Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal 2021 preis-, saison- und kalenderbereinigt um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die wirtschaftliche Aktivität erholte sich damit etwas schwächer als im zweiten Quartal. Der Aufschwung wird immer noch von Lieferengpässen gebremst. Erschwerend hinzu kommen nun Einschränkungen aufgrund der vierten Corona-Welle. Das verlangsamt auch die Erholung am Arbeitsmarkt. Dieser dürfte dennoch insgesamt robust durch die neue Corona-Welle kommen.

Weltwirtschaft

Das außenwirtschaftliche Umfeld erholte sich im dritten Quartal langsamer als noch im Quartal zuvor, da in vielen Bereichen Lieferengpässe die Entwicklung bremsten. Hinzu kommen nun Unsicherheiten wegen Einschränkungen infolge der vierten Corona-Welle. Die Europäische Union konnte zwar mit einem Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent etwas stärker zulegen als im Vorquartal. Aber die Wirtschaft der USA ist nur um 0,5 Prozent gewachsen. Die Volksrepublik China verzeichnete nur noch ein Wachstum von 0,2 Prozent. Die Indikatoren zur Einschätzung der aktuellen Lage für die Eurozone und für China haben sich erneut verschlechtert. Der Ausblick auf die nächsten sechs Monate hat sich in diesen beiden Regionen aber leicht erholt. In den USA sind sowohl die Lage als auch die Erwartungen unverändert.

Außenhandel

Der deutsche Außenhandel hat sich im dritten Quartal abgeschwächt. Der Export sank preis-, saison- und kalenderbereinigt um 1,0 Prozent. Der Import sank um 0,6 Prozent.  Dennoch ist der Außenhandel deutlich kräftiger als im Vorjahr: Der Export lag 5,5 Prozent, der Import fast 9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Exporterwartungen der Industrie haben sich nach einer Verschlechterung im Oktober wieder etwas verbessert.

Investitionen

Die Investitionen sind im dritten Quartal um 2,2 Prozent zurückgegangen. Die Lage hat sich dabei je nach Bereich unterschiedlich entwickelt. So sanken die Investitionen in Ausrüstung um 3,7 Prozent und die Bauinvestitionen um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Investitionen in sonstige Anlagen sind dagegen um 0,9 Prozent gestiegen. Die Auftragseingänge der Investitionsgüterproduzenten liegen bereits seit dem Frühjahr über dem Vorkrisenniveau und sind zuletzt noch einmal etwas gestiegen. Ihre Umsätze werden aber immer noch durch Lieferschwierigkeiten gedämpft. Sie liegen unter dem Vorkrisenniveau und sind zuletzt leicht gesunken. Unterschiedlich stellen sich auch die Stimmungsindikatoren dar: Die Investitionsgüterproduzenten schätzen ihre aktuelle Lage wieder etwas schlechter ein. Ihre Erwartungen für die kommenden Monate haben sich dennoch verbessert. Im Bauhauptgewerbe dagegen hat sich die Beurteilung der Lage etwas gebessert, die Erwartungen haben sich aber nach einer mehrmonatigen Verbesserung wieder etwas verschlechtert.

Konsum

Der stärkste Wachstumsimpuls ging im dritten Quartal vom Konsum aus. Der Staatskonsum ging zwar um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück, die privaten Konsumausgaben dagegen stiegen um 6,2 Prozent. Im Sommer hatte sich das Hotel- und Gastgewerbe gegenüber dem Frühjahr kräftig erholt. Die Übernachtungszahlen haben im September das Vorkrisenniveau fast wieder erreicht. Der Gastgewerbeumsatz ist allerdings im September wieder leicht (um 3,5 Prozent) gegenüber dem Vormonat gesunken. Der Einzelhandelsumsatz ist im September real leicht gesunken, liegt aber fast auf dem Vorjahresniveau. Die Geschäftslage im Einzelhandel hat sich nach einem Rückgang im Vormonat etwas erholt, die Erwartungen wurden aber pessimistischer. Auch das Konsumklima bleibt gedämpft und hat sich aktuell noch einmal eingetrübt. Neuerliche gravierende Eindämmungsmaßnahmen würden den Konsum deutlich schwächen.

Arbeitsmarkt

Die Situation am Arbeitsmarkt verbessert sich in diesem Monat erneut. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nimmt zu. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit setzt sich fort, ebenso wie der Rückgang der Unterbeschäftigung, die unter anderem auch Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen umfasst. Der Bestand an gemeldeten offenen Stellen steigt nochmals. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer sinkt aber zum dritten Mal in Folge. Der Rückgang ist dabei mit 0,8 Punkten kleiner als zuletzt. Der Ausblick bleibt mit 104,0 Punkten weiter positiv. Ein größerer Rückschlag am Arbeitsmarkt in der vierten Corona-Welle wird nicht erwartet.

 

Gartner, Hermann; Weber, Enzo (2021): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – November 2021, In: IAB-Forum 30. November 2021, https://www.iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-november-2021/, Abrufdatum: 20. Januar 2022