Die Konjunktur befindet sich nach dem Einbruch in der Corona-Krise wieder auf Erholungskurs. Für das Jahr 2020 erwartet das IAB in seiner aktuellen Prognose eine Schrumpfung des realen Bruttoinlandsprodukts von 5,2 Prozent. Im Jahr 2021 könnte die Wirtschaftsleistung wieder um 3,2 Prozent zulegen. Die Zahl der Arbeitslosen steigt im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000, die Erwerbstätigkeit fällt um 400.000 Personen. Im Zuge der einsetzenden wirtschaftlichen Erholung verbessert sich aber auch die Arbeitsmarktentwicklung wieder. Für das Jahr 2021 geht das IAB von einem Anstieg der Erwerbstätigkeit um 130.000 und einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 100.000 Personen aus. Die wichtigsten Befunde der Prognose, deren Langfassung im IAB-Kurzbericht 19/2020 publiziert wurde, werden im Folgenden zusammengefasst.

Die Covid-19-Pandemie ließ die deutsche Wirtschaft in der ersten Jahreshälfte massiv schrumpfen. Im ersten Quartal 2020 nahm das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,0 Prozent, im zweiten Quartal sogar um 9,7 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorquartal ab. Dieser Einbruch ist vor allem auf die Eindämmungsmaßnahmen im Frühjahr in Deutschland und weltweit zurückzuführen.

Infolge der schnellen und weitgehenden Lockerungen kam aber bereits zum Ende des zweiten Quartals eine deutliche Erholung in Gang. Daher rechnen wir für das zweite Halbjahr mit einem starken Aufschwung, der sich gegen Ende dieses Jahres abflacht. Das Vorkrisenniveau wird allerdings bis zum Ende des nächsten Jahres wohl noch nicht wieder erreicht. Insgesamt erwarten wir für das Jahr 2020 einen Rückgang des BIP um 5,2 Prozent, gefolgt von einem Anstieg um 3,2 Prozent im Jahr 2021. Dabei ist die Prognoseunsicherheit mit einem Intervall von ±1,4 Prozentpunkten im Jahr 2021 allerdings deutlich höher als für 2020, wo sie nur bei ±0,3 Prozentpunkten liegt.

In der Weltwirtschaft hinterlässt die Covid-19-Pandemie deutliche Spuren. Die weltweiten Eindämmungsmaßnahmen führten zu globalen Produktions- und Handelseinschränkungen und damit zu Rezessionen in nahezu allen Ländern. Da das Virus die Volkswirtschaften zu unterschiedlichen Zeitpunkten traf, befinden sich die wichtigsten Handelspartner an unterschiedlichen Punkten im Verlauf der Erholung.

Exporte, Investitionen und Konsum dürften deutlich zulegen – gleichwohl bleiben gravierende Risiken

In Deutschland erholen sich die Exporte und Importe nach dem starken Einbruch im zweiten Quartal momentan wieder. Die Exporterwartungen deuten ebenfalls eine kräftige Erholung im laufen­den Jahr an. Risiken entstehen durch ein mögli­ches Scheitern des Handelsabkommens zwischen Großbritannien und der Europäischen Union (EU) nach dem Brexit und die jüngst in vielen Ländern der Welt wieder steigenden Infektionszahlen. Im Falle er­neuter Shutdowns bei wichtigen Handelspartnern Deutschlands könnte es auch hierzulande wieder zu Lieferengpässen und Nachfrageeinbußen kommen. Außerdem ist das Insolvenzrisiko global deutlich er­höht, was zu Lieferausfällen führen und die Erholung verlangsamen könnte.

Die Investitionen sind be­reits seit Mitte 2019 rückläufig. Bedingt durch die Corona-Krise gingen die Investitionen in Ausrüstun­gen im zweiten Quartal 2020 aber noch einmal kräf­tig zurück. Die Bauinvestitionen, die bis zuletzt noch zunahmen, sind im zweiten Quartal ebenfalls gesunken. Die Kapazitätsauslastung ist so niedrig wie zuletzt in der Finanzkrise im Jahr 2009. Trotz der bestehenden Unsicherheiten werden sich im Zuge der allgemeinen Belebung auch die Investitionen wieder etwas erholen.

