden-Württemberg fast viermal höher als etwa in Sachsen.

Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf den Arbeitsmarkt stellen sich regional unterschiedlich dar, wie verschiedene zuletzt in der Reihe IAB-Regional publizierte Ergebnisse aus Baden-Württemberg, Sachsen sowie den norddeutschen Bundesländern Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zeigen. Inwieweit Betriebe regional unterschiedlich von der Pandemie betroffen sind, ist dagegen bisher noch nicht umfassend untersucht worden.

Da sich Regionen in ihrer Branchen- und Betriebsgrößenstruktur unterscheiden und die Lockdown-Maßnahmen nicht durchgehend einheitlich waren, waren beziehungsweise sind einzelne Regionen nicht gleichermaßen von der Krise betroffen. Dies zeigt eine regelmäßig im Abstand von wenigen Wochen durchgeführte Betriebsbefragung zu den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, deren Ergebnisse auch auf Ebene der zehn Regionaldirektionsbezirke der Bundesagentur für Arbeit (BA) ausgewertet wurden (siehe hierzu den Infokasten „Daten und regionale Einheiten“).

Nachfolgend werden Ergebnisse zu den allgemeinen Auswirkungen sowie zum Einstellungs- und Entlassungsverhalten vorgestellt. Bei der Darstellung der Ergebnisse werden ausgewählte Bezirke farblich hervorgehoben, um die Spannweite der regionalen Unterschiede zu veranschaulichen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass selbst größere Unterschiede im Antwortverhalten nicht zwangsläufig statistisch signifikant sein müssen. Die vollständigen Auswertungen für jeden Regionaldirektionsbezirk stehen interessierten Leserinnen und Lesern auf der IAB-Webseite unter „Aktuelle Daten und Indikatoren“ zur Verfügung.

Betriebe berichten seit dem Herbst von einer steigenden Betroffenheit

Die erste Welle der Befragung wurde im August 2020 durchgeführt. Knapp die Hälfte der bundesweit befragten Betriebe schätze damals die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf ihre Geschäftstätigkeit bis Mitte Mai 2020 als überwiegend negativ ein. 40 Prozent gaben an, entweder gleichermaßen positiv wie negativ oder gar nicht betroffen gewesen zu sein. Die übrigen sieben Prozent hatten von der Pandemie profitiert.

Bis Ende August 2020 ging der Anteil der negativ betroffenen Betriebe auf 40 Prozent zurück. Der Anteil der gar nicht oder gleichermaßen positiv wie negativ betroffenen Betriebe stieg im selben Maße. Ab der fünften Befragungswelle Ende Oktober/Anfang November 2020, als das Infektionsgeschehen wieder an Dynamik gewann und sich erneute Lockdown-Maßnahmen abzeichneten oder zu greifen begannen, nahm der Anteil der negativ betroffenen Betriebe wieder zu. Das galt insbesondere für den Anteil der stark negativ betroffenen Betriebe.

Die regionalen Unterschiede in der Betroffenheit nehmen im Zeitverlauf ab

Im regionalen Vergleich zeigen sich zum Teil deutliche Unterschiede in der Selbsteinschätzung der befragten Betriebe (siehe Abbildung 1). So lag der Anteil der Betriebe, die von negativen Auswirkungen berichteten, im Regionaldirektionsbezirk Rheinland-Pfalz-Saarland in vielen Wellen deutlich niedriger als in den übrigen Bezirken. Der Anteil der positiv betroffenen Betriebe war demgegenüber etwas höher.

