Nach einem Monat Lockdown-Light zeigt sich, dass die Wirtschaft zwar nicht so gravierend einbricht wie im Frühjahr, aber dennoch: Jede Woche im Lockdown lässt das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um drei Zehntel schrumpfen. Der Arbeitsmarkt blieb davon bislang unberührt. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg im November, während die Arbeitslosigkeit sank.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP)stieg preis-, saison- und kalenderbereinigt im dritten Quartal 2020 um kräftige 8,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal, bleibt aber im Vorkrisenvergleich noch immer um gut 4 Prozent zurück.  Der seit Anfang November bestehende Lockdown sowie die jüngst zusätzlich beschlossenen Maßnahmen werden die Konjunkturdynamik im vierten Quartal erneut dämpfen. Auch wenn die Wirtschaftstätigkeit lange nicht so gravierend einbricht wie im Frühjahr, dürften jede Woche Lockdown drei Zehntel Prozent des BIP im vierten Quartal kosten. Die Reserven vieler Betriebe sind bereits stark strapaziert. Deshalb sind die staatlichen Hilfsmaßnahmen essenziell. Der Arbeitsmarkt dürfte insgesamt relativ robust bleiben, dennoch belastet die weltweite zweite Corona-Welle die Erholung.

Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft erholte sich im dritten Quartal spürbar. Die Europäische Union (EU) konnte um 11,6 Prozent, die USA um 7,4 Prozent und die Volksrepublik China, die bereits im zweiten Quartal ein zweistelliges Wachstum erreichte, immerhin noch um 2,7 Prozent zulegen. Im vierten Quartal wird sich dieser starke Aufwärtstrend durch global steigende Infektionszahlen und damit verbundene Eindämmungsmaßnahmen allerdings nicht fortsetzen. Die Indikatoren zur Einschätzung der aktuellen Lage verharren im negativen Bereich, der Konjunkturausblick trübt sich global ein.

In den USA verbesserte sich nach den Wahlen der Indikator zur Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage. Der Indikator für den Konjunkturausblick im Vereinigten Königreich liegt knapp unter der Nulllinie, was auch den ausstehenden Verhandlungen über ein Handelsabkommen mit der EU geschuldet sein dürfte.

Außenhandel

Der Außenhandel erholte sich im dritten Quartal ebenfalls deutlich. Der Export nahm, preis-, saison- und kalenderbereinigt um satte 18,1 Prozent zu. Der Import legte ebenfalls kräftig um 9,1 Prozent zu. Dennoch ist der Außenhandel noch immer geschwächt. Trotz der starken Gegenbewegung im Vergleich zum zweiten Quartal liegen sowohl der Export als auch der Import mehr als 9 Prozent unter Vorjahresniveau. Die Exporterwartungen der Industrie, die schon im Oktober nachgaben, verschlechterten sich diesen Monat abermals. Der Indikator liegt nun im negativen Bereich. Der Export gerät durch die Eindämmungsmaßnahmen in einer Vielzahl europäischer Länder stark unter Druck.

Investitionen

Bei den Investitionen deutet sich insgesamt ebenfalls eine Erholung an. Diese ist jedoch ungleich verteilt: Während die Investitionen in Ausrüstung einen Anstieg von 16 Prozent verzeichneten, sanken die Bauinvestitionen sogar um 2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Umsätze und Auftragseingänge der Investitionsgüterproduzenten liegen noch unter dem Vorkrisenniveau. Die Investitionsgüterproduzenten schätzen zwar ihre aktuelle Lage etwas weniger pessimistisch ein, sind in ihren Erwartungen an die konjunkturelle Entwicklung jedoch weniger optimistisch. Im Bauhauptgewerbe hat der Geschäftsklimaindex erneut nachgegeben. Folglich werden auch die Investitionen durch die Unsicherheit im Hinblick auf die weiteren Corona-Eindämmungsmaßnahmen belastet.

Der stärkste Wachstumsimpuls ging vom Konsum aus. Der Staatskonsum legte um 0,8 Prozent zu und wirkte damit erneut stabilisierend. Die privaten Konsumausgaben stiegen im Zuge von Aufholprozessen sogar um 10,8 Prozent.  Angesichts der neuerlichen Eindämmungsmaßnahmen wird der private Konsum im vierten Quartal voraussichtlich wieder zurückgehen. Besonders die Tourismusbranche, die Gastronomie sowie die Veranstaltungsbranche und andere kultur- und freizeitbezogene Dienstleistungsbranchen sind massiv beeinträchtigt. Das Konsumklima bleibt gedämpft und gibt am aktuellen Rand noch einmal nach.

Arbeitsmarkt

Am Arbeitsmarkt zeichnete sich im November noch kein Einbruch ab. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm zu und die Arbeitslosigkeit sank. Allerdings meldeten sich mehr Personen, die (noch) am ersten Arbeitsmarkt beschäftigt sind, arbeitsuchend, und die Meldungen neuer Stellen gingen zurück. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer steigt trotz des Lockdowns und befindet sich mit 100,5 Punkten auf einem leicht positiven Niveau. Der Arbeitsmarkt dürfte insgesamt relativ robust bleiben.

Dazu tragen auch die Stützungsmaßnahmen für die Betriebe, ihre jetzt bereits vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise und die Perspektive auf einen Impfstoff bei. Dennoch belastet die weltweite zweite Corona-Welle die wirtschaftliche Erholung. Zugleich stellen die Transformationsprozesse in der Wirtschaft große Herausforderungen dar. Beschäftigung und Arbeitslosigkeit sind nach wie vor weit entfernt vom Vorkrisenniveau. Die Zahl der Kurzarbeiter dürfte in den vom Lockdown betroffenen Bereichen wieder deutlich steigen.

Bauer, Anja; Weber, Enzo (2020): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – November 2020, In: IAB-Forum 1. Dezember 2020, https://www.iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-november-2020/, Abrufdatum: 2. August 2021