Auch wenn die aktuelle wirtschaftliche Lage immer noch schlecht bewertet wird, deuten die Zeichen auf eine vorsichtige Erholung hin. Die für Deutschland so wichtigen Exporterwartungen erholen sich etwas. Vor allem die Automobil- und die Pharmabranche erwarten in den kommenden Monaten ein Exportplus. Und auch im durch die Corona-Maßnahmen schwer in Mitleidenschaft gezogenen Konsumbereich sind erste Anzeichen einer Erholung zu spüren.

Im zweiten Quartal 2020 wird das Bruttoinlandsprodukt noch einmal deutlich einbrechen, auch wenn die deutsche Wirtschaft den Tiefpunkt der Rezession mittlerweile überwunden hat. Bei den Vorlaufindikatoren deutete sich bereits im letzten Monat eine Erholung an, die sich diesen Monat fortsetzt. Vom Vorkrisenniveau sind die Werte gleichwohl noch weit entfernt. Die Zahl der Arbeitslosen ist diesen Monat zwar gestiegen, aber weit weniger stark als noch im Vormonat.

Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft befindet sich aufgrund der Corona-Krise in einer globalen Rezession. Allmählich setzt jedoch nicht nur in Deutschland, sondern auch im Rest Europas eine Erholung ein. Zwar wird die aktuelle Lage noch immer sehr schlecht bewertet, aber der Ausblick in die Zukunft ist wieder optimistischer. Diese Entwicklung ist auch in den USA zu beobachten. In China bleibt die industrielle Produktion noch immer leicht unter Vorkrisenniveau, auch wenn sich das Geschäftsklima und die Neuaufträge wieder einpendeln.

Außenhandel

Der Außenhandel ist im zweiten Quartal massiv beeinträchtigt. Nach dem Einbruch der Exporte im März stürzten diese im April noch stärker ab. Auch die Importe gingen deutlich zurück. Gleiches gilt für die Auftragseingänge und den Produktionsindex. Beide Werte waren im April enorm gesunken. Am aktuellen Rand erholen sich die Exporterwartungen zwar erneut etwas, der Indikator liegt aber noch immer im Minus. Daher kann noch nicht mit Exportzuwächsen in allen Wirtschaftsbereichen gerechnet werden. Lediglich die Automobil- und die Pharmabranche erwarten in den kommenden Monaten ein Exportplus.

Investitionen

Die Entwicklung bei den Investitionen wird auch im zweiten Quartal zweigeteilt bleiben. Die Umsätze der Investitionsgüterproduzenten sind im April nochmals stark eingebrochen und lagen damit etwa 50 Prozent niedriger als noch im Februar. Auch die Geschäftslage wird weiterhin sehr schlecht bewertet. Lediglich die Erwartung an die zukünftige Entwicklung konnte sich im Juni etwas aufhellen. Obwohl auch die Baubranche von der Corona-Pandemie betroffen ist, zeigt sich dieser Bereich etwas robuster. Die Bauproduktion ist im April um 4,1 Prozent zurückgegangen. Zwar wird die konjunkturelle Lage von den Unternehmen des Bauhauptgewerbes noch schlecht eingeschätzt, sie befindet sich aber auf dem aufsteigenden Ast.

Konsum

Auch wenn der Konsum im Zuge der Lockerung wiederbelebt wurde, ist im zweiten Quartal ein markanter Einbruch zu erwarten. Die Umsätze im Einzelhandel sind im April durch die Eindämmungsmaßnahmen um 5,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken. Der Umsatz im Gastgewerbe, das die Bereiche Beherbergung und Gastronomie umfasst, brach um über 50 Prozent ein. Im Juni sind aber auch beim Konsum erste Anzeichen einer Erholung zu spüren. Die Konsumgüterproduzenten beurteilen die Geschäftslage und die künftige Entwicklung weit weniger pessimistisch als noch im Vormonat.  Und auch das Konsumklima, das aufgrund der steigenden Zahlen für Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit weit ins Minus gerutscht ist, erholt sich. Dennoch ist das Niveau sehr niedrig.

Arbeitsmarkt

Auch am Arbeitsmarkt wird der Aufwind sichtbar. Zwar stieg die Arbeitslosigkeit auch diesen Monat noch deutlich an, aber weit weniger stark als noch im April und Mai. Ausbleibende Ab-gänge aus Arbeitslosigkeit in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen spielen kaum noch eine Rolle. Vielmehr ist es schwierig, die Arbeitslosigkeit zu verlassen, denn der Bestand offener Stellen sinkt weiter, auch wenn die Rückgänge geringer werden. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer konnte zum zweiten Mal in Folge zulegen und weist einen Stand von 94,6 Punkten aus. Damit ist auch in den nächsten Monaten mit weniger starken Verschlechterungen der Arbeitsmarktzahlen zu rechnen. Angesichts der Dimension des wirtschaftlichen Schocks zeigt sich die Arbeitsmarktentwicklung damit verhältnismäßig robust.

Bauer, Anja; Weber, Enzo (2020): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Juni 2020, In: IAB-Forum 1. Juli 2020, https://www.iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-juni-2020/, Abrufdatum: 27. September 2020