Die Abbildung zeigt den Anteil der Betriebe, die von negativen Auswirkungen der Corona-Krise berichten für verschieden Regionaldirektionsbezirke. Im Regionaldirektionsbezirk Rheinland-Pfalz-Saarland war die negative Krisenbetroffenheit in vielen Wellen deutlich niedriger als in den übrigen Bezirken. Deutlich niedriger fiel die negative Betroffenheit auch in Sachsen aus. Demgegenüber waren vor allem Betriebe aus Baden-Württemberg zumindest bis Oktober häufiger von der Krise betroffen als Betriebe in anderen Bundesländern. Im zeitlichen Verlauf fällt auf, dass der Anteil der negativ betroffenen Betriebe in den verschiedenen Bezirken im Mai vergleichsweise ähnlich ausfällt. Bis einschließlich Oktober zeigen sich dagegen größere regionale Diskrepanzen. Ab Ende Oktober 2020 stieg der Anteil der negativ betroffenen Betriebe auch in den zunächst weniger stark betroffenen Bezirken stark an und näherte sich damit dem Bundesdurchschnitt. Quelle: IAB-Betriebsbefragung "Betriebe in der Covid-19-Krise" (Wellen 1-9); © IAB

Deutlich niedriger fiel die negative Betroffenheit auch in Sachsen aus. So gaben Betriebe dort häufiger als im Bundesdurchschnitt an, gar nicht betroffen zu sein. Demgegenüber waren vor allem Betriebe aus Baden-Württemberg zumindest bis Oktober häufiger von der Krise betroffen als Betriebe in anderen Bundesländern.

Im zeitlichen Verlauf fällt auf, dass der Anteil der negativ betroffenen Betriebe in den verschiedenen Bezirken im Mai 2020 vergleichsweise ähnlich ausfällt. Bis einschließlich Oktober zeigen sich dagegen größere regionale Diskrepanzen. Ab Ende Oktober stieg der Anteil der negativ betroffenen Betriebe auch in den zunächst weniger stark betroffenen Bezirken stark an und näherte sich damit dem Bundesdurchschnitt.

Eine Erklärung für dieses Phänomen könnte die Ausgestaltung der Eindämmungsmaßnahmen sein. Diese fielen sowohl in den ersten Monaten der Pandemie und dann wieder ab Herbst 2020 regional ähnlich aus. Somit waren Betriebe in diesen Zeiträumen mit ähnlichen Einschränkungen konfrontiert. So weist die IAB-Datenbank zu den Corona-Eindämmungsmaßnahmen in diesen Zeiträumen einheitliche Einschränkungen auf, die sich mittelbar oder unmittelbar auf die Betriebe ausgewirkt haben können. Diese umfassen die Schließung der Geschäftstätigkeit in verschiedenen Wirtschaftszweigen, Kontaktbeschränkungen und Schulschließungen.

In der großen Mehrheit der Betriebe ist die Beschäftigung stabil geblieben

Von den Ende August beziehungsweise Anfang September 2020 befragten Betrieben gaben 79 Prozent an, in den drei vorangegangenen Wochen weder Personal eingestellt noch entlassen zu haben oder beides in gleichem Umfang getan zu haben. In drei Prozent der Betriebe war es zu mehr Entlassungen als Einstellungen gekommen, während 17 Prozent mehr Personal eingestellt als entlassen hatten.

Im weiteren Verlauf der Pandemie sank jedoch der Anteil der Betriebe, die mehr Personal eingestellt als entlassen haben, sukzessive. Im Februar 2021 lag er lediglich bei neun Prozent. Dieser Rückgang rührt jedoch nicht daher, dass Betriebe häufiger Personal entlassen hätten. Vielmehr stieg der Anteil der Betriebe, die weder eingestellt noch entlassen haben, entsprechend. Er lag im Februar 2021 bei 88 Prozent.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Betriebe nicht in größerem Umfang mit Entlassungen auf die Covid-19-Pandemie reagiert haben. Die Nutzung von Kurzarbeit hat dazu entscheidend beigetragen. Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der Betriebe, welche von Kurzarbeit Gebrauch machen, von etwa 280.000 im August 2020 auf ungefähr 400.000 im Februar 2021 gestiegen.

