Nach der Stagnation des Wirtschaftswachstums im vierten Quartal 2018 ist auch zu Beginn des Jahres 2019 nicht mit hohen Wachstumsraten zu rechnen. Infolge der Abkühlung der internationalen Konjunktur, ausgelöst durch die politischen Risiken infolge des drohenden Brexits und der internationalen Handelskonflikte, verliert die deutsche Wirtschaft an Schwung.  Die Unternehmen blicken etwas pessimistischer in die Zukunft. Der Arbeitsmarkt hingegen hält seinen Kurs. Die Beschäftigung nimmt zu, die Arbeitslosigkeit sinkt.

Außenwirtschaftliches Umfeld

Die Weltwirtschaft verliert an Dynamik.  Die Handelskonflikte trüben die Konjunkturerwartungen ein und auch die Unsicherheiten durch den drohenden Brexit bleiben, trotz der Verschiebung, bestehen. Vor diesem Hintergrund hat sich zuletzt nicht nur in der Eurozone, sondern auch in den USA die konjunkturelle Dynamik verlangsamt. China hingegen scheint gut in das erste Quartal gestartet zu sein und behält sein Wirtschaftswachstum weitgehend bei.

Exporte

Die globale Schwächephase zeigt sich auch beim deutschen Außenhandel. Nach einem verhaltenen zweiten Halbjahr 2018 zeichnet sich im ersten Quartal 2019 ein heterogenes Bild ab. Während die Exporte im Januar noch um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat stiegen, so sind sie im Februar um 1,3 Prozent gesunken. Die Exporterwartungen im Verarbeitenden Gewerbe folgen einem Abwärtstrend, der aber am aktuellen Rand etwas an Tempo verloren hat. Bei den Importen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab (+1,4 % im Januar, -1,6 % im Februar gegenüber dem Vormonat). Insgesamt dürfte die Entwicklung des Außenhandels aufgrund der Handelskonflikte und der schwachen Weltwirtschaft verhalten bleiben.

Investitionen

Positive Wachstumsimpulse kamen im Schlussquartal 2018 durch Investitionen, insbesondere in Bauten (+1,3 % gegenüber dem Vorquartal), aber auch in Ausrüstungen (+0,7 % gegenüber dem Vorquartal). Für das erste Quartal sind die Signale gemischt. Die Einschätzung der Geschäftslage der Investitionsgüterproduzenten hat sich verschlechtert, allerdings liegen die Umsätze im Januar und Februar über denen aus dem vierten Quartal. Die Erwartungen zur Geschäftsentwicklung und die Auftragseingänge sinken am aktuellen Rand. In Zukunft könnten sich die Investitionen daher wieder verhaltener entwickeln.

Konsum

Nach einem moderaten Anstieg des privaten Konsums im vierten Quartal 2018 um 0,2 Prozent könnte der Beitrag zum Wirtschaftswachstum im ersten Quartal stärker ausfallen. Der Umsatz im Einzelhandel konnte zuletzt erneut zulegen und auch das Konsumklima befindet sich auf hohem Niveau. Die Stimmung der Konsumgüterproduzenten hat sich am aktuellen Rand aufgehellt und die Erwartungen an die zukünftige Geschäftslage haben sich nicht weiter eingetrübt. Auch aufgrund steigender Einkommen der privaten Haushalte dürfte sich der private Konsum weiter gut entwickeln. Der staatliche Konsum nahm zuletzt deutlich zu (+1,6 % im vierten Quartal). Dies dürfte sich aufgrund expansiver Wirkungen von jüngsten Gesetzesänderungen fortsetzen und ebenfalls den Konsum stützen.

Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt trotzt der konjunkturellen Flaute, auch wenn er sich zuletzt etwas weniger dynamisch zeigte. Die Beschäftigung wächst weiter, da die Unternehmen nach wie vor ein Interesse daran haben, sich knapper werdende Arbeitskräfte zu sichern. Zugleich sinkt die Arbeitslosigkeit. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit ist, wie schon in den Vormonaten, durch eine günstige Entwicklung im Bereich der Grundsicherung getrieben. Das milde Frühlingswetter hat die Entwicklung dabei deutlich begünstigt. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer hält im April das Vormonatsniveau von 103,1 Punkten. Somit dürfte sich der Aufschwung bei der Beschäftigung fortsetzen.

Bauer, Anja; Gehrke, Britta; Weber, Enzo (2019): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – April 2019, In: IAB-Forum 30. April 2019, https://www.iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-april-2019/, Abrufdatum: 23. Juli 2019