Immer mehr Betriebe schreiben sich Umweltschutz und ökologische Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen. Die Bedeutung dieser Themen variieren allerdings mit der Branche und der Betriebsgröße. Gerade für kleinere Betriebe indes böte ein stärkeres ökologisches Engagement Chancen, sich im schärfer werdenden Wettbewerb um Fachkräfte besser gegenüber den Großen zu positionieren.

Ökologische Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind Themen, die inzwischen nicht nur in Deutschland massiv an Bedeutung gewonnen haben. Man denke an die „Fridays-for-Future“-Bewegung, das jüngste Klimapaket der Bundesregierung oder den von der Europäischen Kommission angekündigten „Green Deal“. Auch viele Betriebe haben sich mittlerweile ökologische Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben.

Angesichts der unzureichenden Datenlage gibt es bislang allerdings nur wenige Studien darüber, welchen Stellenwert das Thema auf betrieblicher Ebene tatsächlich einnimmt. Dabei ist ökologische Nachhaltigkeit für die Betriebe nicht nur relevant, um unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. Es kann ihnen auch die Möglichkeit eröffnen, Innovationen hervorzubringen, als ökologisch engagierter Betrieb wahrgenommen zu werden oder Kosten zu sparen, etwa durch die Verringerung ihres Stromverbrauchs.

Im Jahr 2018 wurden 16.000 deutsche Betriebe im Rahmen des IAB-Betriebspanels befragt, wie wichtig ihnen ökologische Nachhaltigkeit und Umweltschutz für ihre Geschäftstätigkeit im Vergleich zu anderen Unternehmen der jeweiligen Branche ist. Die Ergebnisse, die im Detail im IAB-Forschungsbericht 8/2019 nachzulesen sind, werden im Folgenden zusammengefasst. Zuvor erfolgt ein kurzer Überblick über den bisherigen Forschungsstand.

Bisherige Studien zum ökologischen Engagement von Betrieben befassen sich mit verschiedenen Aspekten

In den letzten Jahren ist das öffentliche Bewusstsein für die zunehmend knapper werdenden Ressourcen und die negativen Folgen unserer intensiven Wirtschaftsweise für unsere Umwelt gestiegen. Als Reaktion auf diesen Wandel haben Unternehmen aus allen Branchen begonnen, ihre Richtlinien, Produkte und Prozesse anzupassen, um diese Herausforderungen besser zu bewältigen.

Dieses Engagement für Nachhaltigkeit variiert jedoch stark mit der Größe des Unternehmens. Gerade viele kleine Unternehmen halten Umweltmaßnahmen für zu teuer. Wenn aber das institutionelle Umfeld als unterstützend wahrgenommen wird, steigt verschiedenen Studien zufolge auch bei diesen Unternehmen die Wahrscheinlichkeit, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen oder zumindest zu erwägen.

Andere Studien haben sich mit der Frage beschäftigt, ob und inwiefern die Löhne der Beschäftigten beeinflusst werden, wenn Unternehmen in der einen oder anderen Weise ökologisch nachhaltiger wirtschaften als andere oder zumindest so wahrgenommen werden. So zahlen deutsche Unternehmen, die Dienstleistungen und Produkte rund um erneuerbare Energien anbieten – zum Beispiel im Bereich Architektur, Ingenieurdienstleistungen oder Bauwesen – im Schnitt höhere Löhne. Dies zeigt eine 2015 erschienene Studie von Manfred Antoni, Markus Janser und Florian Lehmer.

Zu einem ähnlichen Befund kommt Jens Horbach in einer 2014 publizierten Untersuchung für den Umweltsektor generell. Danach zahlen die Betriebe dort überdurchschnittlich hohe Löhne, da es ihnen zum einen an Personal mangelt, das hochspezialisierte Tätigkeiten durchführen kann. Zum anderen finden sich im Umweltsektor vergleichsweise wenig Geringqualifizierte.

Umgekehrt zeigt Vanessa Burbano in einer verhaltensökonomischen Studie aus dem Jahr 2016, dass Beschäftigte bereit sind, niedrigere Löhne zu akzeptieren, wenn Unternehmen eine größere soziale Verantwortung an den Tag legen.

Auch zu den Auswirkungen auf Produktivität und Leistungsbereitschaft hat die Forschung in den letzten Jahren aufschlussreiche Befunde präsentiert. So haben Magali Delmas und Sanja Pekovic in einer Studie von 2013 festgestellt, dass in französischen Unternehmen mit höheren Umweltstandards die Arbeitsproduktivität höher ist. Außerdem fühlen sich Beschäftigte in solchen Unternehmen bei der Arbeit nützlicher und gerechter behandelt. Sie sind außerdem eher bereit, unbezahlte Überstunden zu leisten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Joseph Lanfranchi und Sanja Pekovic aus dem Jahr 2014.

