Gesamtwirtschaftlich sind die Einfuhren zu Beginn der Covid-19-Pandemie stark eingebrochen. Das gilt insbesondere für Zwischenprodukte. Fast ein Drittel der importierenden Betriebe verzeichnete einen Rückgang der Einfuhr von Vorleistungen und Zwischenprodukten. Als Ursache werden seitens der Betriebe vor allem logistische Probleme und ein geringerer betrieblicher Bedarf genannt.

Deutschland ist als Exportland stark in internationale Lieferketten eingebunden. Im Jahr 2020 wurden Waren im Wert von 1,2 Billionen Euro exportiert und im Wert von 1,0 Billionen Euro importiert. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) handelte es sich bei 51 Prozent der Importe um Zwischenprodukte.

Laut einer Studie von Mary Amiti und Jozef Konings aus dem Jahr 2007 sind Zwischenprodukte für die Wirtschaftsleistung und Produktivität von Unternehmen von großer Bedeutung. Sie nutzen Zwischenprodukte, um eigene Produkte und Dienstleistungen herstellen beziehungsweise anbieten zu können. Ohne den reibungslosen Bezug dieser Zwischenprodukte gerät daher auch die Produktion der betroffenen Unternehmen vielfach schnell ins Stocken. Ein Beispiel für Engpässe in den Lieferketten ist der gegenwärtige Mangel an Halbleitern und Mikrochips.

Im Pandemiejahr 2020, und vor allem im zweiten Quartal, waren viele Importgüter nur stark eingeschränkt verfügbar. Ursache waren zum Beispiel Grenzschließungen oder Produktionsstopps. Der pandemiebedingte Einbruch betraf Kapitalgüter wie Maschinen und Zwischenprodukte deutlich stärker als Konsumgüter (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der deutschen Warenimporte nach Endnutzung im Jahr 2020 gemessen am Importvolumen des Vorjahresmonats. Betrachtet werden Konsumgüter, Zwischenprodukte und Kapitalgüter. Bei allen drei Kategorien brach der Import im Frühjahr 2020 stark ein und stieg Jahresende wieder über das Niveau des Vorjahresmonats. Zwischenprodukte und Kapitalgüter brachen mit knapp 30 Prozent stärker ein als Konsumgüter mit rund 16 Prozent. Quelle: Statistisches Bundesamt (2021), United Nations Statistics Division (2016), eigene Berechnungen.

Die Importe von Konsumgütern lagen im April und Mai 2020 etwa 15 Prozent unter dem Wert der entsprechenden Vorjahresmonate, bei Zwischenprodukten und Kapitalgütern waren es mehr als 25 Prozent. Ab Juni 2020 erholten sich die Importe wieder. Bis Jahresende erreichten sie in allen drei Güterkategorien wieder das Vorkrisenniveau oder übertrafen es sogar.

Ein beträchtlicher Teil der Betriebe in Deutschland bezieht Vorleistungen oder Zwischenprodukte aus dem Ausland. Die Frage ist, wie sich der gesamtwirtschaftliche Rückgang der Importe auf der Ebene der Betriebe darstellt. Als Importbetriebe werden hier jene Betriebe bezeichnet, die im August 2021 Vorleistungen oder Zwischenprodukte aus dem Ausland bezogen haben.

Als Datengrundlage dient die IAB-Betriebsbefragung „Betriebe in der Covid-19-Krise“. Seit August 2020 werden dort in regelmäßigen Abständen Informationen zu den Auswirkungen der Pandemie auf die Betriebe in Deutschland erhoben. Die hier verwendeten Daten stammen aus der 16. Welle der Befragung, die im August 2021 durchgeführt wurde. Sie hat sich unter anderem mit den Auswirkungen der Krise auf den internationalen Handel befasst.

Die Fragen nach Importen beziehen sich ausschließlich auf Importe von Vorleistungen und Zwischenprodukten. Wenn im Folgenden von Importen auf der Betriebsebene gesprochen wird, ist daher nur der Bezug von Vorleistungen und Zwischenprodukten gemeint, nicht der von Endprodukten.