Am stärksten hat die Corona-Krise den Konsum gedämpft. Während der Eindämmungsmaßnahmen gab der private Konsum massiv nach, da weite Teile des öffentlichen Lebens zum Stillstand kamen. Die schnellen und weitgehenden Öffnungen führten aber in vielen Bereichen zu einer raschen Erholung. Der Staatskonsum stützte die Wirtschaft durch ein umfangreiches Konjunkturpaket.

Allerdings ist für bestimmte Wirtschaftsbereiche absehbar, dass Ein­schränkungen noch bis weit ins nächste Jahr be­stehen bleiben werden, was zu einem durchschnittlichen Ausfall der Bruttowertschöpfung um 2,4 Prozent in diesem und 1,2 Prozent im nächsten Jahr führen könnte. Einkommenseinbußen durch den Anstieg der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit verlangsa­men die Erholung des Konsumklimas. Die Unsi­cherheit über das weitere Infektionsgeschehen und mögliche wirtschaftliche Folgen mindert ebenfalls die Dynamik im Konsum.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen wird steigen

Durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bleibt unklar, wie viele Unternehmen aktuell tat­sächlich insolvent sind und mit dem Auslaufen der Aussetzungsfrist ein Insolvenzverfahren beginnen. Wenn die Zahl der Insolvenzen auf die BIP-Ände­rung ähnlich stark reagiert wie in der Vergangenheit, wären im Vergleich zum Vorjahr 3.000 Insolvenzen mehr zu erwarten, verbunden mit 40.000 Jobverlus­ten. Inwieweit sich frühere Zusammenhänge auch in der aktu­ellen Krise zeigen werden, ist aber unsicher. Die Eigenkapi­talquoten sind insgesamt gut und im Markt ist viel Liquidität vorhanden. Allerdings gehen mit der breiten Krisenwirkung und der wirtschaftlichen Transformation besondere Herausforderungen einher.

Der plötzliche und gravierende Einbruch der Wirt­schaftsleistung setzte den Arbeitsmarkt massiv unter Druck. Dies gilt angesichts der Tiefe des Ein­bruchs, aber auch angesichts der Breite der Betrof­fenheit, über viele Branchen hinweg. Der größere Teil des arbeitsmarktbedingten Anstiegs der Arbeitslosigkeit war dabei direkt auf die Eindämmungsmaß­nahmen zurückzuführen und kam sowohl durch zusätzliche beendete als auch durch weniger neu begonnene Beschäftigungsverhältnisse zustande. Die Entlas­sungszahlen blieben dennoch vergleichsweise begrenzt, der Arbeits­markt stürzte nicht ins Bodenlose. Wichtig waren dafür die schnellen und umfas­senden Stützungsmaßnahmen für Betriebe und Beschäftigung, also vor allem Liquiditätshilfen und Kurzarbeit.

Der Arbeitsmarkt ist deutlich krisenresistenter geworden

Die bisherige Reaktion passt ins Bild eines deutlich stabiler gewordenen Arbeitsmarkts. Seit der Weltfinanzkrise im Jahr 2009 reagiert die Er­werbstätigkeit in Deutschland wesentlich robuster auf konjunkturelle Schwankungen als in früheren Zeiten, wie Sabine Klinger und Enzo Weber in einem aktuellen Beitrag darlegen. Gerade angesichts der gestiegenen Knappheit am Arbeitsmarkt versuchen viele Betriebe, auch in konjunkturellen Schwäche­phasen ihre Beschäftigten zu halten. Ein solches Arbeitskräftehorten tritt üblicherweise gerade bei vorübergehenden und externen Schocks auf. Der plötzliche Corona-Einbruch ist in großen Teilen ein idealtypisches Beispiel.

