Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist 2018 nach vorläufigen Ergebnissen um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Damit hat sich das Wachstum insbesondere in der zweiten Jahreshälfte  zum Vorjahr relativ deutlich abgeschwächt. Hierbei spielten auch Sondereffekte eine Rolle. Im aktuellen Jahr dürfte die Entwicklung insgesamt verhaltener verlaufen als im Durchschnitt des vorherigen Jahres. Dazu tragen insbesondere weltwirtschaftliche Unsicherheiten durch den Brexit und die internationale Handelspolitik bei. Auch das langsamere Wachstum in China dürfte Spuren in der deutschen Exportwirtschaft hinterlassen.  Der Arbeitsmarkt bleibt robust gegenüber der konjunkturellen Abschwächung und setzt seinen Aufschwung fort.

Außenwirtschaftliches Umfeld

Das zuletzt verhaltenere Wachstum ist nicht auf Deutschland beschränkt, sondern betrifft die gesamte Weltwirtschaft. In den USA schwächte die wochenlange öffentliche Haushaltssperre die Entwicklung. In Europa nimmt die Sorge über einen ungeregelten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union zu. Zudem führt die steigende Staatsverschuldung in Italien gepaart mit einer schwachen wirtschaftlichen Entwicklung zu Befürchtungen über eine neue Finanzkrise.

Exporte

2018 nahmen die deutschen Exporte um 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Damit hat sich die Expansion im Vergleich zu einem Plus von 4,6 Prozent im Vorjahr deutlich verlangsamt. Die Importe legten um 3,4 Prozent zu (nach 4,8% im Vorjahr). Rechnerisch dämpfte der Außenbeitrag das BIP-Wachstum somit leicht um 0,2 Prozentpunkte. Im Verarbeitenden Gewerbe trüben sich die Exporterwartungen aufgrund der weltwirtschaftlichen Unsicherheiten zunehmend ein. Dies ist ein Indikator dafür, dass die Entwicklung im laufenden Jahr weiter eher verhalten ausfallen dürfte.

Investitionen

Die Investitionen konnten 2018 um ordentliche 3,0 Prozent zulegen. Insbesondere die Ausrüstungsinvestitionen profitierten mit einem Anstieg von 4,5 Prozent, die Bauinvestitionen nahmen um 3,0 Prozent zu. Diese Entwicklung bei den Investitionen ist das Resultat der hohen Kapazitätsauslastung der deutschen Wirtschaft nach dem nunmehr neun Jahre andauernden Aufschwung. Die Finanzierungsbedingungen sind günstig. Dies dürfte nach jüngsten Ankündigungen der Europäischen Zentralbank auch im laufenden Jahr so bleiben. Aufgrund der konjunkturellen Abschwächung verschlechtert sich der Ausblick der Investitionsgüterproduzenten aber zunehmend.

Konsum

Der private Konsum ist 2018 um 1,0 Prozent gestiegen, der Staatskonsum um 1,1 Prozent. Diese gute Entwicklung dürfte sich im laufenden Jahr fortsetzen. Die Verbraucherstimmung liegt aufgrund steigender Einkommen und Beschäftigung weiterhin auf sehr hohem Niveau. 2019 entlasten zudem gesetzliche Änderungen in der Sozialversicherung und beim Kindergeld die privaten Haushalte. Dem Staat bleiben finanzielle Spielräume aufgrund hoher Einnahmen und geringer Kosten für den Schuldendienst.

Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt ist trotz der konjunkturell schwächeren Phase gut in das neue Jahr gestartet. Die Beschäftigung nimmt weiter zu. Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit ist zwar verhaltener, dies liegt aber vor allem daran, dass es zuletzt weniger Entlastung durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gab. Die Unterbeschäftigung hingegen sinkt kräftig. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im Januar um 0,4 Punkte gefallen, liegt mit 103,5 Punkten aber weiterhin im positiven Bereich. Nach Einschätzung des IAB wird der Arbeitsmarkt gegenüber einer begrenzten konjunkturellen Eintrübung robust bleiben.

 

Gehrke, Britta; Weber, Enzo (2019): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Januar 2019, In: IAB-Forum 31. Januar 2019, https://www.iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-januar-2019-2/, Abrufdatum: 19. April 2019