Ein Drittel der Importeure bezieht Einfuhren ausschließlich aus Ländern der EU

Diesen Daten zufolge bezieht fast ein Viertel (23 %) aller Betriebe Vorleistungen oder Zwischenprodukte aus dem Ausland. Etwa ein Drittel (34 %) aller Importeure bezieht Einfuhren ausschließlich aus Ländern der Europäischen Union (EU), während weitere knapp 6 Prozent aus dem Vereinigten Königreich importieren (die Importe dieser Betriebe können zusätzlich auch aus den Ländern der EU kommen).

Der mit 60 Prozent größte Anteil der Importbetriebe entfällt jedoch auf Betriebe mit einem weiter gefassten Handelsnetzwerk. Sie führen auch Waren aus anderen Ländern, beispielweise aus den USA oder aus China, ein.

Von den Betrieben, die ausschließlich aus der EU importieren, verzeichneten rund 24 Prozent im Jahr 2020 einen Rückgang der Importe. Bei den Betrieben, die auch aus dem Vereinigten Königreich importieren, betrug dieser Anteil rund 19 Prozent, bei solchen mit Einfuhren auch aus anderen Ländern 33 Prozent.

Kleine Betriebe waren häufiger von Importrückgängen betroffen

Während die Importe im Jahr 2020 gesamtwirtschaftlich erheblich zurückgegangen sind, zeigen sich auf der Ebene der Betriebe deutliche Unterschiede. Mit 71 Prozent gibt eine deutliche Mehrheit der Importbetriebe an, dass der Umfang ihrer Einfuhren 2020 gegenüber dem Vorjahr konstant geblieben oder sogar gestiegen ist. Knapp 29 Prozent der Importbetriebe vermeldeten dagegen rückläufige Einfuhren.

Zugleich unterscheidet sich der Anteil sowohl der importierenden als auch der von rückläufigen Importen betroffenen Betriebe je nach Größe, Branche und Standort mehr oder weniger stark (siehe Tabelle). So ist der Anteil der Importeure unter den Kleinstbetrieben (bis zu 9 Beschäftigte) niedriger als unter größeren Betrieben. Zugleich berichten aber die importierenden Kleinstbetriebe öfter über rückläufige Einfuhren.

Die Tabelle zeigt den Anteil der Importbetriebe sowie der Importbetriebe mit rückläufigen Einfuhren im Jahr 2020 differenziert nach Betriebsgröße, Wirtschaftszweig und Betriebsstandort. Während der Anteil der Importbetriebe mit der Betriebsgröße steigt, sinkt der Anteil der Importbetriebe mit rückläufigen Einfuhren tendenziell mit der Betriebsgröße. reicht von 8,6 Prozent im Bereich „Verkehr und Lagerei“ bis 47,1 Prozent im Gastgewerbe. Im Verarbeitenden Gewerbe sind es 22,1 Prozent. Der Anteil der Importbetriebe mit rückläufigen Einfuhren ist in Westdeutschland mit 30,3 Prozent etwas höher als in Ostdeutschland mit 23,5 Prozent. Quelle: Betriebsbefragung „Betriebe in der Covid-19-Krise“, Welle 16 (02.–17. August 2021), N = 1.847. Hochgerechnete Werte.

Dazu passt der Befund, dass Betriebe des Groß- und Einzelhandels mit 34 Prozent häufiger über rückläufige Einfuhren berichten als Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes mit 22 Prozent. Manche Wirtschaftszweige dürften demnach während der Pandemie stärker von coronabedingten Einschränkungen der Einfuhren betroffen gewesen sein als andere. Dies dürfte an der Spezifik und Komplexität von Handelsketten liegen. Darüber hinaus finden sich Betriebe mit Importrückgängen etwas seltener in Ostdeutschland als in Westdeutschland.

