Die Corona-Pandemie dürfte in Deutschland zur schwersten Rezession in der Nachkriegsgeschichte führen. Schätzungsweise ist das Bruttoinlandsprodukt durch den Shutdown im März bereits im ersten Quartal geschrumpft. Auch wenn sukzessive Lockerungen seit Mitte April auf den Weg gebracht werden, könnte der Rückgang im zweiten Quartal sogar im zweistelligen Prozentbereich liegen und ein historisches Tief markieren. Die Vorlaufindikatoren fallen so pessimistisch aus wie nie zuvor. Die Kurzarbeitsanzeigen schnellen in die Höhe, auch die Arbeitslosigkeit steigt deutlich.

Außenwirtschaftliches Umfeld

Die Weltwirtschaft ist momentan geprägt von einschneidenden Maßnahmen zur Eindämmung des Virus und in deren Folge von einem starken Einbruch der Wirtschaftstätigkeit. Die Corona-Krise entwickelt sich daher zu einer globalen Rezession. Auch wenn viele Länder in den nächsten Wochen die Einschränkungen lockern und die Produktion hochfahren, wird es weiterhin zu Beeinträchtigungen der Lieferketten kommen, wodurch der Handel eingeschränkt bleibt. Zudem dürfte sich die globale Nachfrage infolge des Anstiegs der Arbeitslosigkeit schwächer entwickeln. Daher bleiben die Aussichten für die künftige Entwicklung stark getrübt. Aktuelle Zahlen aus China zeigen, dass die dortige Wirtschaft, die lange als Motor der Weltkonjunktur galt, um 9,8 Prozent im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorquartal geschrumpft ist.

Exporte

Insbesondere der Außenhandel ist im April durch die weltweiten Shutdowns massiv beeinträchtigt worden. Exporte wie Importe werden daher im laufenden Quartal drastisch einbrechen. Je länger die nationalen Shutdowns andauern, desto gravierender wird der Einbruch ausfallen. Dies spiegelt sich auch in den Exporterwartungen im Verarbeitenden Gewerbe wider, die tief in den negativen Bereich abgerutscht sind.

Investitionen

Für die Investitionen ist weiterhin die extrem hohe Unsicherheit das größte Problem. Zudem war die Kapazitätsauslastung bereits vor der Corona-Krise rückläufig. Deshalb dürften die Investitionen im aktuellen Quartal weiter zurückgefahren werden. Nicht nur die Investitionsgüterproduzenten, sondern auch die Unternehmen im Bauhauptgewerbe schätzen ihre aktuelle und künftige Lage als äußerst schlecht ein.

Konsum

Der Konsum wurde durch die Schließungsmaßnahmen im März und April besonders hart getroffen. Die weitere Aussetzung von Konzerten, Messen und anderen Großveranstaltungen sowie der sich fortsetzende Einbruch im Tourismus und im Gastgewerbe wirken noch immer stark dämpfend auf den Konsum. Die Konsumnachfrage im Lebensmitteleinzelhandel, in Apotheken und Drogerien normalisiert sich. Im Einzelhandel könnte es aufgrund der Lockerungen zu Nachholeffekten kommen. Die steigenden Zahlen der Kurzarbeit und der Arbeitslosigkeit wirken jedoch zusätzlich negativ. Viele Haushalte erwarten Einkommenseinbußen, was das Konsumklima drückt. So fiel der Konsumklimaindex im April noch einmal deutlich.

Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt gerät durch den Corona-Schock stark unter Druck. Die Arbeitslosigkeit nimmt enorm zu – wobei allerdings auch Sondereffekte, wie ausbleibende Abgänge aus Arbeitslosigkeit in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, auftreten. Zwei Drittel der zusätzlichen Arbeitslosigkeit entfallen auf den Rechtskreis des SGB III, also die Arbeitslosenversicherung. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im April auf ein Rekordtief von nur noch 93,5 Punkten gesunken. Für die kommenden Monate wird erwartet, dass die Arbeitslosigkeit stark steigt und die Beschäftigung zurückgeht. Kurzfristig ist mit mehreren Millionen Kurzarbeitern zu rechnen. Obwohl dies  umfassende Arbeitsausfälle widerspiegelt, zeigt es zugleich die große Bereitschaft der Betriebe, ihre Beschäftigten zu halten.

 

Bauer, Anja; Weber, Enzo (2020): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – April 2020, In: IAB-Forum 30. April 2020, https://www.iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-april-2020/, Abrufdatum: 25. Mai 2020