Dennoch kam es angesichts der enormen Wucht des wirtschaftlichen Schocks zu deutlichen Ver­schlechterungen bei Beschäftigung und Arbeitslo­sigkeit. Die Neueinstellungen sind stark zurückge­gangen. Neu sind zudem die unmittelbaren Ausfälle von Wirtschaftstätigkeit gerade in Bereichen, die üblicherweise geringeren Konjunkturschwankun­gen ausgesetzt sind. Bei den hier oft betroffenen eher kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen, Einfach­arbeitsplätzen und Minijobs sowie in der Zeitarbeit ist ein Arbeitskräftehorten weniger ausgeprägt.

Die Talsole am Arbeitsmarkt scheint durchschritten

Mittlerweile scheint der Arbeitsmarkt die Talsoh­le durchschritten zu haben. Das Entlassungsniveau hat sich nach den kurzfristigen Kriseneffekten ins­gesamt normalisiert. Auch die schnelle Aufhebung der Corona-Einschränkungen hat dazu beigetragen, dass dies zügig möglich war.

Für den Prognosezeit­raum rechnen wir mit einer schrittweisen Erholung. Dabei wird es aber darauf an­kommen, dass sich die Suchaktivität am Arbeits­markt verstärkt und die noch immer niedrige Neueinstellungsdynamik erhöht werden kann. Zudem gehen wir davon aus, dass Insolvenzen nach Auslaufen der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht die Erholung des Ar­beitsmarkts zwar verzögern, aber nicht zu einem weiteren Einbruch führen.

Die Zahl der Arbeitslosen wird auf Basis der Pro­gnose wieder zurückgehen. Auch wenn es im Som­mer saisonbereinigt keine weiteren Zunahmen gab, ist eine starke Trendwende nach unten jedoch noch nicht eingetreten. Für den Jahresdurchschnitt 2020 ergibt sich eine Zunahme der Arbeitslosigkeit um 440.000 Personen (Prognoseintervall ±30.000) im Vergleich zum Vorjahr. Dabei ist zudem relevant, dass Übergänge von Arbeitslosen in arbeitsmarkt­politische Maßnahmen wie Fortbildungskurse nur eingeschränkt stattfanden oder etwa kurzfristige Arbeitsunfähigkeitsmeldungen von Arbeitslosen in geringerem Umfang als gewohnt erfolgten. Diese Effekte gehen ebenfalls allmählichwieder zurück. Für das Jahr 2021 erwarten wir, dass die Arbeitslosig­keit um 100.000 Personen sinkt (Prognoseintervall ±160.000). Sie liegt damit aber noch deutlich höher als vor der Pandemie.

Ausgehend von der Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf wird die SGB-III-Arbeitslosigkeit im Jahr 2020 voraussichtlich 1,14 Millionen Personen umfassen; das sind 310.000 mehr als im Jahr 2019. Die SGB-II-Arbeitslosigkeit steigt um 130.000 Personen und beträgt im Jahresdurchschnitt 1,57 Millionen. Für das Jahr 2021 erwarten wir eine eine leichte Abnahme der Zahl der Arbeitslosen auf 1,09 Millionen im SGB III und 1,52 Millionen im SGB II.

Der Rückgang der Erwerbstätigkeit im Jahr 2020 ist vor allem auf die stark rückläufige Zahl der Minijobber zurückzuführen

Trotz der einsetzenden Erholung wird die Zahl der Erwerbstätigen im Jahresdurchschnitt 2020 um 400.000 niedriger liegen als im Vorjahr (Prognose­intervall ±40.000). Dafür ist auch ein starker Rück­gang um 340.000 Personen bei Minijobbern verantwortlich, die nicht von der Kurzarbeitsregelung profitieren. Zudem haben sich hundert­tausende Personen vom Arbeitsmarkt zurückgezo­gen (lesen Sie hierzu auch einen aktuellen Beitrag von Johann Fuchs, Brigitte Weber und Enzo Weber im IAB-Forum). Wenn diese nicht wieder aktiviert werden können, sinkt das Beschäftigungs­potenzial entsprechend.