Bis Herbst 2020 variierte das Einstellungs- und Entlassungsverhalten von Region zu Region relativ stark

Die Ergebnisse der Betriebsbefragung deuten ebenfalls auf regionale Unterschiede beim Einstellungs- und Entlassungsverhalten hin. So bewegte sich der Anteil der Betriebe, die häufiger eingestellt als entlassen haben, Ende August und Anfang September zwischen neun Prozent in Rheinland-Pfalz-Saarland und etwa 20 Prozent in Nordrhein-Westfalen (siehe Abbildung 2). Entsprechend unterschiedlich fielen auch die Anteile der Betriebe mit ausgeglichenem Einstellungs- und Entlassungsverhalten aus, die im ersten Fall bei 88 und im zweiten Fall bei 76 Prozent lagen.

In den im Oktober und November durchgeführten Befragungen zeigen sich ebenfalls noch größere regionale Unterschiede. Demnach haben etwa vier Prozent der Betriebe in Sachsen in diesem Zeitraum mehr Personal eingestellt als entlassen, während dies auf 17 Prozent der Betriebe in Hessen zutrifft.

Ähnlich wie bei den Auswirkungen der Krise auf die Betriebe verringerten sich die regionalen Unterschiede ab Herbst 2020 auch beim Einstellungs- und Entlassungsverhalten deutlich. Hierfür dürfte die Vereinheitlichung der Eindämmungsmaßnahmen ebenfalls ein wichtiger Erklärungsfaktor sein.

Die Abbildung zeigt den Anteil der Betriebe, die häufiger eingestellt als entlassen haben nach Regionaldirektionsbezirken. Diese Anteile lagen Ende August beziehungsweise Anfang September zwischen 9 Prozent in Rheinland-Pfalz-Saarland und etwa 20 Prozent in Nordrhein-Westfalen. Auch in den im Oktober und November durchgeführten Befragungen zeigen sich noch größere regionale Unterschiede. Demnach haben etwa 4 Prozent der Betriebe in Sachsen in diesem Zeitraum mehr Personal eingestellt als entlassen, während dies auf 17 Prozent der Betriebe in Hessen zutrifft. Ab Herbst 2020 verringern sich die regionalen Unterschiede beim Einstellungs- und Entlassungsverhalten deutlich. Quelle: IAB-Betriebsbefragung "Betriebe in der Covid-19-Krise" (Wellen 2-9); © IAB

Fazit

Die bundesweiten Ergebnisse zu den Folgen der Covid-19-Pandemie für die Betriebe spiegeln sich mehr oder weniger stark auf der regionalen Ebene wider. In allen Bundesländern gibt ein beträchtlicher Anteil der Betriebe an, überwiegend negativ von der Pandemie betroffen zu sein. Gleichzeitig hält sich der Anteil der Betriebe, die in der Krise ausschließlich Personal abgebaut haben, in Grenzen. In der Mehrheit der Betriebe halten sich Einstellungen und Entlassungen im Großen und Ganzen die Waage. Dass Betriebe nicht in größerem Umfang Personal abgebaut haben, ist nicht zuletzt auf den Einsatz von Kurzarbeit zurückzuführen.

Sowohl bei den allgemeinen Auswirkungen der Pandemie als auch in Bezug auf Einstellungen und Entlassungen scheinen die regionalen Unterschiede im Laufe des zweiten Lockdowns geringer geworden zu sein. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Eindämmungsmaßnahmen Teil eines bundesweiten Lockdowns sind, der nunmehr auch diejenigen Bundesländer hart trifft, die zuvor vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen waren.

