Die deutsche Wirtschaftsleistung bricht durch die Corona-Pandemie ein. War im Januar noch etwas konjunktureller Aufwind zu spüren, so wurden im Februar Lieferketten durch den Produktionsrückgang in China stark beeinträchtigt. Im März kam das öffentliche Leben hierzulande immer weiter zum Stillstand. Dies hinterlässt deutliche Spuren in allen Bereichen der Wirtschaft. Die Vorlaufindikatoren lassen schwere Zeiten erwarten. Sowohl der Geschäftsklimaindex als auch das Arbeitsmarktbarometer verzeichnen bisher noch nie gesehene Rückgänge.

Außenwirtschaftliches Umfeld

Die Weltwirtschaft erfährt einen starken Dämpfer, da mehrere große Handelsnationen gleichzeitig Maßnahmen ergreifen, die nicht nur das Tempo der Virusausbreitung drosseln, sondern auch die Konjunktur. Eindämmungsmaßnahmen weltweit führen zu Ausfällen in der Produktion und damit zu Beeinträchtigungen der Lieferketten und massiven Einschränkungen im Außenhandel. Die Unsicherheiten über den weiteren Fortgang, insbesondere über länger andauernde Einschränkungen, nehmen zu und trüben auch die Konjunkturerwartungen im nächsten halben Jahr.

Exporte

Da das Virus den Außenhandel in einer globalen Schwächephase getroffen hat, werden im ersten Quartal Rückgänge von Import und Export erwartet. Nach einem starken Januar brachen Importe und Exporte im Februar ein, da Vorprodukte, Teile oder komplette Erzeugnisse für die Weiterverarbeitung aus China fehlten. Im März kam es in vielen Ländern zu einem  „Lockdown“, der die Warenflüsse noch stärker beeinträchtigt. Dies spiegelt sich auch in den Exporterwartungen im Verarbeitenden Gewerbe wider, die wieder in den negativen Bereich abgerutscht sind.

Investitionen

Auch die Investitionen werden aufgrund des Corona-Virus zurückgefahren. Hier spielt die Unsicherheit über die weitere Entwicklung und Ausbreitung die ausschlaggebende Rolle, denn sie führt zu einem Herauszögern der Investitionsentscheidungen der Unternehmen. Die Indikatoren zur Einschätzung der Investitionsgüterproduzenten hinsichtlich ihrer aktuellen und zukünftigen Lage fallen drastisch. Das Geschäftsklima der Unternehmen im Bauhauptgewerbe trübt sich ebenfalls ein, wenngleich etwas weniger stark.

Konsum

Der Konsum, der im vergangenen Jahr der Wachstumstreiber des Bruttoinlandsprodukts war, wird momentan enorm gebremst. Die Schließung von zahlreichen Geschäften und öffentlichen Einrichtungen, die Aussetzung von Konzerten, Messen und anderen Großveranstaltungen sowie der Einbruch im Tourismus und im Gastgewerbe wirken zum Ende des Quartals stark negativ auf den Konsum. Lediglich der Lebensmitteleinzelhandel, Apotheken und Drogerien erfahren durch „Hamsterkäufe“ momentan eine überdurchschnittliche Konsumnachfrage. Unsicherheiten im Hinblick auf die Entwicklung am Arbeitsmarkt führen zusätzlich zur Kaufzurückhaltung der Konsumenten. Der Konsumklimaindex fällt im März merklich. Ein Einbruch des Konsums wird daher bereits im abgelaufenen Quartal sichtbar.

Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt befand sich im März noch in guter Verfassung. Insgesamt stagnierte die Zahl der Arbeitslosen, die Beschäftigung wuchs noch. Die Zahlen spiegeln die Ausbreitung des Corona-Virus in Deutschland stichtagsbedingt noch nicht wider. Die konjunkturnähere Arbeitslosigkeit im Rechtskreis des SGB III verzeichnete einen deutlichen Anstieg, was dem Druck durch die Beeinträchtigung des Außenhandels auf die bereits schwache Industrie geschuldet sein könnte. Der Ausblick auf die kommenden Monate lässt erwarten, dass der Arbeitsmarkt stark unter Spannung gerät. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer verzeichnete im März den stärksten Rückgang seit seinem Bestehen. Sowohl die Beschäftigungskomponente als auch die Komponente der Arbeitslosigkeit geben stark nach.

 

Bauer, Anja; Weber, Enzo (2020): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – März 2020, In: IAB-Forum 31. März 2020, https://www.iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-maerz-2020/, Abrufdatum: 10. August 2020