Gerade für die ersten Mo­nate der Prognose spielt zudem eine Rolle, dass die erhebliche Zahl der Kurzarbeitenden deutlich zurück­geht, was die Beschäftigung nicht erhöht, da diese bereits als erwerbstätig zählen. Im Jahresschnitt 2021 steigt die Erwerbstätigkeit dann wieder um 130.000 Personen (Prognoseinter­vall ±250.000).

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung kann im Jahresdurchschnitt 2020 auf­grund eines hohen statistischen Überhangs um 50.000 Personen zulegen. Eine durchgreifende Erholung wird es laut Progno­se aber erst im nächsten Jahr geben. Für 2021 erwarten wir ein deutlicheres Plus von 320.000 auf dann 33,89 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Bei der Zahl der Selbstständigen rechnen wir für dieses und kommendes Jahr mit Rückgängen von jeweils knapp 130.000 Personen.

Im zweiten Quartal mussten alle Wirtschaftsbereiche einen Beschäftigungsrückgang hinnehmen. Das Produzie­rende Gewerbe ohne Baugewerbe, die Wirtschafts­bereiche Handel, Verkehr und Gastgewerbe sowie die Sonstigen Dienstleister erlebten einen besonders starken Einbruch der Beschäftigung. Vor allem das Gastgewerbe, der Luft- und Land­verkehr sowie Kultur-, Sport- und Messeveranstal­tungen werden auch über 2021 hinaus noch Auswir­kungen der Covid-19-Pandemie spüren. Trotzdem gehen wir davon aus, dass im Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe und bei den Sons­tigen Dienstleistern eine Erholung einsetzen wird.

Im Produzierenden Gewerbe ist 2021 mit einem weiteren, wenn auch moderateren Stellenabbau zu rechnen

Das Produzierende Gewerbe verzeichnete im dritten Quartal 2019 nach einem langanhaltenden Beschäftigungsaufbau erstmals wieder einen Rück­gang, der im Zusammenhang mit dem Struktur­wandel im Fahrzeugbau und dem schwachen Ex­port steht. Dieser Stellenabbau beschleunigte sich insbesondere im zweiten Quartal 2020 aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus. Für den Prognosezeitraum rechnen wir mit einem weiteren, wenn auch moderateren Stellenabbau.

Den mit Abstand höchsten Beschäftigungsgewinn wird der Wirtschaftsbereich Öffentliche Dienstleis­ter, Erziehung, Gesundheit erzielen. Dies liegt hauptsächlich am Ausbau der Kinderta­gesbetreuung und an der Alterung der Gesellschaft. Auch die Ausbreitung des Corona-Virus trägt dazu bei, dass die Nachfrage nach Gesundheitsdienst­leistungen deutlich steigt.

In der Branche Information und Kommunikati­on erwarten wir im Vergleich aller Wirtschaftsbereiche (bezogen auf die Größe) die höchsten Zunahmen. Diese positive Ent­wicklung hängt mit dem Trend zur Digitalisierung und verstärkten Vernet­zung von Produktions- und Dienstleistungsprozes­sen zusammen. Zudem werden Digitalisierungsprozesse insbe­sondere im Bereich der Kommunikation auch durch die Covid-19-Pandemie selbst verstärkt.

Die Zahl der Personen in Kurzarbeit dürfte im kommenden Jahr auf etwa 840.000 sinken

Neben mehr Freistellungen ist die Arbeitszeit im laufenden Jahr vor allem durch Kurzarbeit, Abbau bei Arbeitszeitkonten und weniger Überstunden gesunken. Den Großteil macht die Kurzarbeit aus – die Entlastung bei den Lohnkosten spielt für viele Betriebe eine entscheidende Rolle und hat die Wucht der Corona-Krise zum großen Teil abgefangen. Die Zahl der konjunkturellen Kurzarbeiter ist ab März 2020 sprunghaft gestiegen und lag im April 2020 mit rund 6 Millionen Personen auf einem historischen Höchststand.