Vor allem während der Sommermonate zeigen sich zwischen den Regionen jedoch größere Unterschiede in den Auswirkungen der Pandemie. Eine mögliche Erklärung für diese Unterschiede sind beispielsweise die regionalen Wirtschafts- und Betriebsgrößenstrukturen. Dies legt eine Untersuchung zu den regionalen Unterschieden beim pandemiebedingten Anstieg der Arbeitslosigkeit nahe, die als IAB-Forschungsbericht 15/2020 publiziert wurde. Künftige Studien sollten sich verstärkt mit der Frage auseinandersetzen, welchen Einfluss welche Faktoren für die regionalen Unterschiede in der betrieblichen Krisenbetroffenheit haben.

Daten und regionale Einheiten

Seit Sommer 2020 erhebt das IAB im Rahmen der Befragung „Betriebe in der Covid-19-Krise“ regelmäßig Daten zur betrieblichen Betroffenheit durch die Covid-19-Pandemie. Dabei wird in Abständen von etwa drei Wochen eine Stichprobe von etwa 1.500 bis 2.000 Betrieben befragt. Die befragten Betriebe sind repräsentativ für die privatwirtschaftlichen Betriebe Deutschlands mit mindestens einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Kernergebnisse der Befragung werden auf der Webseite des IAB zur Verfügung gestellt.

Für die regionale Differenzierung wurden in diesem Beitrag die Regionaldirektionsbezirke der Bundesagentur für Arbeit verwendet. Diese Bezirke entsprechen Bundesländern oder setzen sich in manchen Fällen aus mehreren Bundesländern zusammen (Berlin-Brandenburg; Niedersachsen-Bremen; Nord: Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein; Rheinland-Pfalz-Saarland; Sachsen-Anhalt-Thüringen). Die Regionaldirektionsbezirke erlauben einerseits eine räumlich differenzierte Auswertung und stellen zum anderen sicher, dass pro Bezirk eine ausreichende Zahl an Betrieben vorliegt, um belastbare Aussagen zu treffen.

Literatur

Bellmann, Lutz; Kagerl, Christian; Koch, Theresa; König, Corinna; Leber, Ute; Schierholz, Malte; Stegmaier, Jens; Aminian, Armin (2020): Was bewegt Arbeitgeber in der Krise? Eine neue IAB-Befragung gibt Aufschluss. In: IAB-Forum, 25.09.2020.

Böhme, Stefan; Burkert, Carola; Carstensen, Jeanette; Eigenhüller, Lutz; Niebuhr, Annekatrin; Roth, Duncan; Sieglen, Georg; Wiethölter, Doris (2020): Die Bedeutung der regionalen Wirtschaftsstruktur für die Arbeitsmarkteffekte der Corona-Pandemie – Eine erste Einschätzung, IAB-Forschungsbericht Nr. 15.

Buch, Tanja; Niebuhr, Annekatrin; Stöckmann, Andrea (2021): Der coronabedingte Anstieg der Arbeitslosigkeit in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg, IAB-Regional, IAB Nord, Nr. 1.

Faißt, Christian; Hamann, Silke; Jahn, Daniel (2021): Der coronabedingte Anstieg der Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg, IAB-Regional, IAB Baden-Württemberg, Nr. 1.

Kindt, Anna-Maria; Lawitzky, Corinna; Sujata, Uwe; Weyh, Antje (2021): Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Sachsen in Zeiten der Corona-Pandemie, IAB-Regional, IAB Sachsen, Nr. 1.

Bellmann, Lutz; Gleiser, Patrick; Kagerl, Christian ; Kleifgen, Eva; Koch, Theresa; König, Corinna ; Leber, Ute; Pohlan, Laura; Roth, Duncan; Schierholz, Malte ; Stegmaier, Jens; Aminian , Armin (2021): Folgen der Covid-19-Pandemie für die regionalen Arbeitsmärkte: Die Unterschiede nehmen im Zeitverlauf ab, In: IAB-Forum 20. April 2021, https://www.iab-forum.de/folgen-der-covid-19-pandemie-fuer-die-regionalen-arbeitsmaerkte-die-unterschiede-nehmen-im-zeitverlauf-ab/, Abrufdatum: 4. August 2021