Eine 2016 erschienene Studie von Jens Horbach und Markus Janser hat zudem ermittelt, dass Betriebe mit umweltfreundlichen Produkten und Dienstleistungen im Schnitt ein höheres Beschäftigungswachstum verzeichnen. Dies gilt insbesondere für innovative Betriebe.

Das IAB-Betriebspanel ermöglicht eine differenzierte Analyse nach Betriebsgröße und nach Branche

Weitere Erkenntnisse zur Bedeutung ökologischer Nachhaltigkeit auf betrieblicher Ebene liefert die bereits erwähnte Betriebsbefragung des IAB aus dem Jahr 2018. Dabei haben 18 Prozent aller Betriebe angegeben, dass ihnen ökologische Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Vergleich zu anderen Unternehmen derselben Branche sehr wichtig ist. Weiteren 34 Prozent war dies wichtig (siehe Tabelle). Für weniger wichtig oder nicht wichtig hielten dies jeweils 14 Prozent der befragten Unternehmen. 19 Prozent machten hierzu keine Angaben.

Tabelle: Bedeutung von ökologischer Nachhaltigkeit in Betrieben unterschiedlicher Größe

Natürlich ist dieses Ergebnis mit einer gewissen Vorsicht zu interpretieren. Denn das eine oder andere befragte Unternehmen mag dazu tendieren, sein ökologisches Engagement etwas positiver darzustellen, als es tatsächlich ist. Aufschlussreicher als eine Globalbetrachtung aller deutschen Unternehmen erscheint daher eine nach Betriebsgröße und Branche differenzierte Analyse.

Großbetriebe setzen stärker auf ökologische Nachhaltigkeit als Kleinbetriebe

Besonders große Betriebe scheinen ökologische Nachhaltigkeit als wichtig einzuschätzen. Dies könnte zum Beispiel daran liegen, dass diese Betriebe es sich eher leisten können, eigene umweltfreundliche Initiativen zu starten, mehr Know-how vorhanden ist oder sich größere Einsparpotenziale bieten. Keines der 22 befragten Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten gab an, dass ihm ökologische Nachhaltigkeit weniger oder nicht wichtig ist. Zum Vergleich: In Kleinstbetrieben mit weniger als 10 Beschäftigten betrug dieser Anteil gut ein Drittel. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass Kleinbetriebe aufgrund eines meist eher engen Produktportfolios oft weniger Ansatzpunkte für umweltfreundliche Initiativen haben als Großbetriebe.

Die Bedeutung ökologischer Nachhaltigkeit variiert von Branche zu Branche

Im Branchenvergleich fällt auf, dass vor allem Industrieunternehmen ökologische Nachhaltigkeit sehr hoch gewichten (siehe Abbildung). Allerdings gibt auch im Dienstleistungssektor beinahe jeder dritte Betrieb an, dass ihm ökologische Nachhaltigkeit sehr wichtig oder wichtig ist, weil sie sich entsprechende Maßnahmen vorstellen können. Man denke beispielsweise an die Förderung eines papierlosen Büros, die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, oder den Wechsel von einem Dienstwagen auf eine Bahncard 100.

Abbildung: Anteil der Betriebe, denen ökologische Nachhaltigkeit (sehr) wichtig ist, nach Branchen

Ökologische Nachhaltigkeit ist ein komparativer Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte

Was die Analysen ebenfalls zeigen: Die Betriebe, denen ökologische Nachhaltigkeit sehr wichtig oder wichtig ist, haben im Durchschnitt weniger Schwierigkeiten, ihre offenen Stellen zu besetzen, als Unternehmen, denen ökologische Nachhaltigkeit weniger oder nicht wichtig ist. Dies könnte daran liegen, dass ökologische Nachhaltigkeit für Unternehmen auch einen Imagegewinn mit sich bringen kann, der sich im schärfer werdenden Wettbewerb um junge Fachkräfte zusehends auszahlt. Da diesem Befund eine multivariate Analyse zugrunde liegt, bei der für verschiedene Einflussgrößen kontrolliert wird, spielen Faktoren wie die Betriebsgröße hier übrigens keine Rolle.