Ab dem zweiten Halbjahr 2020 dürften viele Betriebe wieder zu normalen Arbeitszeiten zurückkehren. Die Zahl der konjunkturellen Kurzarbeiter wird sich im Durchschnitt des Jahres 2020 schätzungsweise auf durchschnittlich rund 2,7 Millionen Personen belaufen und im Jahr 2021 weiter auf 740.000 Personen sinken. Zusammen mit der Saison- und Transferkurzarbeit erwarten wir rund 2,8 Millionen Kurzarbeiter im laufenden und rund 840.000 im kommenden Jahr.

Nach einem Rückgang um 3,1 Prozent im laufenden Jahr wird die durchschnittliche Arbeitszeit der Erwerbstätigen 2021 mit 1.378 Stunden wieder um 38 Stunden (+2,8 %) höher liegen. Der Rückgang des gesamtwirtschaftlichen Arbeitsvolumens infolge der Corona-Krise ist beträchtlich: Das Produkt aus durchschnittlicher Arbeitszeit und Erwerbstätigenzahl sinkt im Jahr 2020 auf 60,15 Milliarden Stunden (-3,9 %), im Jahr 2021 nimmt es mit wieder steigender Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit auf 62,02 Milliarden Stunden zu (+3,1 %). Der größte Teil des BIP-Einbruchs von 5,2 Prozent im laufenden Jahr spiegelt sich in einem Rückgang der geleisteten Arbeitsstunden wider, ein kleinerer Teil in einer sinkenden Produktivität pro Stunde (-1,3 %).

Das Erwerbspersonenpotenzial sinkt im Jahr 2020 um 100.000 und im Jahr 2021 um 50.000 Arbeitskräfte. Neben einer sehr geringen Nettomigration spielt eine Rolle, dass sich potenzielle Arbeitskräfte vom Arbeitsmarkt zurückziehen und damit die Erwerbsbeteiligung deutlich schwächer wächst als in der Vergangenheit. Damit setzt sich der immer stärker werdende negative demografische Trend nun durch.

Fazit

Die Welle der akuten Krisenwirkungen am Arbeitsmarkt ebbt allmählich ab. Die Wirtschaftsentwicklung hat sich im Vergleich zum Tiefpunkt im April dieses Jahres wieder deutlich verbessert. Auch fünf Monate nach Aufhebung des Shutdowns ist die wirtschaftliche Aktivität aber noch stark gedämpft. Risiken in Bezug auf das Infektionsgeschehen bleiben bestehen.

Während sich das Entlassungsniveau wieder normalisiert hat, liegt die Neueinstellungsdynamik noch immer deutlich unter dem Stand vor der Krise. Dies birgt erhebliche Risiken: So könnte sich die Arbeitslosigkeit verfestigen. Zugleich droht ein Corona-Jahrgang bei den Berufseinsteigern (lesen Sie hierzu auch den Beitrag „Corona-Krise: die transformative Rezession“ von Christian Hutter und Enzo Weber im „Wirtschaftsdienst“) sowie ein Rückzug vieler Menschen vom Arbeitsmarkt. Außerdem könnte sich die berufliche Aufwärts­entwicklung über Jobwechsel abschwächen, wie Anja Bauer und Koautoren in einem aktuellen Forumsbeitrag aufzeigen.

So wie in Krisenzeiten über Kurzarbeit Entlassun­gen vermieden werden, sollten deshalb jetzt auch Neueinstellungen gefördert werden. Einstellungs­zuschüsse etwa in Form von Übernahme der Ar­beitgeberbeiträge zur Sozialversicherung sind ein effektives Mittel, um die Dynamik von Arbeitsmarkt und Wirtschaft zu verstärken, denn so werden di­rekt Jobs, Einkommen und Produktionskapazitäten geschaffen. Der Absicherung der betrieblichen Ausbildung und der Übernahme nach Ausbildungsabschluss kommt dabei besondere Bedeutung zu (lesen Sie dazu auch einen aktuellen Beitrag von Bernd Fitzenberger im IAB-Forum).

