Zwar erholte sich die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal 2020 deutlich. Doch angesichts steigender Corona-Infektionszahlen  haben etliche europäische Länder wieder weitreichende Eindämmungsmaßnahmen beschlossen. Diese Entwicklung und insbesondere die Maßnahmen in Deutschland im November werden voraussichtlich zu einer Schrumpfung des deutschen Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal führen.

Im letzten Monat deutete vieles noch auf eine andauernde Erholung der Wirtschaft in der Bundesrepublik, aber auch weltweit hin. Nun lässt die Dynamik des Aufholprozesses am aktuellen Rand nach. Angesichts rasant steigender Infektionszahlen hat die Politik einen neuen Teil-Lockdown im November beschlossen. Bis auf den Einzelhandel sind die Dienstleistungsbereiche des öffentlichen Lebens breit betroffen. Der massive umfassende Wirtschaftseinbruch aus dem Frühjahr dürfte sich aber nicht wiederholen. So liegen jetzt bereits viele Erfahrungen vor, es gibt eine klare zeitliche Begrenzung, und nach Aufhebung der Eindämmungsmaßnahmen kann zumindest in Teilen eine relativ zügige Gegenbewegung erwartet werden. Die Reserven vieler Betriebe sind allerdings bereits stark strapaziert. Deshalb ist es essenziell, dass die staatlichen Hilfsmaßnahmen nochmals ausgeweitet werden. Für den Arbeitsmarkt wird es kurzfristig einen Rückschlag geben.

Weltwirtschaft

Der Erholungskurs der Weltwirtschaft wird durch global steigende Infektionszahlen und damit verbundene Eindämmungsmaßnahmen beeinträchtigt.  Die Indikatoren zur aktuellen Lage erholen sich zwar im Oktober erneut etwas, bleiben aber noch immer unterdurchschnittlich. Hinzu kommt, dass sich die Aussichten auf die nächsten sechs Monate am aktuellen Rand wieder eintrüben. Zusätzlich belastet werden die Konjunkturaussichten insbesondere im Vereinigten Königreich durch die ausstehenden Verhandlungen über ein Handelsabkommen mit der EU.

Außenhandel

Auch wenn der Außenhandel im dritten Quartal 2020 wieder ordentlich zulegte, ist er noch immer geschwächt. Zwar nehmen sowohl Exporte als auch Importe am aktuellen Rand weiter zu, erreichen aber noch lange nicht das Vorkrisenniveau. Abwärtsrisiken entstehen durch die weltweit steigenden Infektionszahlen. Produktions- und Nachfrageausfälle sowie Lieferengpässe durch Eindämmungsmaßnahmen in mehreren Ländern können den Erholungsprozess deutlich stören.

Investitionen

Bei den Investitionen fand ebenfalls eine Erholung im dritten Quartal statt. Allerdings befinden sich sowohl die Auftragseingänge als auch die Umsätze der Investitionsgüterproduzenten noch immer unter Vorkrisenniveau. Der Indikator zur Bewertung der aktuellen Lage der Investitionsgüterproduzenten bleibt negativ, folgt diesen Monat aber weiter seinem Aufwärtstrend. Der Indikator zu den Erwartungen an die kommenden Monate liegt über den Werten zu Beginn des Jahres, sinkt allerdings am aktuellen Rand.

Es bleibt abzuwarten, inwieweit zusätzliche Unsicherheit durch die Infektionsentwicklung und die neuerlichen Eindämmungsmaßnahmen die Investitionen beeinträchtigt. Das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe, das seit dem Einbruch im April wieder moderat stieg, erfährt im Oktober ebenfalls einen Dämpfer. Die Entwicklung des Auftragseingangs im Bauhauptgewerbe deutet insgesamt eine gewisse Abkühlung der Baukonjunktur seit Beginn der Krise an, auch wenn dieser im August wieder zunahm.

Konsum

Der Konsum trug maßgeblich zur Erholung im dritten Quartal bei. Die Umsätze im Einzelhandel, die bereits seit Mai wieder deutlich gestiegen sind, konnten im August noch einmal zule-gen. Der Staatskonsum wird vermutlich ebenso stützend gewirkt haben. Das Konsumklima, das im September bereits einknickte, erholt sich auch im Oktober nicht. Dies spiegelt sich ebenfalls in den Konjunkturerwartungen der Konsumgüterhersteller. Diese blicken pessimistischer in die Zukunft. Ursache waren wahrscheinlich bereits die steigenden Infektionszahlen, denn experimentelle Daten zeigen, dass die Unsicherheit in der Bevölkerung wieder zunahm: Insbesondere der Absatz ausgewählter Hygieneartikel und Lebensmittel ist im Oktober teils kräftig gestiegen. Im November wird der private Konsum angesichts der Eindämmungsmaßnahmen deutlich zurückgehen.

Arbeitsmarkt

Die Situation am Arbeitsmarkt verbessert sich diesen Monat abermals. Beschäftigung und Arbeitslosigkeit sind aber nach wie vor weit entfernt vom Vorkrisenniveau. Die sozialversiche-rungspflichtige Beschäftigung nimmt zu. Die Arbeitslosigkeit sinkt diesen Monat etwas kräftiger als noch in den Vormonaten. Die Unterbeschäftigung, die unter anderem Personen in Maßnahmen berücksichtigt, sinkt ebenfalls. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der neuerlichen Eindämmungsmaßnahmen werden allerdings auch den Arbeitsmarkt treffen. Auch wenn dieser relativ robust bleibt, könnten in der Folge über 100.000 Jobs kurzfristig verloren gehen. Die Zahl der Kurzarbeiter wird wieder deutlich steigen.

Bauer, Anja; Weber, Enzo (2020): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Oktober 2020, In: IAB-Forum 29. Oktober 2020, https://www.iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-oktober-2020/, Abrufdatum: 28. November 2020