Das deutsche Wirtschaftswachstum stagnierte im Schlussquartal 2018. Somit trat nach dem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent im dritten Quartal, der auch Sondereffekten geschuldet war, kein Aufholeffekt ein. Die Konjunktur und der Ausblick haben sich deutlich abgeschwächt. Im laufenden Jahr dürfte es trotzdem insgesamt verhalten aufwärts gehen. Abwärtsrisiken bestehen durch die Unklarheiten über den Brexit und  Handelskonflikte. Insbesondere Zölle im Automobilsektor würden die deutsche Exportwirtschaft treffen. Dennoch gibt es auch positive Nachrichten. Der Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe steigt und die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt hoch. Die Lage am Arbeitsmarkt ist weiterhin gut.

Außenwirtschaftliches Umfeld

Die konjunkturelle Verlangsamung in Deutschland ist eine Folge der weltwirtschaftlichen Schwäche, die, unter anderem ausgelöst durch Handelskonflikte, insbesondere die fortgeschrittenen Volkswirtschaften betrifft. Die Eurozone wuchs im vierten Quartal 2018 um moderate 0,2 Prozent. Im Ländervergleich gibt es aber deutliche Unterschiede. Während in Spanien, Finnland und den osteuropäischen Mitgliedsstaaten die Entwicklung dynamisch bleibt, liegen Österreich, Deutschland und Italien zurück. Italien ist mit zwei negativen Wachstumsraten in Folge zuletzt sogar in eine Rezession gerutscht.

Exporte

Die Exporte nahmen im vierten Quartal 2018 um 0,7 Prozent zu. Vor dem Hintergrund des Rückgangs um 0,9 Prozent im Vorquartal ist dieser Zuwachs aber mehr als ein Ausgleich des Vorquartals zu werten, zusätzliche Impulse gab es nicht. Die Exporterwartungen im Verarbeitenden Gewerbe haben sich zuletzt etwas stabilisiert, nachdem der Trend zuvor abwärts zeigte. Insgesamt dürfte die Entwicklung aufgrund zunehmender Handelskonflikte und schwacher Weltwirtschaft verhalten bleiben. Die Importe legten ebenfalls um 0,7 Prozent zu. Insgesamt wird der deutsche Leistungsbilanzüberschuss 2018 voraussichtlich der weltweit größte bleiben, auch wenn er das dritte Jahr in Folge zurückging.

Investitionen

Im vierten Quartal wurde mit einem Plus von 0,7 Prozent moderat mehr in Ausrüstungen investiert. Nach zwei schwächeren Vorquartalen zeigt die Entwicklung hier somit wieder leicht aufwärts. Mehr Schwung gab es bei den Bauinvestitionen, die um 1,3 Prozent zulegten. Negative Impulse kamen von den Vorratsveränderungen. Die Kapazitätsauslastung der deutschen Wirtschaft ist seit dem Sommer rückläufig, bewegt sich aber auf weiterhin hohem Niveau. Aufgrund der schwächeren Konjunktur blicken auch die Investitionsgüterproduzenten eher verhalten in die Zukunft, trotz guter Finanzierungsbedingungen.

Konsum

Der private Konsum ist im vierten Quartal um 0,2 Prozent gestiegen, nach einem Minus von 0,3 Prozent im Vorquartal. Insgesamt ist die zweite Jahreshälfte somit als Schwächephase für den privaten Verbrauch einzustufen. Im laufenden Jahr dürfte aber wieder mehr Dynamik entstehen. Zum einen steigen die Preise am aktuellen Rand wieder weniger – bei zunehmenden Einkommen. Zum anderen bleibt das Konsumklima auf hohem Niveau, auch wenn es sich im Vergleich zu den Höchstständen von Anfang 2018 leicht verringert hat. Der Staatskonsum nahm um deutliche 1,6 Prozent zu. Trotzdem bleiben finanzielle Spielräume, da der Staat im Jahr 2018 auf allen Ebenen einen Überschuss erzielte.

Arbeitsmarkt

Die Lage am Arbeitsmarkt ist trotz des konjunkturellen Dämpfers gut. Der Arbeitskräftebedarf bleibt hoch, so dass insbesondere die Beschäftigung weiter zunimmt. Auch die Arbeitslosigkeit und die Unterbeschäftigung gehen zurück, allerdings hat die Dynamik im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2018 etwas nachgelassen. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im Februar erneut um 0,2 Punkte auf 103,4 Punkte gefallen, zeigt aber weiterhin eine positive Entwicklung an. Der Aufschwung bei der Beschäftigung dürfte sich fortsetzen, der Abbau der Arbeitslosigkeit könnte an Schwung verlieren.

 

Gehrke, Britta; Weber, Enzo (2019): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Februar 2019, In: IAB-Forum 1. März 2019, https://www.iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-februar-2019/, Abrufdatum: 23. Juli 2019