Expansiv würde zudem eine stärkere Investitionstä­tigkeit wirken. Dazu könnten erleichterte Möglichkeiten der Sofortabschreibung und eines umfassenderen Ver­lustrücktrags (steuerliche Verrechnung von Verlus­ten mit Vorjahresgewinnen) unmittelbar beitragen, also ohne Umwege über zu beantragende Förder­programme. So ließe sich auch die digital-ökologi­sche Transformation der Wirtschaft unterstützen.

Der transformative Charakter der Corona-Krise macht zudem Investitionen in Humankapital not­wendig, damit Qualifikationen und Kompetenzen mit dem technologischen Wandel Schritt halten. Auch hier bieten sich sofort wirksame Maßnahmen an. So könnte ein besonderer Bildungsbonus laufend an alle gezahlt werden, die während der Arbeitslosigkeit eine geeignete längere zertifizierte Qualifizierung absolvieren. Ein BAFöG für Zweitausbildun­gen, das sich am Bedarf von Menschen in der Mitte des Be­rufslebens orientiert, würde deren berufliche Umorientierung unterstützen und ihnen zugleich mehr Sicherheit geben.

Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht dürf­te kurzfristige Kriseneffekte gemildert haben, eine weitere Verlängerung würde jedoch die Gefahr bergen, dass viele unvermeidliche Insolvenzen ver­schleppt werden. Bei drohenden Insolvenzfällen sollte aber gezielt die Aussicht auf eine Gesundung des Geschäfts nach der Krise geprüft werden und dementsprechend eine Liquiditätshilfe beziehungs­weise Kreditvergabe oder Beteiligung von öffentli­cher Seite für eine nachhaltige Sanierung erfolgen.

Literatur

Bauer, Anja; Fuchs, Johann; Gartner, Hermann; Hummel, Markus; Hutter, Christian; Wanger, Susanne; Weber, Enzo; Zika, Gerd (2020): IAB-Prognose 2020/21: Arbeitsmarkt auf schwierigem Erholungskurs. IAB-Kurzbericht Nr. 19.

Bauer, Anja; Keveloh, Kristin; Mamertino, Mariano; Weber, Enzo (2020): Wie die Corona-Krise die Suchprozesse am Arbeitsmarkt beeinflusst. In: IAB-Forum, 6.8.2020.

Fitzenberger, Bernd (2020): In der Covid-19-Rezession muss auch die duale Berufsausbildung abgesichert werden. In: IAB-Forum, 5.6.2020.

Fuchs, Johann; Weber, Brigitte; Weber, Enzo (2020): Rück­zug vom Arbeitsmarkt? Das Angebot an Arbeitskräften sinkt seit Beginn der Corona-Krise stark. In: IAB-Forum, 12.8.2020.

Hutter, Christian; Weber, Enzo (2020): Corona-Krise: die transformative Rezession. Wirtschaftsdienst, Vol. 100, No. 6, S. 429–431.

Klinger, Sabine ; Weber, Enzo (2020): GDP-Employment Decoupling in Germany. In: Structural change and economic dynamics, Vol. 52, No. March, S. 82–98.

Bauer, Anja; Fuchs, Johann; Gartner, Hermann; Hummel, Markus; Hutter, Christian; Wanger, Susanne; Weber, Enzo; Zika, Gerd (2020): IAB-Prognose 2020/2021: Arbeitsmarkt auf schwierigem Erholungskurs, In: IAB-Forum 6. Oktober 2020, https://www.iab-forum.de/arbeitsmarktprognose-2020-2021_arbeitsmarkt_auf_schwierigem_erholungskurs/, Abrufdatum: 22. Oktober 2020