Die Covid-19-Pandemie hinterließ 2020 starke Spuren in der deutschen Wirtschaft: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im vergangenen Jahr preis- und kalenderbereinigt um 5,3 Prozent. Im ersten Halbjahr ging die Wirtschaftsleistung massiv zurück. Im Sommer gab es eine kräftige Gegenbewegung, die aber seit Herbst durch einen starken Anstieg der Infektionszahlen und die damit einhergehenden Eindämmungsmaßnahmen gestoppt wurde. Der aktuelle Lockdown führt pro Woche zu Verlusten von 0,4 Prozent der in einem Quartal erbrachten Wirtschaftsleistung. Die Wirkungen sind aber deutlich begrenzter als im ersten Lockdown. Angesichts der weltweit angelaufenen Impfungen dürfte die Wirtschaftsleistung im Anschluss wieder kräftig anziehen. Auch wenn sich der Arbeitsmarkt bisher relativ robust zeigt, beeinträchtigt die weltweite zweite Corona-Welle aktuell auch hier die Erholung.

Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft leidet unter der zweiten Welle der Covid-19-Pandemie und den damit verbundenen Eindämmungsmaßnahmen. Global wird die aktuelle gesamtwirtschaftliche Lage weiterhin negativ bewertet. Allerdings verbessern sich infolge des Impfbeginns die Konjunkturerwartungen. Trotz des im Dezember erzielten Handelsabkommens zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäische Union kam es im Januar aufgrund aufwendiger Grenzkontrollen und umfangreicher Formalitäten zu Hemmnissen im gegenseitigen Waren- und Dienstleistungsverkehr.

Außenhandel

Besonders stark traf die Covid-19-Pandemie den deutschen Außenhandel.  Der Export gab 2020 mit einem Minus von 9,9 Prozent massiv nach. Der Import sank ebenfalls kräftig um 8,6 Prozent. Die Exporterwartungen der Industrie hellten sich im Januar 2021 aber nochmals auf und liegen nunmehr im positiven Bereich. Im November konnten Import und Export wieder etwas stärker zulegen. Sowohl die Auftragseingänge als auch der Produktionsindex sind im November weiter gestiegen. Allerdings trübte sich am aktuellen Rand der Geschäftsklimaindex insgesamt wieder etwas ein.

Investitionen

Auch die Investitionen wurden 2020 in Mitleidenschaft gezogen. In Ausrüstungen wurden 12,5 Prozent weniger investiert als im Vorjahr. Die Investitionen in sonstige Anlagen gingen um 1,1 Prozent zurück. Lediglich die Bauinvestitionen legten um 1,5 Prozent zu. Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage der Investitionsgüterproduzenten hat sich im Januar 2021 etwas aufgehellt, die Erwartungen an die Konjunktur haben sich aber etwas verschlechtert. Im Bauhauptgewerbe trübte sich das Geschäftsklima erneut ein.

Konsum

Der Konsum ist ebenfalls deutlich vom konjunkturellen Einbruch betroffen und wird weiter stark durch das Infektionsgeschehen bestimmt. Im Vorjahresvergleich brachen die privaten Konsumausgaben 2020 preisbereinigt um 6,0 Prozent ein und damit so stark wie noch nie. Der Staatskonsum stieg preisbereinigt um 3,4 Prozent und wirkte damit stabilisierend. Besonders die Tourismusbranche, die Gastronomie sowie die Veranstaltungsbranche und andere kultur- und freizeitbezogene Dienstleistungen, aber auch der stationäre Einzelhandel, Friseursalons und Kosmetikstudios spüren die Folgen des Lockdowns. Auch darüber hinaus bleibt das Konsumklima gedämpft, die Sparneigung steigt. Zwar gewährt die Bundesregierung umfangreiche Stützungspakete, das Risiko zusätzlicher Insolvenzen im Jahr 2021 bleibt aber hoch – auch wenn eine regelrechte Insolvenzwelle eher nicht zu erwarten ist.

Arbeitsmarkt

Im Jahr 2020 zeigten sich die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf den Arbeitsmarkt insbesondere in der ersten Jahreshälfte. Die Zahl der Personen in Kurzarbeit stieg massiv. Zugleich sank die Zahl der Beschäftigten, während die Zahl der Arbeitslosen zunahm. Am aktuellen Rand ist die Entwicklung noch relativ robust. Die Arbeitslosigkeit ist erneut gesunken, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm im November noch einmal zu. Dennoch sind Beschäftigung und Arbeitslosigkeit nach wie vor weit entfernt vom Vorkrisenniveau. Die Zahl der Beschäftigten in Kurzarbeit steigt wieder deutlich, wenn auch weniger drastisch als im Frühjahr. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer sank im Januar 2021 um 0,4 Punkte auf einen Stand von 100,2 und signalisiert damit, dass trotz der Eintrübung nicht mit einem starken Einbruch zu rechnen ist. Dazu tragen nicht nur die Stützungsmaßnahmen für die Betriebe und die mittlerweile vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise bei, sondern auch die mittlerweile angelaufenen Impfungen.

Bauer, Anja; Weber, Enzo (2021): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Januar 2021, In: IAB-Forum 29. Januar 2021, https://www.iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-januar-2021/, Abrufdatum: 15. Juni 2021