Gut zwei Drittel der Betriebe mit rückläufigen Importen geben logistische Probleme als Grund an

Importbetriebe, deren Einfuhren während der Covid-19-Pandemie zurückgegangen sind, gaben hierfür unterschiedliche Gründe an. Am häufigsten berichteten die Betriebe über logistische Probleme (68 %), dicht gefolgt von einem geringeren Bedarf des Betriebs (62 %). Ein Rückgang des entsprechenden Angebots an Gütern im Ausland nannten knapp 30 Prozent der Betriebe. Dass es für den Rückgang der Einfuhren noch weitere, womöglich betriebsspezifische, Ursachen gibt, zeigt sich daran, dass rund die Hälfte der Betriebe „Sonstige Gründe“ anführt (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2 zeigt die Gründe dafür, warum die Importe von Vorleistungen und Zwischenprodukten im Jahr 2020 in manchen Betrieben rückläufig waren. 62 Prozent der Betriebe gaben als Grund einen geringeren Bedarf an, 69 Prozent logistische Probleme, 30 Prozent ein geringeres Angebot im Ausland und 52 Prozent sonstige Gründe. Quelle: Betriebsbefragung „Betriebe in der Covid-19-Krise“, Welle 16 (2.–17. August 2021).

Fazit

Infolge der Covid-19-Krise ist insbesondere die Einfuhr von Zwischenprodukten und Kapitalgütern im Frühjahr 2020 gesamtwirtschaftlich massiv eingebrochen. Auf betrieblicher Ebene zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede. Fast ein Viertel aller deutschen Betriebe bezieht Vorleistungen oder Zwischenprodukte aus dem Ausland. Die Mehrheit dieser Betriebe verzeichnete 2020 im Vergleich zum Vorjahr jedoch keinen Rückgang der Importe. Kleinere Betriebe und Betriebe, die Einfuhren aus Ländern außerhalb der EU und des Vereinigten Königreichs beziehen, berichteten überdurchschnittlich häufig über rückläufige Importe. Als Gründe hierfür wurden vor allem logistische Probleme und ein geringerer Bedarf des Betriebs genannt.

Literatur

Amiti, Mary; Konings, Jozef (2007): Trade Liberalization, Intermediate Inputs, and Productivity: Evidence from Indonesia. In: American Economic Review, Vol. 97, No. 5, S. 1611—1638.

Bellmann, Lutz; Kagerl, Christian; Koch, Theresa; König, Corinna; Leber, Ute; Schierholz, Malte; Stegmaier, Jens; Aminian, Armin (2020): Was bewegt Arbeitgeber in der Krise? Eine neue IAB-Befragung gibt Aufschluss. In: IAB-Forum, 25.09.2020.

OECD (2021): BTDIxE Bilateral Trade in Goods by Industry and End-use, ISIC Rev. 4.

United Nations Statistics Division (2016): Classification by Broad Economic Categories (BEC) Rev. 5.

In aller Kürze

  • Deutsche Einfuhren sind zu Beginn der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 stark eingebrochen, insbesondere der Import von Zwischenprodukten.
  • Allerdings sind die Betriebe je nach Größe und Importregion sehr unterschiedlich betroffen.
  • Nahezu ein Drittel aller importierenden Betriebe berichtet über einen Rückgang der Einfuhr von Vorleistungen und Zwischenprodukten.
  • Als Gründe dafür werden vor allem logistische Probleme und ein geringerer Bedarf des eigenen Betriebs genannt.

 

doi: 10.48720/IAB.FOO.20220221.01

 

Bellmann, Lutz; Gleiser, Patrick; Hensgen, Sophie; Kagerl, Christian ; Kleifgen, Eva; Leber, Ute; Moritz, Michael; Roth, Duncan; Schierholz, Malte ; Stegmaier, Jens; Stepanok, Ignat; Umkehrer, Matthias (2022): Der Import von Zwischenprodukten ist zu Beginn der Covid-19-Pandemie stark eingebrochen, In: IAB-Forum 21. Februar 2022, https://www.iab-forum.de/der-import-von-zwischenprodukten-ist-zu-beginn-der-covid-19-pandemie-stark-eingebrochen/, Abrufdatum: 9. August 2022