Aufschlussreich ist allerdings auch, dass Betriebe, denen ökologische Nachhaltigkeit sehr wichtig oder wichtig ist, zumindest auf Basis der hier zugrunde gelegten Daten pro Beschäftigtem ein geringeres Geschäftsvolumen und eine geringere Lohnsumme aufweisen. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass Beschäftigte bereit sein könnten, niedrigere Löhne zu akzeptieren, wenn der Betrieb aus ihrer Sicht ökologisch nachhaltig agiert, wie es auch Vanessa Burbanos Ergebnisse zeigen. Zudem muss beachtet werden, dass es sich hierbei um einen Durchschnittswert über alle Branchen hinweg handelt. Im Umweltschutzsektor findet Jens Horbach beispielsweise höhere Lohnzahlungen.

Die Betriebe wurden außerdem gefragt, ob sie Regelungen zum Schutz der Beschäftigten vor Überlastung durch ständige Erreichbarkeit oder verlängerte Arbeitszeiten getroffen haben, zum Beispiel durch das Abschalten von Servern am Abend. Hier zeigt sich: Betriebe, denen ökologische Nachhaltigkeit sehr wichtig oder wichtig ist, schützen ihre Beschäftigten eher vor dieser Art der Überlastung als die weniger ökologisch orientierten. Soziale und ökologische Nachhaltigkeit gehen demnach in vielen Fällen Hand in Hand.

Fazit

Ökologische Nachhaltigkeit ist vielen deutschen Betrieben nach eigenen Angaben wichtig. Allerdings variiert dies stark von Branche zu Branche. Das Thema scheint zudem in großen Unternehmen von größerer Relevanz zu sein als in kleineren.

Gleichzeitig scheinen sich ökologisch orientierte Unternehmen leichter zu tun, ihre offenen Stellen zu besetzen. Insofern könnte ein stärkerer Fokus auf dieses Thema gerade für kleinere Betriebe ein probates Mittel sein, um im schärfer werdenden Wettbewerb um begehrte Fachkräfte den Rückstand gegenüber Großunternehmen zumindest zu verringern.

Angesichts der Corona-Pandemie scheint ökologische Nachhaltigkeit jedoch gegenwärtig etwas aus dem Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Auch für die Unternehmen, von denen nicht wenige um ihr Überleben kämpfen, dürfte das Thema derzeit nicht die höchste Priorität haben. Inwiefern die massiven Auswirkungen der Krise auf die finanzielle Lage der Unternehmen die umwelt- und klimapolitischen Ambitionen der deutschen Wirtschaft auch längerfristig dämpfen, ist abzuwarten.

Die Politik bleibt in jedem Fall gefordert, durch geeignete Rahmenbedingungen dafür zu sorgen, dass sich ökologisches Verhalten für die Unternehmen auszahlt. Ein ökologisch ausgerichtetes staatliches Konjunkturprogramm könnte möglicherweise sogar dazu beitragen, dem Neustart der deutschen Wirtschaft nach dem Ende der Corona-Krise Schub zu verleihen.

Literatur

Antoni, Manfred; Janser, Markus; Lehmer, Florian (2015): The hidden winners of renewable energy promotion: Insights into sector-specific wage differentials. In: Energy Policy, Vol. 86, No. November, S. 595–613.

Bellmann, Lutz; Koch, Theresa (2019): Ökologische Nachhaltigkeit in deutschen Unternehmen: Empirische Ergebnisse auf Basis des IAB-Betriebspanels 2018, IAB-Forschungsbericht Nr. 8.

Burbano, Vanessa (2016): Social responsibility messages and worker wage requirements: Field experimental evidence from online labor marketplaces. In: Organization Science 27.4, S. 1010–1028.

Delmas, Magali; Pekovic, Sanja (2013). Environmental standards and labor productivity: Understanding the mechanisms that sustain sustainability. In: Journal of Organizational Behavior, Vol. 34, Issue 2, S. 230–252.

Horbach, Jens (2014): Determinants of labor shortage – with particular focus on the German environmental sector. IAB-Discussion Paper Nr. 22.

Horbach, Jens; Janser, Markus (2016): The role of innovation and agglomeration for employment growth in the environmental sector. In: Industry and Innovation, Vol. 23, No. 6, S. 488–511.

Lanfranchi, Joseph; Pekovic, Sanja (2014): How green is my firm? Workers’ attitudes and behaviors towards job in environmentally-related firms. In: Ecological Economics, Vol. 100, No. April, S. 16–29.

Bellmann, Lutz; Koch, Theresa (2020): Die Mehrheit deutscher Betriebe misst ökologischer Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert bei, In: IAB-Forum 17. Juni 2020, https://www.iab-forum.de/die-mehrheit-deutscher-betriebe-misst-oekologischer-nachhaltigkeit-einen-hohen-stellenwert-bei/, Abrufdatum: 28. September 2020